Als HCD Fan darf man sich auf den Sonntag freuen. Oder etwa nicht?

 

Der Swiss Ice Hockey Cup wurde vor drei Jahren wieder ins Leben gerufen. Der Blick und der SIHF fanden es wichtig, dass der alte Schweizer Hockey Cup wieder stattfindet, denn der Cup hat eigentlich eine lange History: Von 1957 bis 1966 fand der Schweizer Cup zehn Jahre lang statt. 1967 wurde dann auf die Durchführung verzichtet, ehe 1972 noch ein letztes Mal ein Versuch gestartet wurde. Danach war Sendeschluss.

 

Erst 2015 kam die Auferstehung. Diese hatte aber beileibe keine sportlichen Hintergründe. Vielmehr war es Marketing-Denken von einem der grössten Schweizer Medienhäuser, das den Swiss Ice Hockey Cup wieder beleben liess. Der Blick witterte Geld. Dass sich die Problematik der unterschiedlichen Stärkeklassen über die Jahrzehnte nur noch verstärkte, spielte dabei keine Rolle.

 

Schnell merkten die NLA Vereine, dass der Cup eigentlich nur eine Zusatzbelastung darstellt. Wenig bis keine Heimspiele, zusätzliche Spieldaten zu einem bereits vollen Kalender – der Anreiz, am Swiss Ice Hockey Cup kompetitiv teilzunehmen, ist relativ gering. Bis man dann ins Halbfinale kommt. Dann wendet sich das Blatt nämlich. Dann wird der Cup eine Trophäe, die man gewinnen kann. Dann spielt das (bescheidene) Niveau und die tiefe Intensität nicht mehr eine so grosse Rolle.

 

Wieso ist man als HCD Fan also nun interessiert, am Sonntag den Schweizer Cup-Final zu schauen? Drei Gründe:

 

1.     Die Story ist eigentlich nicht schlecht.

Rappi wird die Halle füllen. Die St. Galler freuen sich wie wild auf das Finale. Gemäss Marketingchef Marco Jelinek ist am Obersee die „Cupeuphorie ausgebrochen“, das Stadion ist ausverkauft. Verständlich: Es ist das erste Mal, dass ein Swiss League (ehemals NLB)-Team im Finale steht.

 

Zudem findet das Final des Swiss Ice Hockey Cups am und im Zeichen des Weltkrebstags statt. Mit dabei sein wird auch ein prominenter Bündner, der die hässliche Krankheit besiegte: Corsin Camichel. Eine Feel-Good-Story, die entsprechend geehrt wird.

 

Noah Schneeberger sagt im Interview zwar nirgends (wie tituliert), dass der Cup wichtig sei für den HCD, aber er betont dennoch: „Man sieht es bei jedem neuen Produkt: Es braucht Zeit, bis dieses eine gewisse Akzeptanz erlangt. Die Champions League ist auch ein klassisches Beispiel dafür. Die ersten Runden sind für die oberklassigen Klubs immer schwierig, aber ich glaube, dass das Gesamtpaket Cup jetzt passt, auch finanziell liegt für die Klubs etwas drin und in den nächsten Jahren wird die Bedeutung des Cups sicher steigen.

 

2.     Die Lakers sind eigentlich ein cooler Gegner.

Die HCD Fans mögen Rappi, Rappi mag den HCD. Als die Lakers noch A-klassig waren, wurden die Spiele zwischen den beiden Ostschweizer Teams als Rivalries betitelt, und auch wenn die beiden in den letzten zehn Jahren nie auf dem gleichen Level spielten und die Partien oft recht einseitig waren (Davos war zu gut, Rappi zu schwach), so verbindet doch einiges die beiden Teams: Zum einen sind es die Fans, die sich gut miteinander verstehen. HCD Fans loben die SGKB-Arena. Rappi-Fans sind froh um die nationale Ausstrahlung, die eine Partie gegen den HCD mit sich bringt. Die beiden Teams sind zum anderen die einzigen Vertreter östlich des Zürichsees in den Profiligen der Schweiz. Und dann ist da noch das Kader: Mit Cyrill Geyer, Leandro Profico, Corsin Casutt und Sven Lindemann sind gleich vier Bündner in den Reihen der Lakers vertreten. Kein anderes Profi-Team (ausser dem HCD) hat mehr Steinböcke im Roster als die Lakers. Als Bündner Hockey-Fan eigentlich eine gute Affiche.

 

3.     Ein Pokal ist ein Pokal.

Noah Schneeberger erwähnte im Interview zum Cup-Final noch ein weiteres Detail: „Nicht jeder Verein hat ja bekanntlich eine realistische Chance auf den Meistertitel.“ Dieser Satz bereitet unter Umständen etwas Sorgen: Denkt er, dass der HCD keine realistische Chance auf den Meistertitel hat? Hoffentlich nicht.

 

Unabhängig davon: Ein Pokal ist ein Pokal. Nach dem Scheitern in der Champions League, dem Halbfinal-Out am Spengler Cup und den wohl schwierigen bevorstehenden Playoffs könnte der Swiss Ice Hockey Cup Balsam für den HCD sein. Auch wenn der Cup die tiefste Relevanz aller vier Titel hat. Auch wenn der Cup oftmals belächelt wird. Auch wenn ein Cup-Titel nicht verbunden ist mit Höhepunkten in Geschichtsbüchern. Ein Pokal ist ein Pokal. Und es würde dem HCD in der momentanen Lage guttun, ein Erfolgserlebnis verbuchen zu können.

 

Egal wie’s rauskommt: Der Cup ist (für den HCD) eigentlich nicht relevant. Niemand wird traurig sein, wenn Davos verliert, und es wird keine Parade geben, wenn Davos gewinnt. Er ist schlichtweg nicht interessant. Aber man darf ihn sich mit gutem Gewissen anschauen.

 

Übrigens: Die letzten drei Jahre wurde der Cup nie von wirklich grossen Teams ausgetragen. 2015 standen sich der ZSC Lions und der HCD im National League Finale gegenüber, das Cup Finale fand aber zwischen dem SCB (Halbfinal-Out) und den Kloten Flyers (Playouts) statt. 2016 waren es Bern und Lugano, die den Meistertitel unter sich ausmachten. Im Cup standen sich die ZSC Lions (Viertelfinal-Out) und der HC Lausanne (Playouts) gegenüber. Und letztes Jahr wurde der Schweizermeister unter dem SCB und dem EVZ ausgemacht, der Cup-Final wurde jedoch zwischen dem EHC Kloten (Playouts) und dem HC Genf-Servette (Viertelfinal-Out) ausgetragen. Von sechs Cup-Finalteilnehmer waren also die Hälfte Playout-Teams, und nur ein Team gewann überhaupt eine Playoff-Serie – ein schlechtes Omen für die bevorstehenden Playoffs für den HCD?

 

Zumindest eine Statistik wird am Sonntag neu geschrieben: Mit dem HCD 2018 steht zum ersten Mal in der Geschichte ein Bündner Team im Cup-Final.

 

Die Swiss Ice Hockey Cup History

Jahr Sieger Verlierer Resultat
2017 EHC Kloten HC Genf-Servette 5:2
2016 ZSC Lions HC Lausanne 4:1
2015 SC Bern Kloten Flyers 3:1
1972 HC Genf-Servette Ambri 4:3
1966 Grasshoppers Zürcher SC 6:3
1964 Visp Zürcher SC 5:2
1963 HC Neuchatel Genève HC 7:3
1962 Ambri-Piotta Villars 5:3
1961 Zürcher SC Visp 5:3
1960 Zürcher SC Visp 5:2
1959 Servette HC HC Neuchatel 7:3
1958 HC Neuchatel Lausanne 11:5
1957 HC Neuchatel Zürcher SC 14:0

 

HCD verliert in Langnau – Playoff-Heimrecht wohl futsch

Der HC Davos hat am Donnerstagabend Spiel 2 der «englischen Woche» bei den SCL Tigers mit 1:2 verloren. Die Bündner liegen damit vier Runden vor Ende der Regular Season sechs Punkte hinter dem Viertplatzierten EHC Biel. Die Bündner gingen in Langnau im Mitteldrittel durch einen abgelenkten Schuss durch Captain Andres Ambühl in Führung, mussten aber kurz nach Beginn des Schlussdrittels den Ausgleich hinnehmen. Kurios das entscheidende Tor für die Gastgeber in der 54. Minute: HCD-Goalie Joren van Pottelberghe wehrte einen Schuss mit der Stockhand ab, der Puck sprang aber in die Luft, über den jungen Keeper und wurde hinter JvP aus der Luft auf vom vorbeifahrenden Andreas Thuresson ins Tor bugsiert. Die Schiedsrichter entschieden nach Video-Konsultation auf Tor – die Davoser Niederlage war besiegelt. Lange muss Davos an dieser Niederlage nicht rumstudieren, schon heute Abend empfängt der HCD um 19.45 Uhr in der Vaillant Arena den HC Ambri-Piotta.

 

(Bild: GRHeute/Youtube SIHF)

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