Zeitreisende, macht Euch bereit: Am Wochenende findet in Chur wieder das beliebte Mittelalter-Fest «Spectaculum Curia» statt – mit bewährtem Rezept, aber neuem Standort. GRHeute hat mit Präsidentin Domenica Flütsch gesprochen. 

Domenica Flütsch, Sie sind Präsidentin des Spectaculum Curia. Was fasziniert Sie am Mittelalter?

Es ist eine sehr spannende Epoche. Das Mittelalter wird seinem Ruf meiner Meinung nach nicht gerecht. Es ist nicht das düstere Zeitalter, an das viele beim Wort Mittelalter denken. Vergessen wir nicht, dass viele prägende Dinge der Neuzeit im Mittelalter aufgegleist wurden. Man denke nur an die Entdeckung von Amerika, die oft mit dem Ende des Mittelalters in Zusammenhang gebracht wird. Die Schiffsbauten, die Navigationsinstrumente und der Entdeckungsdrang waren Erfindungen aus dem Mittelalter, nicht der Neuzeit. Natürlich braucht der Mensch solche Ereignisse wie die Entdeckung Amerikas, um sich in der Zeit zu orientieren, aber es gibt eigentlich kein Ende oder Anfang einer Epoche. Für mich selbst ist das Eintauchen ins Mittelalter wie eine Reise. Es ist ein Gefühl, Atmosphäre zu erleben und Dinge und Leute kennen zu lernen.

Chur ist als älteste Stadt der Schweiz prädestiniert für historische Events, gerade im Mittelalter spielte Chur ja auch eine wichtige Rolle. Trotzdem verlassen Sie dieses Jahr das optisch perfekte Umfeld, die Altstadt. Warum?

Ds ist richtig. Die Dichte an Events in der Altstadt ist sehr gross. Einen solchen Anlass wie das Mittelalterfest zu finanzieren und zu koordinieren ist ehrenamtlich schlicht nicht mehr möglich. Seit wir begonnen haben, haben wir noch nie schwarze Zahlen geschrieben in der Altstadt, weil weder Eintrittstickets in der Altstadt noch Solidaritätsbeiträge à la ‚Bändali’ funktionieren. Oft mussten wir von privater Seite Geld nachfinanzieren, bis letztlich die Schmerzgrenze erreicht war. Wir haben zwar viele Reaktionen erhalten, dass es schade sei, dass ausgerechnet das Mittelalter-Spektakel nicht mehr in der Altstadt stattfinde. Aber wir haben es trotzdem so entschieden. 

Und wo findet das historische Fest nun statt?

Das Spectaculum Curia 2017 findet neu im Tierpark in Chur statt. Der Idee eines Wochenend-Anlasses für die Familie bleiben wir treu. Natürlich wird die Atmosphäre anders sein, wir sind nicht mehr in den Gassen und Strassen, dafür in einer ländlichen, malerischen Umgebung inmitten von Tieren. Ich verspreche mir viel von der neuen, ruhigeren Stimmung. Und es erlaubt uns auch, am Abend etwas länger gemütlich zu «höckeln». Es ist ein Versuch, schauen wir mal, wie das rauskommt.

Habt Ihr nicht Angst, dass Ihr ohne die Laufkundschaft der Altstadt deutlich weniger Besucher habt?

Ich bin gespannt. Ich glaube zwar nicht, dass massenhaft Fussgänger aus der Altstadt in den Tierpark schlendern. In den letzten Jahren war natürlich immer enorm viel los auf den Plätzen, allerdings hat es auch viele, die sich wirklich für das Mittelalter, die Kultur und das Handwerk aus dieser Zeit interessierten, verdrängt. Nun haben wir ein begrenztes Areal mitten im Grünen, die Besucher und Familien werden bewusst zum Spektakel und zum Mitmachen kommen. 

Das heisst, kein Disneyland am Mittelalterspektakel?

Nein, es gibt auch keine wahnsinnige Lärmkulisse am Spectaculum Curia. Unser Kernpublikum sind die Familien, die auch gerne einen halben Tag oder länger bleiben. Mit einer Kinderkarte, der Drachenkarte, haben die Kids viel Kreatives zu tun und können malen, knüpfen und viele andere spannende Dinge erleben. Ich bediene jetzt ein paar Klischees: Die Kids können am Spectaculum basteln, die Mamis auf dem Mittelaltermarkt schmökern und die Papis derweil gemütlich ein Bier trinken. Und alles in einem geschützten Rahmen.

Wie ist der Stand der Vorberitungen?

Wir fallen ein wie die Hunnen! (lacht) Nein, im Ernst, die letzten zwei, drei Tage ist es immer hektisch, es gibt viele Fragen und Telefonate der Aussteller. In der Altstadt hatte sich das mit den Jahren etwas eingependelt, im Tierpark ist jetzt wieder alles neu. 

Was sind Ihre persönlichen Programm-Highlights?

Puuh, das gibt viele. Der kulturelle Aspekt interessiert mich. So legen wir dieses Jahr ein Schwergewicht auf Bündner Mythen und Sagen. Das Mittelalterfest ist Start für das Kultur-Projekt «Bündner Sagen in Bild und Wort – die Alpen im Spiegel ihrer Geschichten» von Patrick Devonas und Andrin Schütz, die einen bildstarken Beitrag zur Erhaltung des Kulturguts der Bündner Sagen leisten. Es wird eine eindrückliche, riesige Leinwand geben, bei der die Kinder mit der Drachenkarte auf Anleitung mitzeichnen können. Dieses Bild geht dann auch auf Wanderausstellung, so dass an jedem Ort neue Szenen entstehen. Ich persönlich freue mich auch besonders auf den Burgenverein Graubünden, mit dem wir sehr eng verbunden sind und die mit nicht weniger als sechs Zelten dabei sind. Von der handwerklichen Seite her bin ich auf die Prättigauer Wollspinnerei Vetsch gespannt, die gemeinsam mit AHA-Moden den Woll-Zyklus vom Tier bis zum Produkt aufzeigt. Sehr spannend ist für mich auch der Posten, an dem Pergament hergestellt wird.

Was ist Ihr persönliches Mittelalter-Hobby?

Ritter, Burgen und die alte Handwerkskunst.

Das Mittelalter erlebt in Filmen und Spielen ein heftiges Revival, auf Spiele-Messen haben entsprechende Verkleidungen (Cosplay) gar Kult-Charakter. Kommt Euch dieser Trend entgegen?

Die Motivlage, das Schaffen und Erleben einer Parallelwelt, ist dieselbe. Auf den ersten Blick überschneiden sich diese Welten. Allerdings leben die historischen Mittelalter-Anhänger ganz eindeutig analog, nicht digital. Wir versuchen auch unbedingt authentisch zu bleiben. So findet unser Hauptanlass auch nur all zwei Jahre statt. Wir wollen nicht, dass die Leute übersättigt werden. 

Und welchen Wunsch haben Sie für den Samstag?

Ich hoffe, dass der Föhn hält und es schön bleibt. Bisher hatten wir immer Glück, aber im Oktober ist es halt immer ein Risiko. Wenn das Wetter einbricht, dann wirds kalt und kann auch Schnee geben. Auf jeden Fall sind wir gespannt und voller Vorfreude.

 

Wer mehr Infos zum Mittelalterfest sucht, findet diese unter www.spectaculum-curia.ch.

 

(Bild: Domenica Flütsch/zVg.)