Digitalisierung hier, Digitalisierung da. Gross wurde er beworben, der erste Schweizer Digitaltag, auch in Graubünden. Erwartungsfroh schlendere ich also aufs Postautodeck in Chur, um mich von neuen Technologien und Innovationen aus dem Kanton begeistern zu lassen. Mein erster Eindruck: Die Marktstände sehen ein bisschen aus wie am Churer Wochenmarkt. Die «üblichen Verdächtigen» haben eingeladen, die «üblichen Verdächtigen» sind da: Das Amt für Wirtschaft ist Veranstalter, die Somedia-Agentur Viaduct hat die Technik/Webseite/Kommunikation umgesetzt, RTR ist da, die HTW, die GKB und die Bündner Digitalisierungs-Vorzeigefirma inventx. Sie preisen ihre – durchaus innovativen – Produkte und Initiativen an wie der Bauer sein Gemüse am Wochenmarkt. Besucher sind nur wenige da, junge fast gar nicht. Ich bin enttäuscht. Und nicht inspiriert. So soll also die digitale Zukunft Graubündens aussehen? «Eine Peinlichkeit sondergleichen», sieht ein vorbei schlendernder Mann schwarz. 

Im Büro dann die Diskussion, was an dieser misslungenen Veranstaltung schief läuft. Vielleicht, dass kaum jemand davon weiss. Oder weil der digitale Funken zwischen Postautos und Rolltreppen nicht springen will. Die Teilnehmenden geben sich Mühe. Es gibt ein vielfältiges, getaktetes Programm mit Workshops und anderen Veranstaltungen. Die Macher wollen erleben lassen, «was Digitalisierung für Sie und für unser Land bedeutet». Mein Fazit: Wenn die Postautodeck-Veranstaltung die digitale Zukunft Graubündens widerspiegelt, dann sollten wir lieber analog bleiben. Immerhin national ist der Digital Day ein «voller Erfolg». Die Veranstalter jubeln über 150’000 Zuschauer an den Hotspots Zürich, Genf, Lugano, Chur und anderen Orten der Schweiz. Nicht bekannt ist, ob die Reisenden am Standort Hauptbahnhof Zürich mitgezählt wurden. Chur dürfte in etwa die ersten drei Zahlen beigetragen haben.

Dabei ist die Idee, Digitalisierung verständlicher zu machen, an sich ja gut. Warum wird der Churer Digital Day von den Bündnern, vor allem auch Jugendlichen, quasi ignoriert? Vielleicht wäre ein Anfang, mal einige Kids und Jugendliche verschiedener Altersklassen einzuladen und ihnen zwei Stunden wortlos an einem Bildschirm zuzuschauen. Vielen «Digitalisierungs-Leadern» würde wohl die Kinnlade runterfallen, wenn sie wüssten, was die Digital Natives heute online machen und können, was sie fasziniert und wofür sie Geld bezahlen. 

Ich schau nochmal auf der Webseite vorbei. Es gibt auch einen Livestream aus Chur. 18 Besucher sind online.

digital

 

(Bild: GRHeute)

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