Frauen alleine auf Reisen? In den 1980er Jahren nicht unbedingt an der Tagesordnung, und so gründete Frances Alexander 1984 die Organisation womenwelcomewomen (3W), ursprünglich mit der Absicht, Frauen das Alleinreisen angenehmer und sicherer zu machen. Aber weil die Grundidee, die der Freundschaft unter Frauen weltweit, sich eben nicht nur auf Europa beschränken liess, wurden daraus die 5W-Frauen: womenwelcomewomenworldwide. Heute zählt die Organisation knapp 2500 Mitglieder in über 60 Ländern weltweit und steht für Freundschaft und Verbundenheit über alle Landes-, Sprach-, Religions- und Herkunftsgrenzen hinweg – Freundschaft und Verbundenheit zwischen Frauen.

Corina Puorger aus Bergün (68) ist seit 1995 Mitglied bei den 5W-Frauen, und seit vergangenem Jahr auch Mitglied im Board of Trustees. Corina kam durch Zufall zu den Frauen – es war ein Zeitungsartikel im Bund 1995, der sie auf die weltweite Frauenorganisation aufmerksam machte. GRHeute traf Corina zum Gespräch über die einzigartige weltweite Frauenorganisation womenwelcomewomenworldwide.

GRHeute: Corina, wie bist du zu den 5W-Frauen gekommen?

Corina Puorger: Tatsächlich mehr oder weniger durch einen Zufall. Ich habe lange Zeit in einem Reisebüro gearbeitet, Reisen war Teil meines Lebens, aber als ich dann mit 40 Mutter war, konnte ich nicht mehr so einfach von heute auf morgen durch die Weltgeschichte reisen. 1995 las ich zufällig einen Artikel über die 5W-Frauen und fühlte mich sofort angesprochen. Ich wurde Mitglied, und so konnte ich mir in den Jahren, als mein Sohn noch zu klein war, um ihn allein zu lassen, die Welt zu mir nach Hause holen. 

Wie war das denn dann mit den Frauen zu Besuch?

Wir lebten damals in Bern, und ich hatte Besuch von Frauen aus der ganzen Welt. Es gibt so ein paar Regeln bei den 5 W Frauen, so soll man zum Beispiel nicht länger als 3 Tage bei einer anderen Frau bleiben, da ja auch kein Geld fliesst (Anm. d. Red.: womenwelcomewomenworldwide ist eine Non-Profit-Organisation). Es geht bei der Organisation nicht um einen günstigen Schlafplatz in der Fremde, sondern wirklich um Begegnung und Austausch zwischen den Kulturen. Ich habe mir dann, wenn immer möglich, frei genommen wenn ich Besuch hatte, habe den Frauen Bern gezeigt, und habe sie an meinem Leben teilhaben lassen. Aber eben genau darum geht es bei womenwelcomewomen: Darum, eine andere Frau bei sich daheim und willkommen zu heissen und sie in das eigenen Familienleben einzubeziehen.

Aber man kennt einander ja vorher gar nicht persönlich?

Nein, aber dadurch, dass man der gleichen Organisation angehört, hat man schon mal eine gemeinsame Basis, und das schafft von vorne herein Vertrauen. Die Frauen geben im Verzeichnis ihre Hobbies und Interessen an, und so kann man bei einer Reise ja relativ gezielt die Frauen anschreiben, die ähnliche Interessen haben wie man selber. So hat man dann sicher schon mal eine gemeinsam Ebene, und das verbindet einfach.

Was genau bedeutet die 5W-Organisation für Dich persönlich?

Begegnung. Und Freundschaft, und das auf der ganzen Welt. Alleine an einen Ort am anderen Ende der Welt reisen, und dann von einer 5W-Frau am Flughafen abgeholt zu werden, das ist unbezahlbar. Und wenn man bei den Frauen daheim ist, dann ist man plötzlich Teil der Familie, und das in der Fremde. Durch die Organisation habe ich nicht nur viele wunderbare Begegnungen gehabt, sondern es sind auch wirklich echte und langjährige Freundschaften entstanden.

Mit Pam in Kuala Lumpur

Wer kann denn alles Mitglied werden?

Jeder – oder besser gesagt jede Frau, unabhängig vom Alter oder vom Einkommen. Wer Mitglied werden möchte aber zum Beispiel kein Gästezimmer hat, der kann auch Day Hostess werden. Dann bietet man sich dann zum Beispiel an, einer Frau die eigene Stadt zu zeigen, oder man trifft sich zum gemeinsamen Museumsbesuch. Neu gibt es auch die Programme „travel with me“ und „visit me“. Bei „travel with me“ reisen 5W-Frauen gemeinsam, und bei „visit me“ können Frauen ihren Wohnort gesondert vorstellen und andere Frauen einladen, sie zu besuchen. Als ich noch in Bern lebte hatte ich ganz viel Besuch, aber seit ich wieder in Bergün bin, haben sich noch nicht so viele 5W-Frauen zu mir verirrt. Dabei bin ich der gleiche Mensch! Aber einer Frau aus zum Beispiel Australien muss man das „Ab vom Schuss“ halt erstmal schmackhaft machen. (lacht). Aber natürlich waren alle, die bist jetzt in Bergün waren, verzaubert von dem schönen Fleckchen Erde.

Was war eines deiner schönsten Erlebnisse in Zusammenhang mit den 5W-Frauen?

Durch Deine Fragen wird mir gerade wieder bewusst, was für wertvolle Begegnungen mir die 5W-Organisation im Laufe der Zeit geschenkt hat, vor allem während meiner Weltreise vor 3 Jahren. Bei diesen Frauen wohnen zu dürfen: Es sind wie vertraute Inseln in der Fremde. Und so waren und sind eigentlich alle Erlebnisse und Begegnungen etwas Besonderes. Zum Beispiel war ich mit Pam an ihrer Klassenzusammenkunft in Kuala Lumpur, oder mit Beverly aus Australien war ich mit ganz vielen Wandergruppen unterwegs. Beverly hat mich auch schon dreimal in Bergün besucht, letztes Jahr war sie 2 Wochen im Bündnerland. Weil wenn sich so wie bei uns eine echte Freundschaft entwickelt hat, dann besucht man einander natürlich auch länger als die 3 Tage, und das ist dann wirklich ein Geschenk. Mit 5W fühle ich mich auf eine wunderbare Weise mit der Welt verbunden.

Wandern in Australien mit Bev

Bev zu Gast in Bergün

5W ist eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in High Wycombe, UK.

Mehr Infos unter http://www.womenwelcomewomen.uk/article/home.aspx

 

(Bilder: Corina Puorger)

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