Was liest und hört man nicht alles. Ein Vorurteil ums andere, gigantische Wachstumszahlen, Risiken und doch auch Chancen. Den Durchblick hat kaum jemand. Mit China-Aussagen Zukunftsszenarien malen ist „In“. Nur ein paar Beispiele zur Einleitung:

  • Rund 300 Millionen chinesische Schneesportler soll es bis zur Olympiade 2022 in Peking geben (ach ja, und die kommen gemäss gewissen „Fachleuten“ ja wohl alle in die Schweiz…)
  • Die von Verkehr und Smog geplagent Chinesen könnten unsere künftigen Sommergäste sein.
  • Chinesen machen aber doch nur Fotos und kaufen Uhren.
  • Die Sprache ist eine grosse Hürde.
  • Die reisen doch nur in Gruppen.

Ich sitze zurzeit im Flugzeug zurück aus China in die Schweiz. Eng in der Eco-Klasse. Rund um mich herum schlafen die meisten. Chinesen wie Europäer. Ein chinesisches Kind im Sitz vor uns lacht, weint, spielt und beobachtet uns und die Fluggäste (kommt mir doch vom eigenen Kind bekannt vor.) Ein ganz normaler Flug. Verschiedene Nationalitäten in einem Flieger, die am Ende vom Tag eines sind, Menschen mit den immer wieder gleichen Bedürfnissen. Diese Aussage klingt banal, ist aber mit Blick auf die Bearbeitung vom chinesischen Markt zentral.

Was habe ich mir von den Spezialisten anhören müssen, was man alles verändern muss, wenn man chinesische Gäste gewinnen will. Immer mehr wird mir bewusst, dass diese Faktenblätter und Vorgaben nur ein kleines Puzzle-Teil in der Marktbearbeitung von China sind. Die Bedürfnisse sind am Ende alle die gleichen. Einige Leser dürften die Maslow-Pyramide noch kennen, dort findet man die einfache Erklärung der menschlichen Bedürfnisse.

Die imposante Reise (unter anderem mit einem Besuch auf der chinesischen Mauer und beim „Weltwunder“ Terra Cotta) aber auch die KMU-Themen in einer chinesischen Bierfabrik (wo Arosa Partner ist) hat Erstaunliches hervorgebracht.

Xi’an und Arosa gehen eine Städtepartnerschaft ein

Eine Arosa Delegation, bestehend aus Polit- und Tourismusvertretern, erlebte und vereinbarte in diesem spannenden Zukunftsmarkt soeben folgendes: In der Stadt Shangrila wohnte die Reisegruppe den Feierlichkeiten des 60-jährigen Jubiläums vom Distrikt Diquing bei und diskutierte mit der Regierung die künftige Form der Städtepartnerschaft. Kerninhalt der Aktivitäten bildet ein Arosa Lenzerheide Fondue-Chalet vor dem traditionellen Kloster von Shangrila, welches jährlich von über 10 Millionen chinesischen Touristen besucht wird. Innerhalb der nächsten 6 Monate wird eine Delegation aus Shangrila nach Arosa kommen, um den neuen Vertrag (Verlängerung der Städtepartnerschaft) abzuschliessen. Wieso Fondue? Ganz einfach, jeder Chinese isst wöchentlich Hot Pot (Gemüse, Fleisch, etc. werden über dem Feuer in heisses Wasser gegeben) und findet es genial, dass die Schweizer auch regelmässig Hot Pot Menü geniessen. Einfach mit Käse anstelle Fleisch und Gemüse. Gemeinsamkeiten und Unterschiede im selben Topf faszinieren und schaffen Aufmerksamkeit für das Gegenüber.

Gleichzeitig konnte mit Xi’an, die drittwichtigste Metropole in China (nach Peking und Shanghai) eine neue Städtepartnerschaft, welche sich ausschliesslich auf touristische Themen beschränkt, initiiert werden. Auch diese neue Kooperation, welche die kleine Ferienregion Arosa Lenzerheide auf der Weltkarte hell beleuchtet, soll im 2018 abgeschlossen werden. Angedacht ist dies zur Eröffnung vom Arosa Bärenland im Juni 2018. Xi’an hat eine grosse Historie, und mit rund 9.5 Mio. Einwohner leben in der Stadt mehr Leute als in der ganzen Schweiz zusammen.

Grösste Herausforderung mit Blick auf viele Gäste aus China: Anzahl Ferientage

Auf die Frage von neuen Bekanntschaften in Xi’an wo man denn am liebsten Ferien machen werde, antworten fast alle immer wieder gleich: „Am liebsten zu Hause“. Auf das erstaunte „Wieso“ folgt auch immer dieselbe Antwort „wir haben viel Stress und arbeiten sehr viel, da wollen wir die nur 2 Wochen Ferien pro Jahr mit unseren Familien verbringen. Zudem wollen wir uns den täglichen Reisestress und die vielen Orte auf einer Ferienreise nicht antun“. Uns fiel es wie Schuppen von den Augen. Da emanzipiert sich grad ein Land von stressigen Gruppenreisen. Die Gespräche mit der Regierung in Xi’an drehten sich dann auch fortan einerseits um das Vorgehen, dass aus 2 Wochen Ferien in China mit Polit-Einfluss dereinst 4-5 Wochen werden könnten, und andererseits darum, dass Ferien im Verständnis der Leute hin zur Erholung vom Stress und mit hoher Aufenthaltsdauer am gewählten Ferienort eine anstrebenswerte Ferienform sein könnten.

Unsere Aufgaben mit Blick auf mittel- und langfristige touristische Erfolge im chinesischen Markt sind uns klarer denn je. Die Form der Städtepartnerschaft ist sehr geeignet, um Ferien-Verständnis, welches den Menschen in China nachhaltig hilft, zu fördern.

Arosa Xi'an_Sept 17

Bild: Arosa Gemeindepräsident Lorenzo Schmid und der Xi’an Vice Mayor, Mr. Qiang Xiaoan


Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Pascal Jenny, Kurdirektor Arosa.

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