Die beiden HCD Fans Egon Emotional und Rudi Rational sind eine Woche lang in Davos am Spengler Cup und berichten über alles Interessante auf und neben dem Eis.

 

Egon Emotional: „Wooaaaaah! 6:1! Hopp Schwiiz! Hopp Schwiiz! Geeeeeil!“

 

Rudi Rational: „Ja, das war wirklich ein souveräner Start für die Schweizer Nati. Was vor allem positiv war: Sechs Tore, sechs verschiedene Torschützen, alle bei numerischem Gleichstand. Die Schweiz brauchte das Powerplay bei diesem starken Einstand gar nicht.“

 

Egon: „Stark? Wann hat die Schweiz das letzte Mal sechs Tore erzielt? Wenn die Schweiz so an Olympia spielt, gibt’s eine Medaille! Vielleicht sogar Gold!“

 

Rudi: „Ahm, bleib auf dem Boden Egon. Das war gut. Aber Dinamo Riga spielte absolut schwach.“

 

Egon: „Ich bleib auf dem Boden! Ich zitiere jetzt sogar mal wie du irgendwelche Statistiken: 33:15 Schussverhältnis spricht eine klare Sprache.“

 

Rudi: „ Das stimmt. Aber die Fehlpässe der Letten im eigenen Drittel waren mit ziemlicher Sicherheit verantwortlich für rund ein Dutzend dieser Schweizer Torschüsse. Das war ein recht schwacher Auftritt von Riga, an Olympia wird das Spiel des Gegners ein höheres Niveau haben.“

 

Egon: „Was redest du da? Dinamo Riga IST die lettische Nati. Das hat der SRF Kommentator doch klar und deutlich gesagt: Mehr als die Hälfte der Dinamo Spieler sind in der lettischen Nati.“

 

Rudi: „Die Hälfte. Und nicht mit der Nationalflagge vorne drauf. Die lettische Nationalmannschaft spielt auf einem anderen Niveau.“

 

Egon: „Schwachsinn. Die Schweizer Nati ist eine Klasse besser.“

 

Rudi: „In der Verfassung gestern vielleicht ja. Ich erinnere dich aber an den letzten Auftritt an Olympia in Sochi 2014: Damals verlor die Schweizer Nati mit 1:3 im Viertelfinale gegen Lettland.“

 

Egon: „Das war vor vier Jahren. Eine Ewigkeit her.“

 

 

 

 

Egon: „Was hast du eigentlich vom Interview in der zweiten Drittelspause gehalten? Das war doch ein klarer Sexual Assault von Paddy Kälin gegenüber Tanner Richard.“

 

Rudi: „Ah, come on. Das war ein schlechter Scherz à la SRF. Mehr nicht.“

 

Egon: „Er hat Tanner als den Schönsten im Team betitelt! Und sagte noch, dass er ihn nur deswegen zum Interview bat.“

 

Rudi: „Ok, und?“

 

Egon: „Ich sag nur #meToo.“

 

Rudi: „Oh Gott.“

 

Egon: „Wenigstens ist die Bucheli nicht mehr im öffentlich-rechtlichen Fernseher im Interview mit dem Würstlimacher.“

 

Rudi: „Das war jetzt sexistisch. Egal: Kälin suchte eine zugegebenermassen schlechte Einleitung, um Tanner Richard auf den Check anzusprechen, den der Genfer Stürmer kurz vor dem 4:1 austeilte. Und hey, der Check war wirklich geil: Sauber, hart, fair. Hoffentlich sehen wir noch mehr von dieser Sorte.“

 

Egon: „Ja, einfach nicht gegen die Davoser Spieler.“

 

Rudi: „Ist doch egal gegen wen, ich freue mich einfach über gutes Eishockey. Und die ersten Partien am Spengler Cup 2017 zeigten das: Schnell, hart. So wie internationales Eishockey sein sollte. A propos: Die Linie Herzog-Richard-Martschini hat mich überzeugt, die sorgten die ganze Partie über laufend für Gefahr.“

 

Egon: „Stimmt. Richard war für mich der Auffälligste. Natürlich nebst dem Davoser, der hat sogar einen Assist gesammelt!“

 

Rudi: „Davoser?“

 

Egon: „Leo logischerweise.“

 

Rudi: „Echt jetzt? Immer noch? Genoni ist in Davos eine Legende. Aber er ist seit über zwei Jahren schon beim SCB. Er ist Berner.“

 

Egon: „SAG DAS NIE WIEDER!“

 

Rudi: „Ruhig bleiben Egon, es ist wie’s ist. Wo ich dir recht gebe: Genoni war wieder mal ein absolut sicherer Wert.“

 

Egon: „Dafür regt mich der Damien Brunner immer noch auf.“

 

Rudi: „Wieso?“

 

Egon: „So was von überschätzt, und macht immer alles alleine. Der verdient das Schweizer Kreuz auf der Brust nicht.“

 

Rudi: „Ah, so schlimm ist es nicht. Brunner ist technisch immer noch einer der besten Schweizer Stürmer. Aber es stimmt: Fazzini und andere bringen mindestens so viel Kreativität, wirken weniger ‚plauschhaft’ auf dem Eis und arbeiten auch defensiv.“

 

Egon: „Stimmt, kein Plauschgeplänkel. No Bullshit. A propos: Diese verdammten Anglizisimen. Muss Salzgeber eigentlich immer von Skills und Special Teams reden? Können die SRF Kommentatoren eigentlich kein Deutsch mehr?“

 

Rudi: „Ich finde das nicht schlimm. Eishockey ist schon immer englisch geprägt. Diese Floskeln gehören einfach zum Spiel dazu.“

 

Egon: „Also ich sag immer noch ‚Spengler Cööp’ und nicht ‚Spengler Caap’. Und ‚Pöck’, und nicht ‚Paack’.“

 

Rudi: „Touché. A propos Anglizismen: Gestern begann auch die IIHF World U20 Championship in Buffalo, USA. Drei Davoser Spieler sind dabei: Verteidiger Davyd Barandun und die beiden Stürmer Nando Eggenberger und Ken Jäger.

 

Egon: „Junioren-Weltmeisterschaft? Interessiert mich nicht.“

 

Rudi: „Sollte dich aber, wenn dir intensives Eishockey gefällt. Die Junioren WM hat eine unglaubliche Pace und Intensität. Ist wirklich ein Augenschmalz. Zudem ist der HCD Spieler Nando Eggenberger Captain der Nati und spielt sich für den kommenden NHL Draft auf.“

 


 

 

Egon: „Cool, ich drücke Nando die Daumen. Würde ihn aber lieber am Spengler Cup sehen.“

 

Rudi: „Bist du blöd? Der Eggenberger hat die Chance, die man nur einmal im Leben erhält: In den USA an der Junioren WM als Captain stark aufspielen, und so im Sommer 2018 von einem NHL Team gedraftet werden. In den ersten Draft-Prognosen taucht sein Name bereits in der zweiten Runde auf. Das ist weitaus wichtiger als der Spengler Cup.“

 

Egon: „Ansichtssache. Hat die Schweiz überhaupt eine Chance?“

 

Rudi: „Ähm…nicht wirklich. Beim letzten Vorbereitungsspiel gegen Kanada setzte es eine 1:8 Niederlage ab, Schussverhältnis 7:60…“

 

Egon: „Was? 7:60? Dann interessiert’s mich nicht.“

 

Rudi: „Warte, die Schweiz ist nicht komplett chancenlos. Kanada, die USA und Schweden sind die grossen Favoriten. Aber die Viertelfinal-Qualifikation liegt drin, und mit etwas Losglück kann sogar der Sprung ins Halbfinale gelingen. Auch wenn die Schweiz nicht mit dem stärksten Jahrgang auftrumpfen kann.“

 

Egon: „Ist das jetzt einfach Wunschdenken Rudi?“

 

Rudi: „Vielleicht etwas. Heute Abend um 21 Uhr Schweizerzeit spielt die Eidgenossenschaft die wahrscheinlich wichtigste Partie des Turniers gegen Weissrussland – ein Sieg und der A-Verbleib ist schon fast gesichert.“

 

Egon: „So, genug geredet, ich brauch jetzt ein Bier und die Schlange vor dem Getränke-Stand ist wiedermal viel zu lange.“

 

Rudi: „Ok, noch ein letztes Wort: Was ist dein Tipp fürs erste HCD Spiel am Spengler Cup?“

 

Egon: „7:0 Sieg, kollektives blau-gelbes Volksfest im Eispalast, und ein Hattrick von Büahli. Du?“

 

Rudi: „Ich tipp auf einen 3:2 Sieg des HCD.“

 

(Bild: SIHF Twitter)

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