…….Nur das Schulgeld ist teuer (Thomas Carlyle)

Krisenkommunikation –jeder kennt sie, aber niemand hofft sie jemals einsetzen zu müssen. Auch wir als kleine Tourismusorganisation des Bergells hatten ein Krisenkommunikationskonzept…leider war aber sogar das schlimmste Worst-Case Szenario im Konzept weitaus weniger schlimm, als die effektive Tragödie, die sich am 23. August im Bergell ereignet hat.

Dieser grosse Bergsturz mit den folgenden Murgängen hat uns komplett aus dem Daily Business gerissen. Plötzlich war nicht mehr wichtig, ob die Dorfführung genug Anmeldungen hat oder, ob die Marketingkampagne den richtigen Mix zwischen Digital und Print vorweist. Es waren weitaus dramatischere Fragen die sich uns stellten. In dieser Kolumne möchte ich aufzeigen, was wir im touristischen Kommunikationskontext aus der Naturkatastrophe am Pizzo Cengalo gelernt haben.

Fragen, die mir praktisch am gleichen Tag des Bergsturzes mehrmals von verschiedenen Medien gestellt wurden sind, „was ist jetzt eure Strategie, um den Tourismus im Bergell wieder anzukurbeln? Werdet ihr das Tal weiterhin mit Bildern/Videos, welche schöne Landschaften und fröhliche Wandertouristen zeigen, vermarkten? Ist das nicht makaber und unverantwortlich?“. Kaum geschehen, solche Fragen – das hat mich verwundert. Als Touristiker hatte ich zwar eine mediengerechte Antwort bereit, aber in Wirklichkeit hatte ich, so kurz nach dem Bergsturz, weitaus andere Sorgen, als mir Gedanken zu machen, was unsere Strategie und unsere Kommunikationsmassnahmen sein werden.

Im Nachhinein habe ich mich vertieft mit diesen Fragen auseinandergesetzt und ich glaube, dass die daraus entstandenen Erkenntnisse nicht nur fürs Bergell von Nutzen sein können, sondern auch für alle touristischen Bergregionen der Welt. Warum ich das glaube? Weil, wie Ernst Bromeis in einer früheren Kolumne hier geschrieben hat, „ll mondo è Bondo – Die Welt ist Bondo“ und wir werden in Zukunft mit ähnlichen Ereignissen in anderen Bergregionen auf der Welt rechnen müssen. Der Klimawandel lässt sich nicht abstreiten, ungeachtet dessen wer dafür verantwortlich ist.

Meine wichtigsten Erkenntnisse nach dem Bergsturz am Pizzo Cengalo (aus rein touristischer Sicht) sind:

1. Transparent, offen und sachlich kommunizieren was, wo und warum etwas passiert ist. Nicht dramatisieren und Ängste schüren. Naturkatastrophen gehören seit eh und je zu den Bergregionen. Es geht primär darum, diese Tatsache wider vermehrt ins Bewusstsein der Leute zu rücken.

2. Das Geschehene nicht aus den touristischen Kommunikationsaktivitäten verbannen. Aber auch nicht das eigene Kommunikationskonzept über den Haufen werfen: In der touristischen Vermarktung gehören unsere schönen Landschaften, unsere intakte Natur und fröhliche Gäste dazu – und dies auch zu Recht. Naturgefahren lauern überall und die 100% Sicherheit gibt es nicht.

3. Aus der Not eine Tugend machen und respektvoll mit dem Geschehenen umgehen. Dank der sauberen und professionellen Analyse der Gründe, die zum Ereignis geführt haben, didaktische Angebote vor Ort schnüren und damit die gesammelten Erfahrungen weitergeben.

Und zu guter Letzt: viel Menschlichkeit, viel Feingefühl, viel Pragmatismus und viel gesunder Menschenverstand (und ja, auch viel Geduld mit den Medien).

Ich weiss, es tönt alles ein bisschen banal, aber in diesem Fall liegt für mich die Wahrheit in der Einfachheit. In diesem Sinne #forzabregaglia e a presto!

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front:
Michael Kirchner, Bregaglia Turismo.

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