Die klassischen Ein- und Mehrtageskarten bilden nach wie vor das Rückgrat des Skiticket-Markts. Doch die Seilbahnunternehmungen bieten immer mehr auch flexible Tickets und Abos an. Dies zeigt der Blick auf die Angebote der kommenden Wintersaison.

Viele Seilbahnunternehmen haben in den vergangenen Monaten wieder in Bahntechnik, Beschneiungsanlagen und Gastrobetriebe investiert. In den letzten Jahren waren es schweizweit jeweils zwischen 300 und 500 Millionen Franken. Auch dieses Jahr dürften sich die Aufwendungen in dieser Grössenordnung bewegen, so die Schätzung von Seilbahnen Schweiz (SBS).

Die Investitionen in Komfort, Pistenangebot und Schneesicherheit werden – wenn überhaupt – nur sehr moderat auf die Skipasspreise überwälzt. Gemäss der Erhebung von SBS bei rund fünfzig grossen, mittleren und kleinen Skigebieten steigt das Preisniveau für die Ein- und Sechs-Tagespässe auf den kommenden Winter im Durchschnitt nur um 1,1 Prozent. Erfreulich für die Schneesportfans: Jede zweite Bahnunternehmung ändert die Preise nicht, und gut zehn Prozent der untersuchten Bahnen senken sie sogar.

Saisonabos über Crowdfunding

Interessant ist der Blick auf die Sparte Saisonabonnement: Hier ist seit letztem Winter sowohl bezüglich Preis als auch Vertriebsart einiges in Bewegung. Auslöser war die Lancierung der «WinterCARD» der Bergbahnen von Saas Fee. Sowohl der tiefe Preis als auch der in der Seilbahnwelt bislang unübliche Vertriebsweg über eine an Mindestverkaufszahlen geknüpfte Crowdfunding-Aktion löste ein grosses Echo aus. GRHeute hatte im letzten November entsprechend gefragt, ob solche Preismodelle eine Zukunft haben. 

Auf den kommenden Winter hin haben nun andere Bahnen mit speziell günstigen Saisonpass-Angeboten nachgezogen, zum Beispiel 25 Skigebiete in der Westschweiz mit dem gemeinsamen «Magic Pass» oder die vier grossen Berner Oberländer Skigebiete mit ihrem «Top4-Skipass». Bewegung auch im Bündnerland: Die Bergbahnen von Brigels etwa hatten diesen Frühling nach dem Crowdfunding-Prinzip ein Jahres-Abo zu einem Sonderpreis angeboten; die verlangte Mindestverkaufszahl wurde erreicht, und die Aktion ist deshalb zustande gekommen.

Entwickelt wurden auch neue Saisonprodukte für spezifische Gästegruppen. Die Churer Brambrüeschbahnen zum Beispiel lancierten eine Familienkarte zu einem Pauschalpreis. Die Tourismusfachwelt beobachtet gespannt, wie der Markt auf die neuen tiefpreisigen Saisonangebote reagiert. Im Zentrum steht die Frage, ob das Ziel der Anbieter erreicht wird, mittels tiefer Saisonabopreise unter dem Strich nachhaltig mehr Einnahmen zu generieren. Zum Beispiel, weil Stammgäste, die bisher vielleicht jährlich eine Woche Skiferien im Ort verbracht haben, dank dem Saisonabo nun an zusätzlichen Tagen auf die Piste gehen und so dem Wintersportgebiet mehr Einnahmen bescheren als vorher.

Vermehrt auch tagesvariable Preise

Seit ein paar Jahren ist zudem ein Trend Richtung dynamische Preisgestaltung zu beobachten: Skidestinationen bieten neben den traditionellen Fixpreis-Tageskarten vermehrt Tickets mit tagesvariablen, nachfragebasierten Preisen an; dies meist über Online-Kanäle. Solche Angebote ermöglichen es den Bahnen, Tage mit erwarteter schwächerer Nachfrage preislich zu fördern und so die Auslastung zu erhöhen. Trendsetter hier war die Weisse Arena in Flims/Laax. Mit Pizol und Blatten-Belalp testen zudem zwei Skigebiete Online-Tageskarten mit je nach Wetterprognose unterschiedlichen Preisen. Auch Stundenkarten, wie es zum Beispiel die Bahnen in Arosa-Lenzerheide, Zermatt, Flumserberg oder Melchsee-Frutt anbieten, zeugen vom Trend hin zu flexibleren Angeboten.

Fazit: Der Skiticket-Markt bewegt sich. Es gibt immer mehr flexible Angebote, der Gast hat eine grössere Auswahl. Auf absehbare Zeit dürften die klassischen Tages- und Mehrtageskarten aber das wichtigste Produkt in der Angebotspalette bleiben.

Informationen zu den Angeboten gibt es auf der Webseite der Seilbahnunternehmungen.

 

(Bild: Bergbahn Laax)

 

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