Die Zuger Brüder Flap und Chandro Bisig veröffentlichen einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Album „Per du“, welches Ende März erscheint. Nach den erfolgreichen Jahren 2016/2017 mit der Möchtegang sind Fratelli-B jetzt wieder alleine on the road. GRHeute hat mit Beni Bisig über die erste Videoauskoppelung zum Album gesprochen und einen Blick in die Zukunft gewagt.

 

Hey Beni, warum viel die Wahl der ersten Single auf ein klassisches Rapstück?

Wir wollten bewusst mit einem klassichen Rapsong starten, welche das Album als Ganzes gut verkörpert. Generell versuchen wir aber, nicht allzu strategisch an solche Entscheidungen ranzugehen, sondern in erster Linie einfach die besten Tracks als Videoauskopplungen zu picken. In diesem Fall feiern wir den Song und vor allem dessen Aussage ziemlich.

Wie kam es zur Idee im Video gar nicht mitzuspielen?

Wir würden am liebsten nur Videoclips machen, in welchen wir nicht vorkommen (lacht). Ich finde nichts langweiliger als klassische Representervideos, in welchen ein MC vor irgendeiner langweiligen Kulisse performt. Ich finde, ein gutes Video braucht eine Geschichte, eine zündende Idee oder ein Konzept. Dass wir im neuen Video nicht mitspielen, liegt aber letztlich am Konzept des Videos; es würde komisch wirken, wenn man auf einmal uns sehen würde, während man uns auch hört (so komisch das auch klingt).

Für alle, die nicht so bewandert sind in Sachen Rap, wer ist alles mit von der Partie bei eurem Video?

Phu, die Liste ist lang. Insgesamt sieht man rund 30 Rapper, von jung bis alt ist eigentlich alles dabei. Uns war wichtig, einen Querschnitt der ganzen Szene zu zeigen. Am Schluss sieht man noch 8 DJs und ein Breaker. So vermitteln wir glaube ich ein relativ gutes Gesamtbild der Szene.

Ihr seid immer sehr aktiv auf eine Albumveröffentlichung hin. Wie viele Videos sind noch geplant?

Das ist noch nicht ganz klar, aber es werden bestimmt noch einige kommen. Momentan rechne ich mit 5-6 Clips. Letztlich ist aber wichtig, dass jedes Video ein klares Konzept oder eine Idee hat, welche wir wirklich spannend finden.

Im Song spricht ihr davon, dass der Erfolg einem zerfressen kann. Stand eure Zukunft im Rapbusiness für eine gewisse Zeit auf der Kippe?

Naja, es gibt immer mal wieder Phasen, in welchen man mit der Motivation kämpft. Aber inzwischen sind wir ja seit über 15 Jahren unterwegs und haben immer wieder irgendwie die Motivation gefunden, weiter zu machen. Die Hauptaussage des Songs soll aber sein, dass wir nie Musik wegen des Erfolgs gemacht haben, und Erfolg, egal was man tut, nie das Ziel oder die Motivation selbst sein sollte, sondern bestenfalls ein Nebeneffekt.

Wo habt ihr bemerkt, dass grösser nicht immer besser ist?

Das merke ich ehrlich gesagt immer wieder im Leben, auch ganz unabhängig von Musik. Meistens beginnt doch etwas ganz klein und weil es cool ist, gewinnt es an Supportern und wächst. Irgendwann kommt aber der Punkt, wo Du nicht mehr grösser werden kannst, ohne Kompromisse einzugehen. Und da beginnt es dann für mich persönlich meistens, weniger cool zu werden…

Ich erinnere mich an unser erstes Treffen, ihr wart sehr kommunikativ und offen. Ist das eure Grundmentalität gegenüber neuen Menschen und heisst deshalb auch euer Album „Per du“?

Klar, zumindest versuchen wir das. Ich finde, es gibt keinen plausiblen Grund, neuen Menschen gegenüber zunächst nicht mal offen zu begegnen. Der Titel unseres Albums geht genau darum; sich bewusst in neue und teils unbequeme Situationen zu bringen und Neues einfach einmal auszuprobieren. Vielleicht fällt man auch einmal auf die Schnauze, aber unter dem Strich ist so eine Einstellung doch sehr bereichernd für ein Leben.

Nach der Pleite der Plattenfirma Nation, seid ihr bei Musikvertrieb untergekommen. Wie empfindet ihr die Arbeit im neuen Umfeld?

Genau, Nation ist leider pleite gegangen, und mit der Pleite von Nation ist ein Grossteil des Geldes, welches wir durch unser letztes Album eingenommen haben/hätten, in den Sand gesetzt worden. Gleichzeitig ist Digi, unser Manager, nach Hong Kong ausgewandert, weshalb wir neue Wege gehen mussten. Mit Muve haben wir ein sehr cooles Label gefunden, welches irgendwo zwischen einem Major und independent Label anzusiedeln ist. Für uns ist das die ideale Kombination, da wir nach wie vor sehr selbständig arbeiten und entscheiden können. Wir konnten individuelle Vertragskonditionen aushandeln, was bei einem Major nicht geht. Young Merch kann so das ganze Merchandise nach wie vor selbständig machen, um nur ein Beispiel zu nennen. Bei einem Major gehen solche Sachen nicht.

Wie viel an Erfahrungen habt ihr aus der Zeit mit der Möchtegang mitgenommen?

Klar, die Möchtegang ist uns natürlich ans Herz gewachsen. Wir haben enorm viel gelernt, sei es im Studio oder auf der Bühne, aber natürlich auch menschlich. Trotzdem war für uns klar, dass nach Campione ein neues Fratelli-B Album kommen muss.

Wie geht’s beruflich voran? Hast du den Doktor jetzt?

Ja, verrückte Sache, aber inzwischen bin ich wirklich Doktor (lacht). Generell waren wir einfach immer überzeugt davon, dass wir neben der Musik arbeiten wollen, damit die Musik uns (und in Zukunft unsere Familien) nicht ernähren muss. Nur so können wir die Musik wirklich so gestalten, wie wir das wollen.

Wann ist das erste Gastspiel in Graubünden geplant?

Klar, wir kommen wie mit jedem Album wieder nach Chur, voraussichtlich am 27.04.2018 ins Selig. Darauf freuen wir uns natürlich auch schon riesig.

 

(Bild: zVg.)

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Walter Schlegel Lightbox März_Mai 2018