Am Samstag findet in Chur die grosse Manifestation der Bündner Kulturschaffenden gegen die No-Billag-Initiative statt – mit zahlreichen Events von 10 Uhr morgens bis 17 Uhr nachmittags. GRHeute hat Organisator Andy Kollegger einige kritische Fragen gestellt.

Andy Kollegger, ihr organisiert eine grosse Manifestation gegen No-Billag. Ist das überhaupt noch nötig? Die Abstimmung ist doch längst gelaufen…

Die Abstimmung ist am 4.3. nach dem Auszählen gelaufen, nicht vorher. Bis dahin gebe ich alles. Ich möchte mir am 5.3. nicht vorwerfen, ich hätte mehr machen müssen.

Graubünden profitiert als Randregion zweifellos von den Billag-Gebühren. Aber wäre es nicht auch reizvoll, wenn jeder Haushalt 400 Franken mehr vom Lohn im eigenen Portemonnaie hätte?

Abgaben sind immer zu hinterfragen. Die andere Frage aber ist, was wir dafür bekommen, und das ist gerade in Graubünden sehr viel.

Es wird im Zug der No-Billag-Initiative immer von Solidarität gesprochen. Aber ist es nicht viel eher unsolidarisch, die Bevölkerung – bei der Ende Monat bei vielen Ebbe auf dem Konto ist – pauschal mit einer versteckten Steuer zu belasten? 

Wir bezahlen für viele Dinge, die wir selber nicht brauchen, aber andere. Es gibt sicher umgekehrt auch Dinge, die wir brauchen und andere nicht, gleichwohl bezahlen andere dafür. Das ist gelebte Solidarität. Es mag abgedroschen gelten, aber wieso sollen wir für die Feuerwehr bezahlen, obwohl wir sie nicht brauchen, gleichzeitig haben wir aber ein Problem, für Medien zu bezahlen, die wir brauchen?

Nicht nur die SRF ist Empfänger der Billag-Gelder, sondern auch «ausgewählte» private Verlage. Nun ähnelt sich gerade die Berichterstattung über No Billag in den meisten Medien. Ist das nicht viel mehr Zeugnis davon, dass die Medienvielfalt durch die Billag-Gebühr eben gerade nicht gefördert wird? Sondern dass die Schweizer Medienlandschaft im Gegenteil tendenziell auf einen «staatstragenden Einheitsbrei» hinsteuert – und private Konkurrenzprodukte wegen der unterschiedlichen finanziellen Spiesse praktisch verunmöglicht?

Von den nationalen Sendern erwarte ich vor allem eine ausgewogene Berichterstattung über die No Billag-Initiative, so wie es die Verfassung vorschreibt. Das ist gewährleistet. Dass die privaten Medien sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten und im Rahmen der Konzession für die Erhaltung ihrer Einnahmen wehren, ist legitim. Sie können sich ja bei der nächsten Ausschreibung auch um eine Konzession bewerben. Aber Sie haben schon recht, es ist nicht alles gut, wie es ist. Aber mit einer Annahme der Initiative wird es bestimmt nicht besser, davon bin ich überzeugt. Die Diskussion, was anders, besser werden muss, ist nach einer Ablehung nicht vom Tisch, im Gegenteil, die Diskussion kann dann beginnen und zwar ohne dass vorher alles Bewährte zerstört wurde. 

Von den Billag-Gebühren profitieren auch Kulturinstitutionen und Sportverbände, die über Sponsorings, eigene SRF-Medienkanäle und TV-Verträge mitverdienen – und oft auch abhängig sind von diesen Einnahmen. Warum soll ein Arbeitnehmer nicht selbst entscheiden dürfen, wo er seine selbst verdienten 400 Franken investieren will? Jetzt ist es doch einfach so, dass «Beamte» über dieses Geld verfügen und darüber entscheiden, oder?

Sie sprechen die Wahlfreiheit an. Vielleicht liesse sich mit Sportsendungen Geld verdienen. Diesbezüglich gibt es ja funktionierende Beispiele. Aber bereits bei den Kultursendungen ist vermutlich Schluss mit den sprudelnden Werbeeinnahmen. Soll die Kultur deswegen auf der Strecke bleiben? Es muss nicht alles rentieren, ja, es darf nicht alles rentieren, denn sonst wird nur noch das gezeigt, was Geld bringt. Die Folge wäre ein Einheitsbrei, der vielleicht unterhaltsam ist, uns aber nicht wirklich weiter bringt.

Was wollt ihr mit der Manifestation erreichen?

Wir wollen mit möglichen Befürwortern ins Gespräch kommen und ihnen anhand unseres Programms auf der Bühne aufzeigen, was verloren ginge, wenn die Initiative angenommen würde.

 

Info

Die Manifestation findet am Samstag von 10-17 Uhr auf dem Alexanderplatz in Chur statt. Weitere Informationen gibt es hier.

 

 

(Bild: Gemeinsam gegen die NoBillag-Initiative: Andy Kollegger (Organisator), Nikolaus Schmid (Präsident Kulturkanton Graubünden) und Susanna Fanzun (Präsidentin Cineasts)./Kulturkanton Graubünden)

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