Christian «Hitsch» Bolt macht Kunst, wie man sie noch aus der Schule kennt: Skulpturen wie von Michelangelo, aus dem gleichen Marmor und mit genau so viel Hingabe. 

Das Atelier im Doggiloch in Klosters war einst ein Kuhstall. Man sieht es noch, wenn man genau hinsieht: Die Form ist noch da, das Fachwerk und die mittlerweile isolierte Decke. Die Kühe sind weg und an ihrer statt sind Statuen in verschiedenen Werk-Zuständen: Als Modell, als Skizze, als Versuch und als fertige Marmorbüste. 

Christian Bolt macht Menschen, wie man sie aus dem Geschichtsunterricht aus Zeit kennt, als Michelangelo in Florenz seinen David modellierte. Die Menschen, die Christian Bolt erschafft, haben die Proportionen so, wie man sich diese bei Menschen vorstellt. Die Muskeln, die Haare, die Kleidung – es sind die Feinheiten in L, XL und XXL, die den Mensch zum Mensch machen. 

«Ich arbeite mit dem Erbe der Bildhauerei», sagt Christian Bolt, der einer der 25 Professoren der Bildhauerei an der Accademia delle Arti del Disegne in Florenz ist. Eine Stellung, in die man berufen wird und die man auf Lebenszeit hat. «Das ist eine grosse Ehre für mich.» 

Für Christian Bolt, den gebürtigen Ustemer, war Kunst immer eine «innere Notwendigkeit». Das Menschenbild habe seine Herausforderungen, «es braucht Beobachtung». Das Resultat ist ein dialogisches Verhältnis zwischen Idee und Tat. «Ich arbeite mit Archetypen.»

Es sind diese Archetypen, die einem auf der Strasse begegnen; als übergrosse Statue mit viel Gewicht wird man in dieser Gegenwart automatisch zum kleinen David neben Goliath. Und in ihrer ganzen Einfacheit bringt man den Blick kaum los: zu sehr fasziniert, wie ein Tonmodell, das noch immer regelmässig befeuchtet wird, bevor man es in Gips giessen kann, damit es eine Beton-Statue werden kann. Wie die Proportionen stimmen, wie Muskelpakete an den Armen sichtbar sind, wie sich der Bauch beim Nabel nach innen wölbt. Oder die daneben sehr klein wirkende Frau aus weissem Carrara-Marmor – «denselben hat auch Michelangelo benutzt» – die einen Rock trägt und deren Haare so vollkommen wirken, das man sie unbedingt anmalen möchte. 

Die Werke von Christian Bolt kommen in alle Welt, man sieht sie in Galerien, in Banken, in Privathäusern. «Ich habe in 16 Ländern Werke platziert», sagt Christian Bolt. Nicht alle seine Kunden kennt er auch. 

Neben Christian Bolt werden in der Ausstellung auch Werke von Massimo Agostinelli gezeigt. Der 1987 geborene Amerikaner macht komplett andere Kunst: Auf einer Spezialfolie, in schwarze Rahmen gelegt, wird «Planet Earth» zu «Ethernal Path» oder «Heart» zu «Earth». «Das sind immer die gleichen Buchstaben», sagt der Amerikaner, der abwechselnd in London und in Klosters wohnt. Sehr schön auch das Anagramm «Twelve plus one», dass sich bei einem Schritt zur Seite in «Eleven plus two» verwandelt. 

Auf diesen Einfall muss man erst mal kommen, doch Massimo Agostinelli ist nach eigenen Angaben eine Ideen-Maschine: «I have always ideas», sagt er, «ich habe immer Ideen.» Dann probiert er, bis es perfekt ist. «Trial and error.» Bei den Materialen hilft ihm wie bei Bolt ein grosses Vorbild, in seinem Fall Jeff Koons. «Ich benutze das gleiche Lenticular Printing Lens wie er.» Von jedem Werk gibt es genau acht Stück, einzelne sind komplett ausverkauft. 

Wer Bolt und Agostinelli sehen will, kann noch bis am 28. Dezember auf Voranmeldung im Atelier Bolt im Doggiloch in Klosters vorbeischauen. Bolt bittet einzig um Voranmeldung. «Ich bin zwar meist da, aber es wäre doch gut, wenn ich es vorher wüsste, dass jemand kommt.» 

 

(Bilder: GRHeute)

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