Martin CandinasSelten hat eine Motion in den Medien solch hohe Wellen geworfen, wie die Motion «Verbot von Knebelverträgen der Online-Buchungsplattformen gegen die Hotellerie» von CVP-Ständerat Pirmin Bischof. In der Herbstsession hat der Nationalrat wie zuvor der Ständerat diese Motion überwiesen. Sie verlangt ein Verbot von Knebelverträgen zwischen Online-Buchungsplattformen und Hotels. Die heutigen Verträge zwingen die Hotelbetreiber auf den eigenen Websites keine günstigeren Angebote anzubieten, als auf der Buchungsplattform. Kurzfristige Aktionen können so nicht durchgeführt und auch mit tieferen Preisen kann auf der eigenen Website nicht geworben werden.

Mit einer Gesetzesänderung soll es den Hotels künftig möglich sein, günstigere Angebote auf den eigenen Plattformen anzubieten. Sie sollen damit mehr unternehmerische Freiheit in einem internationalen Umfeld erhalten. Die Konkurrenz ist vielfach im Ausland und schläft nicht. Alle Nachbarländer haben notabene diese enge Klausel der Buchungsplattformen per Gesetz oder Beschluss bereits verboten. Damit ist klar, dass diese Knebelverträge für die Schweizer Hotellerie heute einen Wettbewerbsnachteil darstellen, der beseitigt werden muss.

Die Annahme der erwähnten Motion ist ein Erfolg für die Tourismusbranche. Alle touristischen Verbände und Organisationen haben zusammen für diesen Erfolg gekämpft. Der Einsatz war gross, hat sich gelohnt, ist aber noch nicht zu Ende. Nun wird der Bundesrat den Gesetzesentwurf ausarbeiten lassen. Anschliessend kommt dieser in die Räte. Es ist zu hoffen, dass die Umsetzung schnell stattfinden wird, sodass die Gesetzesänderung in zwei bis drei Jahren in Kraft treten kann. Die Branche ist somit gut beraten, am Ball zu bleiben und den politischen Prozess eng zu begleiten.

Den Online-Buchungsplattformen geht es vor allem um die Verteidigung der Marktmacht. Die enge Paritätsklausel wurde eingeführt, um den Wettbewerb möglichst auszuschalten und so die hohen Kommissionen durchzusetzen. Es geht um Macht und Geld! Entsprechend wurde seitens der Buchungsplattformen, allen voran Marktführer Booking.com, vehement gegen die Motion geweibelt. Alleine Booking.com hat heute einen Marktanteil von 73%. Dies zeigt, dass der Wettbewerb aktuell nicht wirklich funktioniert. Praktisch kein Hotel kann es sich heute leisten, auf diese Plattformen zu verzichten. Die Hotels sind de facto gezwungen teils exorbitante Kommissionen abzuliefern. Dieses Geld fehlt vor allem für häufig dringend notwendige Investitionen.

Eines ist sicher. Die Buchungsplattformen werden mit diesem Entscheid nicht verschwinden, sondern weiter expandieren. Das ist auch gut so! Die Zukunft gehört den digitalen Vertriebskanälen. Das sehen wir bei unserem eigenen Verhalten. Wir alle nutzen diese ja immer mehr. Bald wird die Hälfte aller Buchungen online getätigt. Wir leben in einem digitalen Zeitalter. Alles muss einfach, schnell und effizient, aber in guter Qualität erfolgen. Hier ist die Hotellerie gefordert, den Anschluss nicht zu verpassen. Die Hotellerie muss sich an die zunehmende Digitalisierung anpassen. Ohne die Zusammenarbeit mit Buchungsplattformen ist ein Hotelier verloren. Dies gilt übrigens auch für Ferienwohnungsvermieter. Bei Airbnb hat sich die Anzahl der angebotenen Ferienwohnungen in Graubünden zwischen 2014 und 2016 mehr als verdreifacht. Die Anzahl angebotener Betten stieg gemäss dem Walliser Tourismus-Observatorium in diesem Zeitraum von 1830 auf 5460.

Deswegen ist für mich klar: die Online-Buchungsplattformen werden ihr Angebot in Zukunft massiv weiterentwickeln und erweitern. Sie sind weder ein Fluch noch ein Segen, sondern eine notwendige Realität. Darum ist die Politik gefordert genau hinzuschauen und Marktverzerrungen zu beheben. Mit dem Verbot von Knebelverträgen werden die Buchungsplattformen vielleicht etwas weniger Gewinn pro Buchung machen, diesen Verlust aber bei der ohnehin zunehmenden Anzahl an weltweiten Buchungen über ihre Kanäle wettmachen. Die Hotellerie hat die Möglichkeit über die Stärkung des direkten Buchungskanals auf der hoteleigenen Website günstigere Buchungen zu generieren und damit die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern. Ob dies der Hotellerie auch gelingt, bleibt zu hoffen!

GRHEUTE POLITFORUM

Das Politforum auf GRHeute besteht aus 12 PolitikerInnen aus Graubünden. Jede Woche nimmt eine/r zu einem aktuellen Thema Stellung.

(Bild: GRHeute)

Open Popup