Stellen wir uns vor: Es ist Digitaltag und keiner geht hin. Nicht ganz so krass, aber fast so schlimm war es gestern im Postautodeck des Bahnhofs Chur: Es war Digitaltag und fast keiner war da. Jedenfalls zu den Zeiten, zu denen ich da war: Kurz vor und kurz nach dem Mittag. Nichts hat mich dazu eingeladen, länger als zwei Minuten stehen zu bleiben. Später erfahre ich, dass man Workshops besuchen und Referate hören könnte – aber leider wurde das zu wenig kommuniziert. Jedenfalls drang die Kunde nicht bis zu mir.

Interessanter als die Frage, wer alles da war, erscheint mir aber, wer nicht da war. Zum Beispiel vermisste ich jemanden, der mir zeigt, wie ich, wenn ich im Grossverteiler vor dem Käse stehe, in den Kühlschrank zu Hause sehen und das bereits vorhandene Sortiment studieren kann. Oder jemand, der mir zeigt, wie ich die Heizung im Haus vor Urlaubsende wieder hochschrauben kann, damit wir, wenn wir nach Hause kommen, nicht schockgefroren werden. Oder jemand, der mir zeigt, wie ich unglaublich untalentiertes Mathe-Genie wieder so fit werde, damit ich meinem Sechstklässler bei den Matheaufgaben wieder ein ernstzunehmender Endgegner werde.

Ach ja, die Schüler. Davon waren ein paar da. Eine Schulklasse habe ich in dieser Zeit gesichtet. Ein Lehrer, den ich zufällig antraf, sagte mir, seine Schüler hätten darum gebeten, statt des Zeichnungsunterrichts an den Digitaltag gehen zu dürfen. Eine schöne Idee. Von wie vielen sie genutzt wurde, weiss ich nicht. Ich glaube aber, dass gerade im Bereich Schüler und Lehrer einiges schief gelaufen ist. Nichts lud Schulkinder dazu ein, sich mit Digitalisierung auseinander zu setzen – jenseits von Minecraft, Bibis Beautypalace und Youtube.

Dabei sind sie es, die noch digitalisierter leben werden, als wir es jetzt schon tun. Ein paar von uns verweigern sich noch immer standhaft allem, was nach Computer, gefährlichen Strahlen und Internet-Kochbüchern schmeckt. Dabei wären gerade sie das ideale Zielpublikum gewesen: Ihnen zu zeigen, dass Digitalisierung nicht nur helfen, sondern auch Spass machen kann.

So wie es das Kind hat, wenn es beim Minecraft spielen mit der halben Welt chattet. Digital, nicht analog. Mit viel Freude am Spiel und der Auseinandersetzung. So, wie es gestern hätte sein können, aber nicht war. Und wenn Minecraft spannender ist als ein Digitaltag, dann gibt es noch viel zu tun. Packen wir es an.

PS: Kaum zu Hause, erreicht mich eine E-Mail der Pädagogischen Hochschule Graubünden. 13 Teams nehmen an der Regionalmeisterschaft der First Lego League teil. Oberstufenschüler und Gymnasiasten werden mit computergesteuerten Lego-Robotern eines Tages die Welt verändern. Am Digitaltag sah man leider nichts von ihnen.

 

(Bild: GRHeute)

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