Astrid Alexandre lotet die Schatten in ihrer ganzen Tiefe aus – als nötiges Pendant zum Licht, das den Dingen Dimension verleiht. Auf romanisch, französisch und englisch. Die schlichte Schönheit ihrer warmen Stimme ist in kunstvoll elaborierte Songs gefasst.

Singer-Songwriter-Pop-Triphop?
Über die Schubladen hinweg wird das neue Album „Umbrivas“ (Schatten) von der ganz besonderen Atmosphäre zusammengehalten, die nur Astrid Alexandre zu schaffen vermag. Nach ihrem Erstling mit romanischen Chansons, Zusammenarbeiten mit Corin Curschellas und Ursina und einigen musikalischen Ausflügen ins Theater gibt sie am 16.3.2018 ihr zweites Album heraus. Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage. Der schöne Schluss eines Märchens. Rasch erzählt. Doch was die Geschichte ausmacht, das sind die Irrungen und Wirrungen vor dem Happy End. Und genau davon erzählt Astrid Alexandre in den strahlend-schlichten Tönen ihrer dunklen Stimme.

Denn wie Adele schreibt Astrid ihre besten Songs, wenn sie das Leben sie ein wenig traurig macht. „Fuss ei buc uras da calar da serrar tut ils egls che nus havein en nos cors ed en nos tgaus?“ „Wäre es nicht Zeit aufzuhören all die Augen zu schliessen, die wir in unseren Herzen und unseren Köpfen haben?“: So drückt sich Astrid Alexandres Krise angesichts der Flüchtlingskrise aus. Doch wenn es auch gelegentlichen wenig düster wird: Die freudigen Geheimnisse der Welt und die Neugier auf die nächsten Winkelzüge des Lebens klingen immer mit. Zart, und kraftvoll, klar und geheimnisvoll. Zusammen mit dem bekannten Berliner Produzenten Guy Sternberg, mit Andi Schnoz an der Gitarre, Rolf Caflisch am Schlagzeug und Rees Coray am Bass hat Astrid Alexandre sich viel Zeit genommen, die zehn Songs bis auf ihre Essenz freizulegen. Das hört man. Und hören tut man auch die künstlerische Zusammenarbeit: Corin Curschellas und Rees Coray haben Songs beigesteuert. Im Duett mit Pascal Gamboni tönt ein wenig Kylie Minogue-Nick Cave-Feeling auf Rumantsch an. Der Text einer 86-jährigen romanischen Dichterin, Tresa Rüthers Seeli, ist in „Veta“ vertont. Im Titelsong Umbrivas hält ein Hauch Triphop Einzug. Und der Chanson – der französischen Vatersprache Alexandres geschuldet – ist nie weit. Doch am Anfang stand das Thema: Schatten. Umbrivas ist ein Konzeptalbum in umfassend künstlerischem Sinn – bis zu den Videos. Darin hat die deutsche Tänzerin Katharina Wunderlich Astrid Alexandres Musik in bewegende Choreographien umgesetzt.

Hintergrund
Als Tochter eines belgischen Vaters und einer rätoromanischen Mutter 1981 in Port-au-Prince (Haïti) geboren, wuchs Astrid umgeben von Chansons, romanischen Volksliedern und klassischer Musik auf. Das Studium – klassischer Gesang und Musikwissenschaften – brach sie ab, um ihren eigenen Weg zu finden. Schlüsselerlebnis war eine Mutter an einem mexikanischen Strand, die ihre Tochter in den Schlaf sang. Dieser unprätenziöse und von Herzen kommende Gesang war, was die Künstlerin suchte und seither pflegt. Mit ihrem langjährigen musikalischen Partner Mario Pacchioli nahm Astrid Alexandre 2009 das Album „Rispondas“ auf. Es folgten Auftritte in Schweden, am Jazz Festival Montreux (2009) und 2011 ein einjähriges Engagement in Paris. 2012 war sie Solistin beim Festival Origen, 2012 organisierte sie die Konzertreihe Chant au Tour von RTR und stand mit Künstlern wie Pascal Gamboni und Cha da Fö auf der Bühne. Mit Corin Curschallas arbeitete sie für „Origins“ zusammen, mit Ursina Giger bilden sie das Trio „La Triada“. 2014 entstand das Solo-Album „Astrid Alexandre“, 2015 die erste CD von „La Triada“. Immer wieder arbeitet Astrid Alexandre auch musikalisch im Theaterkontext.

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