Riccardo Dasoli liebt den Rad- und Bikesport wie kaum ein anderer in Graubünden. Seit mehreren Jahren fördert er, zusammen mit Ivo Hassler, mit seinem «Cyclingproject» Bündner Kinder zwischen 7 und 16 Jahren. Mit dem «Scott-Kids-Cup» riefen sie dazu auch eine eigene regionale Rennserie ins Leben. GRHeute hat mit dem ehemaligen Elite-Amateur gesprochen.

 Riccardo Dasoli, wie kam es zum «Cyclingproject»? 

Angefangen hat es mit der Idee, den Radsport in Graubünden fördern zu wollen – und zwar für Strassenfahrer und für Biker. Wir haben dazu ein Erwachsenen- und ein Kidsteam gegründet, was bereits viele Impulse auslöste. Parallel starteten wir mit zwei Trainingsgruppen für Kinder im Schams und in Chur. Zwei Jahre später haben wir das Erwachsenen-Team aufgelöst und uns mit «Cyclingproject» ganz auf die Kids konzentriert.

Riccardo Dasoli (l.) und Ivo Hassler.

Riccardo Dasoli (l.) und Ivo Hassler.

Mit welchen Resultaten?

Seit 2016 gibt es das Rennteam Cycling Project für das acht FahrerInnen selektioniert wurden. Sie sind talentiert, ambitioniert und bereit, Rennen auf gutem Niveau zu fahren. Wir sind glücklich, mit «Scott» einen Top-Materialsponsor an der Seite zu haben, der uns mit dem besten Material, zu guten Konditionen, ausstattet. Die Renngruppe ist dieses Jahr bei verschiedenen Cups, wie Proffix Swiss Bike Cup, Stevens Bikecup Ostschweiz und im EKZ Cup mitgefahren. Und natürlich, was Ehrensache ist, auch bei «unserem» Scott Kids Cup für Einsteiger. Auch ein paar Abstecher zu Strassen- und Querrennen waren dabei. Die Resultate dürfen sich durchaus sehen lassen. Etliche Siege, Podestplätze und Top-10-Rangierungen belohnten uns für das harte Training und zeigen, dass die Trainer mit ihrer Arbeit auf dem richtigen Weg sind. Sogar international, auf Topniveau, konnten wir mit der EM-Silbermedaille im XC Combined von Lorena Cadalbert einen grossen Erfolg feiern.Trainingsgruppe

Euer Ziel ist es demnach, Fahrer international «rauszubringen»? 

Ich denke, in ein bis zwei Jahren sind einige unserer NachwuchsfahrerInnen interessant für ein Rennteam. Es ist sicher unser Ziel, den Top-Athleten eine solche Entwicklung zu ermöglichen. Wir führen derzeit verschiedene Gespräche mit dem Bündner Radsportverband und professionellen Coaches, um einen nationalen Trainingsstützpunkt in der Südostschweiz aufzubauen. Swiss Cycling gibt dazu die Vorgaben. Wir wollen uns langfristig etablieren, deshalb streben wir beispielsweise auch eine Zusammenarbeit mit der Talentschule in Chur an.  

Sie haben den Erfolg von Lorena Cadalbert erwähnt. Wie gut ist der Bündner Nachwuchs insgesamt? 

Die Bündner-Kids müssen sich sowohl national als auch international vor niemandem verstecken. Dies zeigen diverse Topresultate im bedeutendsten nationalen Cup, dem Proffix Swiss Bikecup und auch an der U15/U17-EM in Graz konnten gleich zwei Talente aus Graubünden Medaillen gewinnen. Die super Zusammenarbeit auch mit dem VC Surselva, wo alle unsere Kids ebenfalls Mitglied sind, zeigt, dass alle am gleichen Strick ziehen. 

Werden in einem Training einfach Kilometer abgespult oder wie darf man sich das vorstellen? 

Der Schwerpunkt jedes Trainings ist ganz klar die Technik. Das Konditionelle spielt natürlich auch eine grosse Rolle und wird nebenbei in jedes Training eingebaut. Ab Februar stehen dann zum Aufbau der Grundlagen vor allem auch längere Ausfahrten mit dem Rennrad auf dem Programm. Im Winter, sofern er nicht so mild ist wie letztes Jahr, sind auch Ausgleichssportarten wie Lauf- und Langlauftrainings sehr wichtig.

Und wie gehts nun weiter? Welche Ziele stehen als Nächstes auf dem Programm? 

Im 2018 möchten wir natürlich die guten Resultate wiederholen und an den Schwächen der einzelnen Athleten arbeiten. Die Erfolge zeigen, dass wir bereits jetzt auf sehr gutem Weg sind. Aber man darf sich ja bekanntlich nie auf den Lorbeeren ausruhen! 

Impressionen vom «Bike-Schüeli Chur»

Impressionen vom «Bike-Schüeli Chur»

Mountainbike ist in den letzten Jahrzehnten zu einem Massen-Phänomen gewachsen und ist mittlerweile auch der grösste Hoffnungsträger für den Bündner Tourismus. Die Strassenfahrer hingegen sind weitgehend aus der Wahrnehmung verdrängt worden. Oder täuscht das? 

Naja, wir haben in Chur mit Nino Schurter den weltbesten Mountainbiker, das hat natürlich schon einen richtigen Schub ausgelöst. Auf der Strasse fehlt in Graubünden momentan ein solches Zugpferd, um den Sport wieder attraktiver zu machen und die Jungen anzulocken. Der Trend in Richtung Biken wird sich eher noch verstärken.

 

Weitere Infos zum Bündner «Cyclingproject» finden Sie hier, mehr zum «Scott Kids Cup» gibt es hier

 

(Bilder: Cyclingproject.ch)