Palmyra – allein schon der Klang dieses Wortes beschwört sagenhafte Bilder herauf. Der in Malix lebende syrische Komponist und Oudspieler Bahur Ghazi verbindet aus seiner neuen Heimat heraus die weltläufige Kreativität der Schweizer Jazzszene mit der Magie einer Oasenstadt, und spannt einen faszinierenden Bogen von antiken Bildern bis in die bittere Gegenwart Syriens. Am Dienstag, 6. März 2018 stellen Bahur Ghazi und sein helvetisches Palmyra-Quartett im Theater Chur das Debutalbum «Bidaya» vor, das Anfang März bei Jazzhaus Records erscheint.

Die schillernde Oasen- und Karawanenstadt Palmyra spielte während der Antike immer wieder auf der Weltbühne der Geschichte mit. Sie entwickelte als Knotenpunkt des griechisch-römischen und persischen Einflussbereichs eine einzigartige Kultur, besass eine eigene Sprache, erlebte frühes Christentum und islamische Eroberung, wurde mehrfach zerstört und erhob sich immer wieder wie Phoenix aus der Asche. 1980 erhielt die Ausgrabungsstätte das Siegel des UNESCO-Weltkulturerbes und musste ab 2015 gleich zweimal dem Islamischen Staat entrissen werden.

Der in Malix lebende syrische Oudspieler Bahur Ghazi verbindet die weltläufige Kreativität der Schweizer Jazzszene mit der Magie einer Oasenstadt. Umgeben von führenden helvetischen Jazzern an Akkordeon (Patricia Draeger), Piano (Christoph Baumann), Kontrabass (Luca Sisera) und Drums (Dario Sisera) malt er aus der Distanz zur Heimat weitläufige, farbenprächtige Tableaus. In ihnen fächert sich das arabische Erbe als Kaleidoskop von Andalusien über das Mittelmeer bis in die Wüste auf, und zugleich verbinden die Musiker dieses Erbe der arabischen Maqam-Skalen mit der improvisatorischen Klangsprache Europas. Da Luca Sisera in Guatemala auf Tour sein wird, spielt der in Ilanz aufgewachsene Kontrabassist Vito Cadonau das Album Release Konzert im Theater Chur.

Bahur Ghazi sieht den legendären Ort Palmyra als Sinnbild für ein spannendes Geflecht der Kulturen und als Symbol der Würde und Hoffnung für das durch Bürgerkrieg und IS zerstörte Syrien. Vor dem Krieg war Ghazi einer der führenden musikalischen Kreativköpfe seiner Heimat. Er studierte bei der irakischen Oud-Koryphäe Naseer Shamma und unterrichtete am Kairoer «Bait al Oud al Arabi» (arabisches Lautenhaus). In seinem Schweizer Exil wirkt er als Musiker und komponiert für klassische Orchester und Theater. Im Januar 2018 hat er für das Theaterstück «Stündchen» von Ursina Trautmann, eine Koproduktion mit dem Theater Chur, Songs geschrieben und die vier ausverkauften Vorstellungen in der Churer Postremise mit dem Perkussionisten Dario Sisera begleitet.

 

(Bild: zVg.)

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