Eine wöchentliche Hockey Kolumne mit den wichtigsten Meldungen, besten Spielern und lustigsten Aktionen der Woche. Ein Ranking, das man nicht zu ernst nehmen sollte.

 

MySports richtet mit grosser Kelle an und gibt freudig an, Pioniere in Sachen Advanced Stats zu werden. Zeit, die 15 wichtigsten Statistiken genauer unter die Lupe zu nehmen. Ein Gespräch zwischen den beiden HCD Fans Rudi Rational und Egon Emotional:

 

15. Die guten alten Skorerwerte

Egon Emotional: „Oh Mann, jetzt geht dieses Zahlen-Bla-Bla wieder los“

 

Rudi Rational: „Tore, Assists, Punkte, das schnallst du doch.“

 

Egon: „Ja, so blöd bin ich auch nicht.“

 

Rudi: „Ok. Die Skorerwerte sind und bleiben der wichtigste Indikator für das Messen eines Spielers. Zumindest für einen Stürmer. Advanced Stats hin oder her: Bucht ein Spieler regelmässig Punkte, hat er einen Effekt, den man nicht leugnen kann.“

 

Egon: „Seh ich auch so.“

 

Rudi: „Spannend wird es aber, wenn man neu nicht nur die absoluten Zahlen anschaut, sondern die Werte in ein Verhältnis mit der Eiszeit setzt. Das heisst dann im Fachjargon Punkte pro 60 Minuten Eiszeit, oder P/60. Sprich: Wie viele Punkte macht ein Spieler in 60 Minuten Eiszeit?“

 

Egon: „Stimmt, das wäre noch interessant.“

 

Rudi: “Ein Beispiel:

 

Spieler Punkte Eiszeit P/60
Enzo Corvi 39 738.44 3.16
Perttu Lindgren 40 878.38 2.73
Andres Ambühl 41 922.36 2.67

 

Enzo Corvi buchte letzte Saison zwar weniger Punkte als Perttu Lindgren und Andres Ambühl. Bricht man seinen absoluten Wert von 39 Punkten aber auf seine Eiszeit herunter, sieht man, dass Corvi eigentlich der Produktivste aller Davoser war: 3.16 Punkte pro 60 Minuten Eiszeit erzielte der junge Stürmer, verglichen zu Lindgrens 2.73 P/60 und Ambühls 2.67 P/60.“

 

Egon: „Ha! Erste Statistik schon mal geschnallt.“

 

Rudi: „Noch interessanter ist, wenn man die Skorerwerte auf die Situation gewichtet: Wie viele Punkte macht ein Spieler bei 5-gegen-5? Wie viele im Powerplay?“

 

Egon: „ Ich tipp auf Corvi.“

 

Rudi: „Andres Ambühl buchte letzte Saison am meisten Punkte Total (41). Bei 5-gegen-5 war es aber Marc Wieser, der am Produktivsten war. Perttu Lindgren wiederum machte rund die Hälfte seiner Punkte im Powerplay.“

Spieler P 5v5 P
Wieser Marc 37 26
Ambühl Andres 41 25
Corvi Enzo 39 24
Lindgren Perttu 40 23
Kousal Robert 30 19

 

Egon: „Ok. Verstanden. Bleib aber auf diesem Niveau, ok?“

 

Rudi: „Klar, ist alles nicht so kompliziert, wie du meinst. Ok, auf zur nächsten Statistik.

 

14. Die gute alte +/–Statistik

 

Vor 50 Jahren begannen die Montreal Canadiens mit der bekannten +/–Statistik, mittlerweile ist sie fester Bestandteil von allen Eishockey-Analysen und muss nicht mehr im Detail erklärt werden: Auf dem Eis bei einem erzielten Tor gibt ein Plus, ein Tor hingenommen gibt ein Minus.“

 

Egon: „Kenn ich. +/- ist ein Super-Wert, da sieht man, wer gut und wer schlecht ist.“

 

Rudi: „Nein. Denn die Statistik hat ihre Mängel: So werden zum Beispiel Empty Netters gezählt, was das Resultat verfälscht. Des Weiteren nimmt die +/–Statistik keine Rücksicht darauf, wie, mit wem oder wo ein Spieler eingesetzt wird.“

 

Egon: „Das macht ja nicht so viel aus.“

 

Rudi: „Denkste. So kommt es, dass Andres Ambühl die viertschlechteste +/–Bilanz beim HCD letzte Saison aufwies – und nicht mal du glaubst, dass Ambühl zu den schwächeren Spielern bei Davos gehört.

 

Egon: „ Wie bitte?? Büahli ist der beste Davoser! Der kann unmöglich derart schlechte +/–Zahlen haben!“

 

Rudi: „Eben. Genau wegen diesen Ergebnissen wird die +/–Statistik in Fachkreisen mittlerweile oft belächelt – ohne Kontext ist sie nicht aussagekräftig.“

 

Egon: „Ja, da muss man skeptisch werden.“

 

Rudi: „Ein Beispiel: Alexandre Daigle ist ein offensiver Schillerfalter, der in der Defensive zur Hypothek wird.“

 

Egon: „Ouja, der Daigle, das weiss ich noch, der faule Mistsack.“

 

Rudi: „Arno Del Curto weiss das und setzt Daigle darum nie ein, wenn ein Bully im eigenen Drittel stattfindet. Daigle kommt nur aufs Eis, wenn das Spiel in der Offensiv-Zone ist, und spielt regelmässig mit den besten Mitspielern. Ende Saison hat er eine sagenhafte +/–Bilanz, obwohl er ein Spieler mit vielen Mankos ist. Auf der anderen Seite Sandro Rizzi: Der Defensiv-Stürmer ist im eigenen Drittel eine Wucht und verhindert etliche Chancen. Vorne wird er aber fast nie eingesetzt. So kommt es, dass Rizzi Ende Saison relativ tiefe +/–Bilanzen aufweist.

 

Egon: „Den Rizzi mag ich extrem.“

 

Rudi: „Ich weiss. Also, auf zur nächsten Statistik.“

 

 

13. Die guten alten Goalie-Statistiken

 

Egon: „Ha! Ich bin in unserem Plauschteam auch Goalie, da kenn ich mich aus.“

 

Rudi: „Also. Die Goalies werden normalerweise auf zwei Arten bewertet: Zum einen gibt es den trockenen Tore-pro-Spiel-Wert. Gilles Senn spielte letzte Saison 34 Spiele und erhielt 88 Tore. Das gibt einen Wert von 2.64 Gegentoren pro Spiel (GAA), leicht besser als der NLA Schnitt von 2.67 GAA.“

 

Egon: „Den Senn mag ich auch, der wird der nächste Leo.“

 

Rudi: „Möglich. Auf der anderen Seite gibt es die Fangquote, die etwas aussagekräftiger ist, da sie die Anzahl Schüsse aufs Tor berücksichtigt. Letzte Saison kamen 983 Schüsse auf den Davoser Goalie zu, 895 davon parierte er. Das ergibt eine Fangquote (SV%) von 91.1% – leicht unter dem NLA Schnitt.“

 

Egon: „Ist er nun also über oder unter dem NLA Schnitt?“

 

Rudi: „Einfach gesagt: Er lässt weniger Tore als der Schnitt zu, hat aber auch weniger zu tun. Spannender ist folgender Wert: GSAA/60 – oder einfach gesagt Goals Saved Above Average pro 60 Minuten Eiszeit.“

 

Egon: „Laangsam, da komm ich nicht mehr mit mit diesen Anglizismen.“

 

Rudi: „Ok. Die absoluten Zahlen werden in ein Verhältnis gesetzt, um sie in einem Kontext bewerten zu können, denn nicht alle Goalies müssen gleich viele Schüsse parieren.“

 

Egon: „Macht Sinn.“

 

Rudi: „Das heisst, alle Goalie-Werte der Liga werden miteinander verglichen und aufgrund des Mittelwertes kann bestimmt werden, welche Werte ein durchschnittlicher Goalie haben sollte. GSAA repräsentiert die Anzahl Tore, die ein Goalie pro 60 Minuten mehr (oder weniger) als der Ligaschnitt bei gleicher Anzahl Schüsse hält. Hat ein Goalie einen Wert von >0, so hält er mehr als der Ligaschnitt, hält ein Goalie weniger, so ist er unterdurchschnittlich. Gilles Senn hatte letzte Saison einen Wert von 0.06 (leicht positiv), van Pottelberghe einen Wert von -0.29 (eher negativ).“

 

Egon: „Das hab ich nicht ganz geschnallt, aber egal. Fazit: Senn ist überdurchschnittlich, Joren ist unterdurchschnittlich?“

 

Rudi: „Genau.“

 

12. Das gute alte Schussverhältnis

Egon: „Kenn ich, brauch ich keine Erklärung.“

 

Rudi: „Langsam, das geht tiefer als du denkst. Ein Beispiel: Davos hat am Samstag das Schussverhältnis gegen Zug mit 30:27 gewonnen. Was nicht in Betracht gezogen wird, ist, wie oft Davos neben das Tor schoss, Schüsse geblockt wurden oder die Torumrandung trafen. Denn das Schussverhältnis misst einzig Schüsse, die der Goalie halten muss. So kann es sein, dass eine Partie relativ ausgeglichen wirkt, in Wahrheit aber viel einseitiger verlief als das Schussverhältnis zeigt.“

 

Ereignis HCD EVZ
Schüsse auf Tor 30 27
Schüsse neben Tor 20 14
Schüsse an Torumrandung 1 0
Geblockte Schüsse 5 17
Corsi For 56 58
Corsi Against 58 56
Corsi Total -2 2
Corsi % 49% 51%

 

Egon: „Jetzt kommt wieder die Corsin-Statistik…“

 

Rudi: „Corsi, du Hirni, nicht Corsin. Und ja, die Rede ist von der Corsi-Statistik, eine der wichtigsten neuen Statistiken: Gemessen werden nicht nur Schüsse aufs Tor, sondern eben auch Schüsse nebens Tor, Schüsse an Pfosten und Latten, und geblockte Schüsse.“

 

Egon: „Auf dieser Statistik reitest du wirklich rum.“

 

Rudi: „ Die ist auch extrem aussagekräftig. Schaut man sich die Corsi-Statistik an, ergibt sich folgendes Bild: Der HCD hat insgesamt 56 Ereignisse erzielt (30 Schüsse auf, 20 neben und 1 ans Tor, sowie 5 Schüsse, die geblockt wurden). Der EVZ kam am Ende auf 58 Schussabgaben. Total gesehen hatte der EVZ also leicht mehr Spielanteile als der HCD. In Prozent ausgedrückt heisst das dann: Der HCD hatte 49% der Corsi-Ereignisse, der EVZ 51%. (Ein Wert über 50% ist positiv, ein Wert unter 50% negativ). Das heisst, anders als die klassische Schussstatistik es erahnen liess, war Zug in der Offensive aktiver, und nicht der HCD.

 

Egon: „Gecheckt.“

 

Rudi: „Corsi Statistiken sind vor allem dann interessant, wenn sie auf den individuellen Spieler heruntergebrochen werden. Ein Beispiel: Andres Ambühl steht bei 15 HCD-Corsi-Ereignissen und bei 10 EVZ-Corsi-Ereignissen auf dem Eis. Das ergibt einen Wert von +5. Prozentual sind das 60% Corsi For %.“

 

Egon: „Das heisst der Büahli kann’s eben doch!“

 

Rudi: „Richtig. Noch spannender ist es, wenn diese Werte in ein Verhältnis mit seinen Mitspielern gesetzt werden. Dann spricht man von relativen Corsi Werten, oder CRel. Ein Beispiel: Ambri-Piotta hat als Team immer negative Corsi Werte. Auch die einzelnen Spieler haben allesamt CF% Werte von unter 50%. Adam Hall hat zwar auch negative Werte, aber verglichen mit seinem Mitspielern hat er einen relativen Wert von +6%. Das heisst, er hat im Vergleich zu seinen Mitspielern einen positiveren Einfluss auf das Ambri-Spiel. Das ist vor allem dann nützlich, wenn ein Team durchs Band positive (oder negative) Werte hat und man die einzelnen Spieler genauer anschauen will.“

 

Egon: „Halbwegs verstanden…“

 

Rudi: „Ok. Ein schillerndes Beispiel für CRel Werte war Nino Niederreites letzte Saison bei den Minnesota Wild. Der Churer Stürmer ist einer der treibenden Kräfte im Sturm der Amerikaner und weist phänomenale Statistiken auf. Wenn Nino auf dem Eis stand, dann hatte Minnesota 8.05% mehr Corsi-Ereignisse zu verzeichnen als der Team-Schnitt der Wild.

 

 

  Player Rel.CF%
1 NINO.NIEDERREITER 8.05
2 JASON.POMINVILLE 6.2
3 ERIC.STAAL 2.99
4 ERIK.HAULA 2.61

 

Und am spannendsten für alle diese Zahlen ist die Anpassungsfähigkeit: Es wird unterschieden, ob Corsi-Ereignisse bei 5-gegen-5, im Powerplay, oder in Unterzahl zustande kommen. Relevant sind nämlich vor allem Werte, die bei numerischem Gleichstand generiert werden.

 

Es wird auch unterschieden, ob ein Team in Rückstand war, oder in Führung lag. Es ist nämlich erwiesen, dass ein Team, das mit mehr als zwei Toren führt, merklich weniger Corsi-Ereignisse produziert.“

 

Egon: „Was ja logisch ist: Wer führt steht eher hinten rein. Oder so.“

 

Rudi: „Richtig. Für Nerds spricht man dann von 5v5 CRel% even – was dechiffriert so viel bedeutet wie Relative Corsi Werte bei 5-gegen-5, wenn das Score ausgeglichen ist.“

 

Egon: „Ok, das wird wieder viel zu kompliziert, das schnallt niemand.“

 

Rudi: „Nicht so wild. Du musst nur verstehen, dass Corsi aussagekräftiger als reine Schuss-Statistiken sind, und dass man diese Zahlen verschieden gewichten kann: Je nach Situation und Spielstand.“

 

Egon: „Ok, verständlich. In etwa.“

 

11. WoWy

 

Rudi: „With or Without you.“

 

Egon: „Das neue Lied von Ariana Grande.“

 

Rudi: „Nein. Das ist kein Pop-Song, sondern eine wichtige Statistik, die aufzeigt, wie viel ein Spieler von einem Mitspieler profitiert und umgekehrt.“

 

Egon: „Ui, das ist interessant. Das hab ich mich schon oft gefragt! Wie gut ist Marc Wieser ohne Perttu Lindgren, und wie gut ist Perttu Lindgren ohne Marc Wieser?“

 

Rudi: „Oft ist es so, dass ein Spieler der treibende Faktor ist, während der andere als Profiteur zu guten Zahlen kommt. WoWy misst genau diese Diskrepanz. Ein Beispiel dazu ist die sagenhafte WoWy Statistik von Nino Niederreiter in der letzten Saison bei den Minnesota Wild.“

 

wowy-1617-MIN-niedeni92-shots

Egon: „Das Bild versteht ja mal wieder niemand.“

 

Rudi: „Ich erklär’s dir, ist ganz einfach. Die Grafik zeigt auf: Kann ein Minnesota Wild Spieler mit Nino auf dem Eis stehen (Spielernummer in schwarzen Kasten) werden seine Werte automatisch besser (oben rechts). Er lässt weniger gegnerische Chancen zu, und generiert selber mehr offensive Chancen. Ohne Nino (rote Kasten) fällt jeder Spieler der Wild zurück nach unten links, dh. der Gegner hat plötzlich mehr Chancen, Minnesota weniger. Nino wiederum weist auch ohne seine Mitspieler die gleich dominanten Werte auf (blaue Kasten) – ein Indiz, dass er seine Mitspieler besser macht, und nicht umgekehrt.“

 

Egon: „Wow, dann war der Nino letzte Saison ja wirklich eine Wucht.“

 

Rudi: „Genau. Übrigens: Auch hier wird natürlich unterschieden, ob die Resultate bei 5-gegen-5 oder in allen Situationen zustande kommen.“

 

Egon: „Das sagst du jetzt schon zum dritten Mal. Ich habs gecheckt, 5-gegen-5 ist wichtiger als alles andere. Bla Bla.“

 

Rudi: „Ja, ist wirklich so.“

 

Egon: „Ok, genug für heute, ich brauch ein Bier.“

 

Rudi: „Ist gut, nächste Woche machen wir weiter. Damit du deinen Hockey-IQ ein bisschen erweitern kannst.“

 

Egon:“ Klugscheisser.“

(Bild: GRHeute, Stats: sihf.ch, Boumatoews.blogspot.ch, behindthenet.ca)

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