Willkommen zum neuen Gefäss auf GRHeute – GRDigital. Jeden Mittwoch erscheint eine Ausgabe über ein aktuelles Bündner Thema rund um Innovation, Technologie und Digitales. In der ersten Ausgabe stellen wir ein Bündner Start-Up vor, welches das Lesen an sich revolutionieren will – und das 2017. Hilft die Bionic-Darstellung beim Lesen?

In der Hektik der heutigen Zeit sind Textfluten, hervorgerufen durch Blogs, EBooks, EPaper und EMails, ein tagtägliches Problem geworden. Das Gelesene wird schnell wieder vergessen oder gar nicht erst optimal aufgenommen. Durch die Überreizung des menschlichen Auges, ist der Betrachter vielfach nicht mehr in der Lage, einen Text richtig und nachhaltig zu lesen.

Das menschliche «Gehirnzentrum», welches für das Lesen zuständig ist, unterstützt das Auge mit gezielter Vereinfachung. So wird kein Wort vom ersten bis zum letzten Buchstaben mit dem Auge erfasst. Der Betrachter nimmt nur die beginnenden Buchstaben eines Wortes auf — das «Gehirnzentrum» gt dann die endenden Buchstaben zu einem für den Leser erkennbaren Wort zusammen. Durch die neue Textaufnahme mit Bionic Reading, wird das Auge mit gezielten Fixationspunkten über einen Text geführt. Der Inhalt wird schneller, bewusster und nachhaltiger gelesen. Die Fixationspunkte können auch nach jedem zweiten, dritten oder vierten Wort definiert und durch den daraus resultierenden Algorithmus auf den gesamten Text angewendet. So kann jeder User seine individuelle Bionic Reading-Einstellung nach seinem Leseverhalten einstellen und durch die Software visualisieren lassen.

Wie funktioniert Bionic Reading?

Die Software Bionic Reading basiert auf der Hinterlegung von Regeln, welche Einfluss auf die Lesegeschwindigkeit des jeweiligen Users haben. Es handelt sich hierbei um eine optische Erkennbarkeit auf dem neu umgewandelten Mengentext. Der User kann die vom System vordefinierten Regeln für die optische Erzeugung wählen oder er definiert selbst seine optimale optische Erzeugung, um seine Lesegeschwindigkeit und sein Leseverständnis zu steigern. Dabei werden Wortfragmente durch Auszeichnungen hervorgehoben bzw. die restlichen Wortfragmente weniger stark sichtbar dargestellt. Die Auswahl der Regeln definiert die optische Wiedergabe der einzelnen Fragmente und somit auch die Häufigkeit der Fixationspunkte (Hervorhebungsbereiche).

Wie soll Bionic Reading zukünftig nutzbar sein?

Die Anwendung bezieht sich einerseits auf den Bereich der digitalen Medien (Blogs, EBooks, EPaper, EMails, usw). Innerhalb der Online-Medien sind die Anwendungsbereiche vom Inhalt (Content) abhängig und somit äusserst vielseitig zu verwenden. Andererseits gibt es die Anwendung innerhalb der analogen Medien (Hardcopy/Papier-Ausdruck). Diese sind z.B. Textdateien (TXT-Files, Doc-Files, RTFiles), PDFiles oder auch innerhalb von Desktop-Publishing-Programmen wie InDesign (Adobe), Word (Microsoft), iBook (Apple).

Der User kann die Software spezifisch für seinen Bereich herunterladen und anwenden. Dabei spielt es keine Rolle, welches Hardware-Produkt das primäre Kommunikationsmittel ist.

Um die Software nutzen zu können, ist ein Hardware-Produkt mit der entsprechenden Betriebs-Software notwendig. Das sind unter anderem Personal Computer, Laptop, Tablet, Smartphone und EReader. Zukünftige Hardware-Produkte sollen ebenfalls mit Bionic Reading ausgestattet werden können.

Wie wurde Bionic Reading entwickelt?

Die Entwicklung der Software beruht auf Algorithmen und Datenstrukturen. Diese erzeugen die Typographie von Bionic Reading auf den jeweiligen Ausgabeparametern. Die Ausgabeparameter könnten im Screen-, Softcopy- als auch im Hardcopy-Bereich liegen. So kann der User den neu erzeugten Mengentext auf dem Screen (WYSIWYG), in einer Datei oder auf physischem Papier wiedergeben.

Fazit

Bionic Reading befindet sich noch in der Projektphase. Derzeit gibt es eine Beta-Version als Browser-Plugin für Google Chrome, welche nur eine Bionic Reading-Anwendung für den Personal Computer oder Laptop zur Verfügung stellt (minimum viable product). Erst mit den Erfahrungen und Bedürfnissen der Leser wird es möglich sein, ein optimales Produkt erarbeiten zu können. Die Gründer um den Churer Renato Casutt möchten, dass Bionic Reading vom User für den User entwickelt wird.

 

 

(Bilder: zVg., Titelbild: Gründer Renato Casutt)