Die Zeichen stehen auf Sturm: Mit der SP Graubünden als Anführer wollen sich Bündnerinnen und Bündner gegen eine drohende Herrschaft von Christoph Blocher über die Somedia stark machen. Die Somedia hingegen wiegelt ab: «Wir bleiben unabhängig.»

Viel wurde dieser Tage geschrieben und gelesen über die Pläne von Somedia-Verleger Hanspeter Lebrument, sich mit Baz-Herausgeber Christoph Blocher zusammen zu schliessen. Eine unheilige Allianz für viele Bünderinnen und Bündner: Sie befürchten, dass die Südostschweiz zu einem rechtspopulistischen Propagandablatt wird.

Was tun, wenn die Faust im Sack zu fest drückt? Philipp Wilhelm, Präsident der SP Graubünden, hat einen «Appell zur Rettung eigenständiger Medien in der Südostschweiz» eingerichtet. Er hat einige Mitstreiterinnen und Mitstreiter gefunden: Beatrice Baselgia, Gaudenz Bavier, Andrea Hämmerle, Lukas Horrer, Silva Semadeni, Jon Pult und Luzi Stadler – um nur einige von ihnen zu nennen. Sie haben bereits viele Mitunterzeichner gefunden, die Liste verlängert sich im Minutentakt und hat bis gestern Abend nahezu 500 Mitstreiter gefunden.

«Wir sind alarmiert», sagt Philipp Wilhelm. «Es ist für die Demokratie schädlich, wenn sich wenige finanzkräftige Leute Medienkonzerne aufkaufen um damit ihre politische Agenda zu verfolgen.» Gerade die Basler Zeitung fahre eine scharfe rechtspopulistische Linie. «Die Leserinnen und Leser goutieren das zwar nicht und dennoch wird die Linie mit finanzieller Macht durchgesetzt. In diese Blocher-Falle dürfen wir in der Südostschweiz nicht tappen.»

Was sich in der Schweiz im Grossen abspielt, geschah auch in Graubünden, wo die Somedia praktisch ein Monopol besitzt. Ist es also nicht so, dass mit diesem Appell das Monopol noch weiter gestärkt wird? «Wir wollen, dass die Leserinnen und Leser der Südostschweiz unabhängig informiert werden. Das ist die Aufgabe der Medien, gerade dann, wenn es nur einen grossen Zeitungsanbieter gibt», sagt Philipp Wilhelm.

Dass man eigenständige Bündner Medien wolle, heisse nicht, dass man mit der Linie der Somedia immer einverstanden sei. Im Gegenteil: «Gerade Linke im Kanton sind noch immer wegen der Haltung des Somedia-Hauses zu Olympia verärgert.» Es gehe jetzt aber um mehr: «Mit Christoph Blocher würde ein Geldgeber einsteigen, der sich nicht um ein Olympia-Dossier kümmert, sondern der mit seiner Medienexpansion eine klare, langfristige politische Agenda verfolgt.»

Am Donnerstagnachmittag nahm auch die Somedia Stellung zur ganzen Debatte. «Derzeit sind leider viele Gerüchte im Umlauf. Tatsache ist, dass die «Südostschweiz» (SO) bereits heute ausserhalb des Regionalteils, vor allem im Inlandteil, sowie bei der Wochenendausgabe mit der «Nordwestschweiz» im Kanton Aargau kooperiert. Über diese Zusammenarbeit hinaus führt Somedia auch Gespräche mit der «Basler Zeitung» (BaZ) über eine solche Kooperation, zum Beispiel über einen Textaustausch», heisst es auf der Homepage.

Und weiter: «Die BaZ steht heute inhaltlich in der Kritik, obwohl die meisten Kritiker ihre überregionalen Texte weder kennen noch lesen. Die Redaktion unter Chefredaktor Markus Somm verfolgt eine pluralistische Linie mit breitem Meinungsspektrum im Sinne einer Forumszeitung; so schreibt zum Beispiel der ehemalige SPS-Präsident Helmut Hubacher eine regelmässige Kolumne. Die Berichterstattung aus dem Ausland oder aus dem Bundeshaus ist faktenbezogen und neutral. Bei einer allfälligen Zusammenarbeit wäre klar, dass sowohl die BaZ wie auch die SO weiterhin über ihre Inhalte die volle publizistische und verlegerische Unabhängigkeit bewahren würden.»

Laut der Somedia gäbe es keinerlei Veranlassung, die Verhandlungen mit Basel einzustellen und seien in der heutigen Situation eine unternehmerische Notwendigkeit. «Leider blendet die SP diese Tatsache völlig aus.»

 

(Bild: GRHeute)