Der HC Davos hat ein paar schwierige Wochen hinter sich, die Olympia-Pause kommt im richtigen Moment.

Der HCD hatte es in den letzten Wochen nicht leicht: Seit dem 6. Januar haben die Landwassertaler gerademal drei von 12 Spielen gewinnen können. Nur gegen Fribourg-Gottéron (6:5), gegen den HC Lausanne (5:4 OT) und gegen die ZSC Lions (2:1) resultierten Siege, die restlichen neun Spiele gingen allesamt verloren.

Den Tiefpunkt bildete dabei der verlorene Cup-Final am Sonntag gegen das unterklassige Rapperswil-Jona Lakers. Gleich mit 2:7 gingen die Mannen von Headcoach Arno Del Curto unter. Dementsprechend laut wurden die Stimmen und die Kritik am Team nach der Kanterniederlage. Aber sind diese wirklich gerechtfertigt?

Vorab: Die Niederlage gegen Rappi war schmerzhaft und unerwartet hoch. Aber viele der emotionalen Reaktionen waren schlichtweg lachhaft. Ein paar Antworten auf die wütenden Davoser Stimmen:

Ah, die gute alte „kann-man-den-Fans-nicht-antun“-Aussage. C’mon. Die HCD Spieler wollten bestimmt nicht ihren Fans ans Bein pinkeln. Ja, es war keine Sonderleistung. Aber man sollte relativieren: Rappi war bis in die Haarspitzen motiviert, und wollte um jeden Preis den Cup zu Hause gewinnen. Und Rappi ist auf keinen Fall ein NLB-Leichtgewicht: Auf dem Weg zum Cup-Titel haben die Lakers den HC Lugano (3:0) und den EV Zug (5:1) weggeputzt – zwei NLA Teams, die zur Zeit auf Rang 2 und 4 der National League stehen. Dort hörte man nach den Niederlagen keine apokalyptischen Stimmen der Fans.

Ah, die gute alte „persönlich eingeschnappte“ Aussage. Nein, es ist keine Frechheit. Erstens ist Rappi wie gesagt keineswegs das typische NLB Team. Mit ziemlicher Sicherheit werden die Lakers nächste Saison wieder A-klassig sein, was schon einmal alles in ein etwas anderes Licht rücken sollte. Zweitens spielten sich die Lakers im Final in einen Rausch, und der HCD hatte nicht wirklich die Energie, dem etwas entgegen zu setzen. Es stimmt, dass Davos keine berauschende Leistung an den Tag legte. Aber solche Tage gibt es: An denen nichts für einem läuft, und alles für den Gegner. Der Sonntag war ein solcher Tag.

Ah, das gute alte Trainerproblem. Es wird immer lustiger. Der HCD hat ein Trainerproblem? C’mon. Kann die Mannschaft nicht mehr erreichen? Also die Spieler, mit denen er vor knapp zwei Jahren Meister wurde? Die Spieler, die er vom Junior zum NHL-Draft führt? Die Spieler, die durchs Band lobende Worte für seine Ausbildungstaktiken haben? Welcher Coach wäre denn eine anständige Nachfolge für ADC? Wer sonst hätte die besseren Qualifikationen? Davos hat immer noch den besten, kompetentesten Coach der National League.

Aber nicht nur auf Twitter, sondern auch in den HCD Foren wurden die Stimmen laut:

Stonebock:
Ich halte die HCD-Ausreden nicht mehr aus. Ist Del Curto overrated?

Ah, die gute alte „Overrated“-Behauptung. Nein. ADC ist der erfolgreichste Schweizer Trainer aller Zeiten. Der einzige Trainer, der viermal als bester Trainer der Schweiz und einmal als bester Coach in Europa ausgezeichnet wurde. Der einzige Trainer, der sechs Meistertitel und drei Spengler Cup Titel in seinem Palmarés hat. Der Trainer, der schon vor 20 Jahren begann, das heutige Hockey zu revolutionieren und auf Speed setzte. Der Coach, der als einziger seit zwei Jahrzehnten konstant die Playoffs erreicht. Not overrated.

Bono:
Blamabel, bei dieser Truppe passt nichts zusammen. Weder Einsatz noch stolz.

Ah, die guten alten Phrasen „Stolz“ und „Einsatz“. Die Spieler sind Profis. Dieses romantische Bild, dass sich Spieler wie in einem Mighty-Ducks-Film verhalten, und dank irgendwelchen emotionalen Ansprachen (zu triumphaler Musik) das entscheidende Tor in der letzten Sekunde erzielen, ist lachhaft. Ich bin sicher, dass die HCD-Spieler „Stolz“ besitzen, dass sie gewinnen wollen, und dass sie nach einer Niederlage wie am Sonntag wütend und enttäuscht über ihre eigene Leistung sind.

Martino86:
Haben wir eigentlich schon ein Spiel gewonnen diese Saison mit Senn? Er kann wohl nicht viel dafür, aber auffällig ist es schon.

Ah, ja, die gute alte Goalie-Schuld-Schieberei. Zur Antwort: Mit Gilles Senn hat der HCD von 25 Spielen 12 gewonnen (48%). Das ist etwas höher als der Schnitt von Van Pottelberghe (45%) und höher als der National League Durchschnitt (44%).

Jatzli:
Muss es zuerst 5-1 stehen bis Arno sein Timout nimmt… Zeigt den gleichen Einsatz wie die Spieler auch, einfach nur bedenklich!

Ah, das gute alte Timeout. Was denken sich solche Fans, was in Timeouts vor sich geht? Dass ADC das magische Getränk aus der Tasche zaubert? Zuviel Space Jam geschaut? Nein, Timeouts haben nicht diese Wirkung, auch wenn es die letzten Jahre beim HCD teilweise den Anschein hatte. Nein, ein früheres Timeout hätte den Spielern nicht mehr Energie oder „Stolz“ oder „Wille“ injiziert. Liebe Fans, bitte überbewertet Timeouts nicht als magisches Tool, das den Spielverlauf komplett kehren kann.

Jump:
Lachnummer 1 der Nation! Nächste Saison abstiegsgefahr!!!

Ah, das gute alte Endzeit-Szenario: Es wird immer besser mit der Emotionalität. Abstiegsgefahr. Mit drei Ausrufezeichen!!!

Nakufa:
In meinen Augen ist der Arno nicht mehr das Ein und Alles an der Bande. Wenn man Ihn beobachtet, wie er auf der Band sitzt und dem Spiel zuschaut, kann einem ja schlecht werden.

Ah, die gute alte „Zum-Kotzen“-Ansage. Dem Fan wird also schlecht, weil Arno nicht genug rumschreit? Was genau müsste ADC machen, damit dem Fan nicht übel wird? Mehr gestikulieren? Weil das zu Toren und Siegen führt? C’mon.

HCD_Freak:
Und darum schiebt Arno Grossniklaus nach Genf ab? Sorry aber ein Witz. Ich befürchte er bevorzugt einheimische Spieler, auch wenn diese ihre Leistung nicht bringen. Forrer und Grossniklaus waren immer überzählig. Diese stammen z.B. nicht aus dem HCD Nachwuchs. Beide um Welten besser als Kindschi und Aeschlimann.

Ah, die gute alte Verschwörungstheorie. C’mon: Grossniklaus ist nicht um Welten besser als Kindschi. Und Forrer ist nicht um Welten besser als Aeschlimann. Die Selektion des HCD-Kaders entspricht mehr oder weniger den Leistungen der Spieler. Es wäre wahnsinnig, wenn ADC (und die Staff) ihre Verpflichtungen anhand des Bürgerortes des Spielers machen.

Es gibt aber auch rationale Fans, welche die Leistungen objektiv beurteilen können:

Pauli:
Ich kritisiere auch und hinterfrage einiges aber selbst ich sehe nicht alles negativ. Was in den letzten zwei wochen geboten wurde ist nicht schön und muss kritisch betrachtet werden.

Hcd_fan:
Nicht alles ist schlecht. Auch wenn es in dieser saison viele negative punkte gibt.
Der hcd ist gut geführt.
Der hcd setzt auf junge spieler und erreicht trotzdem einigermassen sicher die playoffs.

Ice: Gegen dieses Rappi hätte wohl jeder NLA Klub heute so seine liebe Mühe gehabt. Auch für einen SCB wäre es heute alles andere als einfach gewesen heute zu gewinnen.

Richtig.

Und zum Schluss die beste Ansage. Ja, man darf kritisieren. Man sollte sogar. Es ist gut und richtig, dass die Ostkurve ihre Unmut kund tut. Es ist richtig und wichtig, dass sich Fans zu Wort melden, wenn die Leistung des Lieblingsteam nicht mehr stimmt.

Sven Jung beantwortet im Interview gegenüber Blick TV alle Fragen richtig: Verschissen. Niemand ist glücklich darüber. Jetzt nach vorne schauen. Gut trainieren. Punkt.

 

(Bild: HCD Twitter, Stats: SIHF)

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