Der People-Blog «Lüt vu Graubünda» schreibt über einen Aspekt aus dem Leben von «normalen» BündnerInnen. Der Blog ist lose angelehnt an die populäre Webseite «Humans of New York».
 
 
Karin Känel, 39, Zizers
 
 
«Ich kann gut singen. Aber ich habe kein speziell gutes Musikgehör und kann zum Beispiel nicht Klavier spielen. Einfache Lieder singen wir im Chor ab Blatt. Die schwierigen Sachen müssen wir zu Hause üben. Mein Mann ist viel musikalischer. Wir haben uns in der Kadettenmusik der Kantonsschule Chur kennen gelernt. Ich spielte Querflöte, er Trompete. Als ich an der Kantonsschule war, wurde ich angefragt, ob ich in einem Chor singen wolle. Seither singe ich immer in Chören, im Moment im Kammerchor Chur. Es ist ein schöner Ausgleich zu meinem Leben als Mutter von drei Kindern. Mit den Kindern geht Singen nicht so gut, wir singen höchstens an Weihnachten zusammen Weihnachtslieder. Und natürlich singe ich ihnen jeden Abend ein Gutnachtlied. Oder besser gesagt drei. «Der Mond ist aufgegangen», «I ghöra as Glöggli» und «Buna notg, dorma bain.» Diese Reihenfolge ist seit sieben Jahren dieselbe. Meine älteste Tochter singt mittlerweile selbst, sie ist im Schulchor.  

Im Chor bin ich nur unter Erwachsenen, das geniesse ich sehr. Wir sind eine lässige Truppe von 20 bis 30 Frauen und Männer. Ich gehöre zu den Jüngeren, wie das halt so ist in der klassischen Musik. Wir haben eine offene Atmosphäre. Jeder kann sich selber sein. Und ich muss etwas leisten. Es ist jedes Mal faszinierend, was wir zu Stande kriegen. Manchmal haben wir Noten, da denkt man, das geht ja gar gar nicht. Aber je schwieriger und schräger es auf dem Notenblatt aussieht, desto besser wird es. Bis zum Konzert singe ich es dann richtig gerne. Kammermusik hat eine ganz andere Art von Qualität, es kommt auf jeden Einzelnen an. Im Sommer hatten wir ein wunderschönes Konzert in Birnau am Bodensee. Unser Dirigent ist auch dort tätig, und so kam er auf die Idee eines gemeinsamen Konzerts. Wir haben ein Motette von Bach gesungen und ich hatte ein Solo im Alt. Es war ein wunderschönes Konzert in einer wunderschönen Kirche mit viel mehr Publikum, als wir es hier gewohnt sind. Im Moment üben wir das Brahms-Requiem für die Aufführungen am 18. und 19. November in Domat/Ems und in der Comanderkirche in Chur. Wir haben zweimal im Jahr Konzerte, einmal im Frühling und einmal im Winter. Ich würde mir wünschen, dass mehr jüngere Leute Freude an klassischer Musik haben – sie ist einfach wunderschön.»

 

Die Konzerte des Kammerchors Chur finden am 18 November um 20.15 Uhr in der Katholischen Kirche Mariä Himmelfahrt in Domat/Ems und am 19. November um 17 Uhr in der Comanderkirche in Chur statt.