Im Gefäss «In eigenen Worten» bieten wir den Musikern in unregelmässigen Abständen eine Plattform, die Bedeutung ihrer Lieder hervor zu heben, ein wenig im Universum herum zu fabulieren und die persönlichen Hits zu küren. Alles immer frisch aus dem Bauch, frech, spontan und unverfälscht.

Heute zum Zug kommt das Album «Umbrivas» von Astrid Alexandre. Viel Spass mit ihren Antworten.

Albumtitel:
UMBRIVAS (das heisst „Schatten“)
Band:
Astrid Alexandre (voc. und keys), Andi Schnoz (Guitars), Rees Coray (Bass), Rolf Caflisch (drums)
Produzent: Guy Sternberg
Label: R-tunes
Release: 16.3.2018 (Chur) und 17.3.2018 (Ilanz)
Page: www.astridalexandre.com

1. LIGHTHOUSE
Ein Album mit einem a cappella-Song beginnen und dazu ein Lied mit so einem langen Intro?
Ja! Ursprünglich wurde das Lied vom Buch eines Freundes inspiriert, in dem Leuchttürme eine wichtige Rolle spielen. Ich schrieb Musik zu diesem Buch und mochte den Gedanken, dass jeder Mensch seinen eigenen Leuchtturm hat. Sei es eine Religion, eine Überzeugung, eine Berufung etc.
Leuchttürme zeigen uns den Weg nach Hause, auch bei stürmischem Wetter und mein Leuchtturm ist sicher auch meine Stimme. Sie signalisiert mir, worauf sie (keine) Lust hat und gibt mir die Richtung vor.
Deshalb dieses eher mystische a cappella-Lied am Anfang des neuen Albums.
Deshalb auch das geheimnisvolle Video, getanzt von Katharina Wunderlich.

2. BEAUTIFUL MIND
Viele Kleinigkeiten (und eigentlich auch „Grossigkeiten“) machen das Leben schön und spannend. Doch oft mache ich mir Sorgen um meine Welt. Die Menschheit als Ganzes ist schon auch ziemlich doof und egoistisch und nicht mehr mit der Natur verbunden. Das kann mich dann schon zum Grübeln bringen.
Corin Curschellas kennt mich gut und weiss das. Umso schöner, dass sie mir ihr Lied BEAUTIFUL MIND überlassen hat. Zeilen wie «I do believe in miracles» oder «Freedom is growing stronger» , entsprechen zwar nicht immer meiner Sicht auf die Welt aber ich möchte so gern daran glauben und singe dieses Lied von Corin deshalb mit Überzeugung.

3. VETA
Veta = Leben
Der Text von VETA ist von der Dichterin Tresa Rüthers-Seeli (*1931).
Bei ihrer letzten Buchvernissage durfte ich die Musik machen, und als ich dieses Gedicht hörte, wusste ich sofort, dass ich es vertonen wollte. Die Zeile «in siemi sco sch’ei dess aunc melli stads» («Ein Traum, als ob noch tausend Sommer vor mir lägen») ist so hoffnungsvoll!
Es freut mich enorm, dass Pascal Gamboni bei dieser Aufnahme mitspielt und mitsingt. Als ich das Lied zum ersten Mal live sang, war es nämlich bei einem Konzert mit Pascal. Deshalb war es für mich von Anfang an klar, dass er es auch auf dem Album singen sollte!

4. LULLABY
Irgendwo muss man ja immer anfangen und «jedem Anfang wohnt ein Zauber inne», wie Hesse schon sagte.
Dieses Lied für mich besonders wichtig, denn es hat dem Album die Richtung gegeben, für mich hat dieses Projekt mit LULLABY angefangen. Bei Lullaby wusste ich von Anfang an genau was ich wollte und wie es tönen sollte. Und das hat dann schlussendlich dem ganzen Album den Sound gegeben.
Die Katharina Wunderlich tanzt auch bei diesem Clip wunderschön – und dass sie dieses Schlafliedchen mit rundem Babybauch tanzt, berührt mich immer wieder.

5. UMBRIVAS
Umbrivas = Schatten
Dieses Lied hat dem Album den Titel gegeben, aber ich sage immer, dass ich es eigentlich am liebsten nicht geschrieben hätte, denn es ist nicht aus einem schönen Gefühl entstanden.
Es war Sommer. Im Mittelmeer ertranken Menschen, die auf der Flucht waren. Um mich herum machten sich Leute aber bereit für ihre Strand- oder Safariferien und noch andere jagten Pokémons hinterher. Das ist vielleicht überspitzt und ich möchte auch nicht behaupten, dass ich fertige Lösungen bereit hätte.
Aber diese Situation beschäftigt mich und macht mich wütend – also entstehen Lieder daraus!

6. LA DÉCISION
La décision = die Entscheidung.
Entscheidungen zu treffen, das fällt mir nicht immer leicht. Aber manchmal sind eben Entscheidungen nötig, auch solche die etwas zerstören. Ich war an einem Bahnhof in Frankreich und wartete auf einen Anschlusszug. Draussen regnete es, also hatte ich auch keine Lust den Bahnhof zu verlassen. So sass ich da, dachte über diese bevorstehende Entscheidung nach. Und plötzlich flog mir das Lied zu, doch ich hatte kein Instrument dabei! Also war meine einzige Begleitung die Melodie, die in Frankreich immer vor einer Ansage abgespielt wird – und diese ist auch in der Aufnahme präsent!

7. ZERVREILA
Ich mag die Lieder von meinem Bassisten Rees Coray, deshalb wollte ich wirklich gern eines für das Album aufnehmen. Die Wahl fiel auf ZERVREILA, dies weil man die Liebe nie genug besingen kann und weil es vom Stil her sehr gut zu den übrigen Songs passt. Bei diesem Lied ist Rees auch Leadsänger und ich hoffe, dass ihn das auch für die Zukunft motiviert. Ich warte nämlich schon lange auf ein Album mit seinen Songs!

8. LES GAMMES DE MOTS D’AMOUR
Les gammes de mots d’amour = die Liebeswörtertonleitern
Wenn man ein Instrument gelernt hat, dann kennt man die Tonleitern. Es wird einem gesagt, man solle die spielen, «damit es nachher besser geht».
Irgendwann sagte ich mir, man müsste auch andere Tonleitern haben, zum Beispiel «Liebeswörtertonleitern». Und wenn man diese brav üben würde, dann ginge auch das mit den Liebeserklärungen besser, oder?
Dieses Lied habe ich einfach am Piano aufgenommen. Das war mir wichtig, denn meine Musik entsteht sehr oft am Piano, und ein solches simples «Chanson» musste unbedingt auch auf UMBRIVAS zu finden sein.

9. FLOWERS
Nochmals ein Lied, das ich am liebsten nicht geschrieben hätte.
Eigentlich war dieses Lied ursprünglich ein Mantra für einen kranken Menschen. Es sollte Mut machen, denn auch Blumen müssen den einen oder anderen Sturm aushalten, doch sie stehen immer wieder auf.
Dann musste ich das Ende des Songs leider umschreiben, denn es kam anders als erhofft.
Die Hoffnung, die jetzt bleibt: «I hope you are alright now» – ich hoffe, es geht dir jetzt gut.

10. TES CALZERS
Tes calzers = deine Schuhe
Das Album sollte mit einem Augenzwinkern aufhören.
Ich beschäftige mich gern mit ernsten Themen, die erscheinen mir einfach super-wichtig. Aber ich lache auch gern, oft auch über mich selbst. Dieses Lied ist eine Erklärung und auch ein bisschen eine Entschuldigung:
Ich hatte ein Date und dieser Mann war sehr romantisch und begeistert und sagte mir Gedichte auf und hatte mir Blumen gebracht et cetera.

Und ich? Als schüchterner Mensch, habe ich einfach die ganze Zeit seine Schuhe angestarrt und kaum etwas gesagt. Er hat es mir (verständlicherweise) sehr übel genommen und als ich nach Hause kam, schrieb ich dann dieses Lied. Darin erkläre ich was es heisst, wenn ich die Schuhe des Anderen anstarre: es ist eigentlich schon eine halbe Liebeserklärung, denn normalerweise starre ich ja MEINE Schuhe an!
So – jetzt wisst ihr’s!

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Walter Schlegel Lightbox März_Mai 2018