Marcus Caduff: « Ein Züricher erreicht innerhalb von 30 Minuten 22 Spitäler – und der Bündner? »

Es vergeht kaum eine Woche, in welcher das Gesundheitswesen und insbesondere die Kosten im Gesundheitswesen nicht Thema in den Medien ist. Eine vermeintlich einfache Lösung um Kosten zu sparen scheint kleine Spitäler zu schliessen oder diesen einfach den Leistungsauftrag zu entziehen und damit eine Schliessung zu erzwingen. Natürlich fordert dies niemand so offen und direkt, als Vorwand werden die sogenannten Mindestfallzahlen bemüht. Und die Argumentation geht dann so: Um die Qualität der medizinischen Behandlungen zu erhöhen, soll den Spitälern Mindestfallzahlen vorgeschrieben werden. Und dies nicht nur in der hochspezialisierten Medizin, nein auch in der Grundversorgung.

Vorreiter und treibende Kraft hinter diesem Ansinnen ist der Kanton Zürich. Anhand der Festlegung der Mindestfallzahlen kann man sehen, welche seiner Regionalspitäler der Kanton Zürich schliessen möchte. Aus der Vergangenheit haben die Politiker gelernt, dass das Schliessen eines Spitals dem politischen Suizid gleichkommt, also muss die Qualität als „Sündenbock“ herhalten. Und die Qualität wird mit Mindestfallzahlen gleichgesetzt. So waschen sich alle die Hände in Unschuld, behaupten dann halt die Qualität habe nicht gestimmt da das Spital nicht eine gewisse Anzahl Fälle pro Jahr erreicht habe.

Nun gut, wenn der Kanton Zürich dies so handhaben will und damit ein strukturelles Problem zu lösen versucht sei das dem Kanton Zürich so vergönnt. Dass das Bundesamt für Gesundheit dieses Modell nimmt und versucht auf die ganze Schweiz anzuwenden ist schlicht unbegreiflich, fahrlässig und verkennt die Realität in der Schweiz. Im Kanton Zürich erreicht jeder Bewohner innerhalb von 30 Minuten zwischen 6 bis 22 Spitäler. Werden die Hälfte der Spitäler geschlossen sind es immer noch 3 – 11 innerhalb von 30 Minuten. Und in Graubünden? Da erreichen bereits heute einige Bewohner des Kantons KEIN Spital innerhalb von 30 Minuten, als Beispiel sei Sedrun, Vals oder das Safiental genannt. Die meisten erreichen innerhalb von 30 Minuten gerade mal ein Spital. Was passiert, wenn in Graubünden die Hälfte der Spitäler geschlossen wird, muss ich wohl nicht ausführen.

Es ist unbestritten, dass die Qualität der Behandlung stimmen muss, sei dies im grossen oder im kleinen Spital. Eben diese Qualität wird in allen Spitälern auf mannigfaltige Art und Weise gemessen. Und die Auswertung dieser Messungen verdeutlicht, dass die kleinen Spitäler keineswegs schlechtere medizinische Qualität bieten. Interessant ist auch, dass die Studie, welche zur Argumentation für die Einführung der Mindestfallzahlen herangezogen wird ebenso viele Argumente gegen die Einführung von Mindestfallzahlen aufzählt. Nur diesen Teil der Studie verschweigen die Befürworter der Mindestfallzahlen sehr gern.

Im Übrigen gilt das oben beschriebene Spiel nicht nur in der Grundversorgung für die kleineren Spitäler. Auch in der hochspezialisierten Medizin versuchen die Universitätsspitäler via ihren Eignern, den Kantonen, die Mindestfallzahlen so anzusetzen, dass die etwas kleineren Zentrumsspitäler, wie beispielsweise das Kantonsspital Graubünden, gewisse Behandlungen nicht mehr durchführen können und die Patienten den Universitätskliniken zuweisen müssen.

Kurzum: Es geht nicht primär um Qualität, sondern um Machtpolitik und um die Steuerung von Patientenflüssen. Und gerade wir im Kanton Graubünden müssen uns mit allen Mitteln gegen solche unnütze Ansinnen und Vorhaben wehren. Und wenn dies bedeutet, dass wir nach Bern demonstrieren gehen müssen, wie gewisse amtierende Regierungsräte dies angedeutet haben, dann tun wir dies.

(Bild: GRHeute)

Keine Artikel mehr