Der People-Blog «Lüt vu Graubünda» schreibt über einen Aspekt aus dem Leben von «normalen» BündnerInnen. Der Blog ist lose angelehnt an die populäre Webseite «Humans of New York».

 

Hansjörg Ladurner, 46, Koch, Valbella 
 
«Ich bin in einem Restaurant im Schnalstal im Südtirol aufgewachsen und habe schon früh mitgeholfen. Da war die Karriere vorherbestimmt. Ich versuchte es ein Jahr mit der Hotelfachschule, aber ich merkte schnell, dass das nichts für mich ist. So wurde ich Koch, unter anderem damit ich nicht mit den Gästen sprechen muss. Heute, im Restaurant Scalottas auf der Lenzerheide, ist das natürlich anders. Wir haben eine offene Küche. «Geheimnisse» besprechen wir bis 17 Uhr, danach darf man jederzeit reinschauen. Nach der Lehre ging ich ins Militär. Sie sagten mir, ich solle in die Küche, aber dazu hatte ich keine Lust. Ich sagte, ich wolle Fallschirmjäger werden. Das war ok und ich musste nur noch in die Küche, wenn es für die Mannschaft etwas Besseres zum Essen geben sollte. In der Küche arbeiteten Tischler, Maurer und andere, aber keine Köche. 
 
Drei Monate Grundausbildung habe ich in Pisa gemacht. Das ist die einzige Schule für Fallschirmjäger im italienischen Militär. Man muss topfit sein; wenn man schon nur einen angeknacksten Knöchel hat, darf man nicht springen. Ich war nie verletzt und viel fitter als heute. Heute bin ich schon kaputt, wenn ich von der Lenzerheide nach Valbella laufe, obwohl ich Beispielsweise im Sommer oft auf eine Alp wandere. 
 
Nach der Grundausbildung kam ich nach Bozen zu den Gebrigsfallschirmjägern. Wir waren 180 Mann. Ein Drittel war permanent krank beziehungsweise verletzt. Wir hatten ein Riesenprogramm. Wir sind vor dem Morgenessen gelaufen; nach dem Frühstück durften wir nochmals zwei Stunden gelaufen. Wir sind geklettert und Ski gefahren. Es gibt ganz vieles, das man lernen muss. Je nach Flugzeug muss man zum Beispiel sechs bis sieben Schritte machen bis man rausspringt. Das macht man nicht automatisch, das muss man üben.
 
Die Filme, in denen Fallschirmjäger gezeigt werden, sind meist überzeichnet. Der Krieger, der alleine aus einem Flugzeug springt und im Alleingang den Feind tötet, den gibt es in Wirklichkeit nicht. Fallschirmjäger sind Teamsportler. Man lernt ein Team zu sein. Es braucht so viele Leute, damit es klappt: Die Männer am Boden, die Piloten, die anderen Springer. Am ehesten der Wirklichkeit entsprechend ist die Mini-Serie «Band of Brothers» über die Fallschirmjäger, die am D-Day hinter den feindlichen Linien landeten und sich durch halb Europa kämpften. 
 
1991 wäre ich fast in den Irak-Krieg eingezogen worden. Wir waren bereit, wir hatten ein Jahr Gehirnwäsche und sind darauf getrimmt worden. Es wäre ok für uns gewesen. Wir waren in Bereitschaft, die Führung hatte uns vom Skifahren in die Kaserne zurückgeholt. Doch dann hat die italienische Regierung beschlossen, keine Soldaten in den Irak zu schicken. Wir waren alle froh, dass wir nicht gehen mussten. Die Amerikaner brauchten uns nicht, das italienische Heer ist eine Verteidigungsarmee. 
 
Nach der Ausbildung bin ich nie mehr Fallschirm gesprungen. Es gab mal eine Möglichkeit dazu, als ich im Engadin arbeitete, aber ich hätte zuerst das Schweizer Brevet machen müssen. Sicherheit geht immer vor. Aber eben, es geht nicht alleine, man braucht ein Team, und wenn man im Gastgewerbe arbeitet, wird es schwierig. Am Wochenende hatte ich nie Zeit. 
 
Heute habe ich andere Herausforderungen. Ich züchte zum Beispiel Turopolje, ein eigentlich in Kroatien heimisches Schwein, das im Balkankrieg fast ausgerottet wurde. Ausserdem habe ich Pfauenziegen, Schweizerhühner und Highländer. Im Scalottas versuche ich, immer das ganze Tier zu verwerten. So gibt es manchmal Würste, manchmal Edelstücke. Die Bauern, die meine Tiere im Stall haben, haben mein Wort, dass ich sie ihnen abnehme.»
 
 
(Bild: zVg./Adrian Flütsch)
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