Der HCD verlor am Dienstag das zweite Spiel gegen den EHC Biel mit 1:3, die Serie ist wieder ausgeglichen. Was muss der HCD anders machen, um das dritte Spiel heute gewinnen zu können?

1. Mehr schiessen

Der SIHF hat seit den Playoffs neu einen Shot-Tracker, der jeden Torabschluss aufführt. Das ist eine tolle Sache, wenn man ein Spiel im Nachhinein analysiert. Schaut man sich die ersten beiden Partien an, merkt man nämlich eine Tendenz: In beiden Spielen gewann das Team, das mehr Schüsse aufs Tor generierte. Klingt nicht sonderlich überraschend. Vor allem nicht, wenn man sich Arno Del Curtos Interview nach der ersten Partie zu Gemüte führte.

«Wir haben die Abschlüsse zu wenig gesucht, erzeugten zu wenig Druck aufs Tor. Wir sind schlicht zu verspielt, dies haben die Jungs leider verinnerlicht. Ich bin es langsam leid, darüber zu reden.»

Arno Del Curto hat einmal mehr recht: Wer nicht aufs Tor schiesst, kann keine Tore schiessen. So gesehen am letzten Dienstag in Davos: Der HCD ging 0:1 in Rückstand, und ackerte danach, was das Zeug hielt. Die Davoser liefen mehr, kämpften mehr, schienen mehr im Scheibenbesitz zu sein, und dominierten das zweite Drittel. Könnte man meinen. Der Augenschein trügt aber: Der HCD schien zwar die aktivere Mannschaft, wirklich Gefährlichers brachten die Landwassertaler aber nicht zustande.

Optisch klar überlegen? Naja. Biel hatte insgesamt 59 Torabschlüsse (aufs Tor, nebens Tor und geblockte Schüsse), der HCD nur deren 47. Vor allem im zweiten Drittel spielte der HCD zwar energisch, ja teilweise fast hektisch – die gefährlichen Chancen und mehr Torschüsse hatte aber Biel. In keinem Moment der Partie hatte der HCD die Oberhand, was Torabschlüsse anbelangt. Die Statistiken werden in der Grafik unten belegt: Die Linie des EHC Biel (Rot) ist praktisch die ganze Partie über höher als die des HCD (Blau).

(Die rote Linie zeigt die Total-Torabschlüsse des EHC Biel, die blaue Linie die des HCD. Auf der horizontalen Achse ist die Spielzeit.)

Die Theorie verdichtet sich, wenn man sich Spiel 1 anschaut, denn dort geschah das gleiche Phänomen: Die Partie wog zunächst hin und her, Biel kam schnell zu zwei Toren (aufgrund von Fehlern des HCD). Ab dem zweiten Drittel jedoch pfefferte Davos die Scheibe mit einer Regelmässigkeit aufs Tor von Jonas Hiller und deckte diesen zu. Das Resultat: Die blaue Kurve stieg kontinuierlich nach oben, die Tore fielen. Der HCD machte aus einem 0:2 Rückstand einen 5:2 Sieg. Nach dem fünften HCD-Treffer lautete das Schussverhältnis 61:46 zugunsten des HCD. Ein klassisches Beispiel, wie das Schussverhältnis nach einem Sieg normalerweise aussieht.

(Die rote Linie zeigt die Total-Torabschlüsse des EHC Biel, die blaue Linie die des HCD. Auf der horizontalen Achse ist die Spielzeit.)

Die Quintessenz aus dem Shot-Tracking der ersten beiden Partien ist klar: Der HCD muss mehr schiessen, mehr Torabschlüsse suchen, mehr Rebounds provozieren. Der perfekte Pass war schön für die Regular Season, jetzt braucht es Shots.

 

2. Weniger Dump-and-Chase, mehr Scheibenkontrolle

Das HCD Spiel ist bekannt für sein Tempo. Die Mittelzone wird meist mit einem einzigen Pass durchquert, und schon ist die Scheibe im gegnerischen Drittel. Was am Dienstag aber augenfällig war: Wenn der EHC Biel an der eigenen blauen Linie eine Vier-Mann-Wand aufbaut und hinten reinsteht, stockt die Tempo-Maschine des HCD.

Die Bündner mussten sich nach dem 0:2 zu oft auf ein Dump-and-Chase Spiel reduzieren: Die Scheibe wurde aus dem eigenen Drittel mit einem weiten Pass zur Mitte befördert, und dort kurz abgelenkt, damit sie ins gegnerische Drittel flog. Dump-and-Chase in Extremis. Eine Auslösung, einen Spielaufbau, oder kontrolliere Eintritte in die gegnerische Zone waren praktisch inexistent. Der HCD wollte schnell spielen, haute die Scheibe mit Regelmässigkeit in die Ecken der Bieler Zone, und lief sich die Füsse wund. Die Bieler wiederum wirkten wie eine deutsche Nati zu Zeiten von Hans Zach, durchschauten das Spiel, wirkten clever und abgebrüht: Die Seeländer standen auf der blauen Linie, und holten sich dann die Scheibe nach dem Dump-In in der eigenen Zone relativ locker wieder zurück.

Der HCD ackerte sich ab, aber war eigentlich nie wirklich in Scheibenbesitz im gegnerischen Drittel. Viel Krampf, weniger Ertrag. Sinnbildlich Dino Wieser (der übrigens eine starke Partie spielte, aber oft hoffnungslos kämpfte), der in der zweiten Drittelspause beim Interview kaum mehr Atmen konnte und komplett auf den Felgen war.

Seit Jahren wird gepredigt, dass mehr und bessere Chancen entstehen, wenn ein Team kontrolliert, dh. mit der Scheibe am Stock, in ein Drittel reinfährt. Das alte kanadische Dump-and-Chase Spiel (dh. die Scheibe einfach mal ins gegnerische Drittel knallen und dann im Ecken ausgraben gehen), gilt schon seit längerem als ineffizient, denn es verlangt mehr Energie, mehr Chrampf, und am Ende schauen damit eben doch weniger Torchancen heraus.

Das beste Beispiel dafür sah man am letzten Dienstag: Der HCD ackerte, dumpte die Scheibe regelmässig ins gegnerische Drittel und lief hinterher. Der HCD hatte aber weniger Torschüsse und schlechtere Chancen. Biel spielte clever, kam kontrolliert ins Davoser Drittel und kam so zu besseren Chancen, mehr Torschüssen und mehr Toren.

 

3. Weniger falsche Emotionen

Enzo Corvi liess sich am Dienstag mehr als nur einmal theatralisch fallen, das Publikum pfiff die Schiedsrichter aus. Aber mal Hand aufs Herz: An den Schiedsrichter lag es nicht. Die Zebras machten bisher keinen schlechten Job, und die Spieler des HCD tun gut daran, sich auf das Spiel zu konzentrieren, statt sich auf Diskussionen mit den Unparteiischen einzulassen. Davos hat das Talent, die Kadertiefe und die Erfahrung, um diese Serie zu gewinnen. Der HCD zeigte am Dienstag aber auch gefährliche Tendenzen, über seine eigene Füsse zu stolpern. Beziehungsweise den Kopf zu verlieren. Nämlich dann, wenn falsche Emotionen aufkamen.

Was es braucht, ist ein physisches Spiel. Kernige Checks, die fertig gemacht werden. Ein starkes Forechecking. Resoluter Zug aufs Tor. Der HCD muss ein ekliger Gegner werden.

Was es nicht braucht, sind dramatische Show-Einlagen, Diskussionen mit dem Schiri oder unnötige Fouls nach dem Pfiff.

So wie zum Beispiel Magnus Nygren: Der Schwede kann eine Partie im Alleingang entscheiden. Am Dienstag fiel er aber mit einer dummen Strafe auf. Auch wenn Biel keinen Profit aus dem Überzahlspiel schlagen konnte – solche Aktionen können ins Auge gehen und am Ende matchentscheidend sein.

Der HCD muss sich wieder mehr auf sein Spiel konzentrieren und echte Emotionen reinbringen.

 

4. Eine solider Goalie

Senn muss nicht besser als Hiller sein. Das ist auch schwierig. Es genügt, wenn Senn solide spielt. Er darf sogar etwas schlechter als Hiller sein. Aber er darf nicht vieeel schlechter sein. Im ersten Spiel stach Senn den Nati-Goalie aus. Der junge Davoser Keeper wirkte ruhig und hielt genug, um den HCD im Spiel zu halten. Und als dann der Davoser Sturm begann, Hiller mit Schüssen einzudecken, reichte seine Leistung, um den Sieg nach Hause zu fahren.

Am Dienstag dann die andere Seite: Senn wirkte beim 0:2 alles andere als stilsicher und konnte die Scheibe nach einem vermeintlich harmlosen Schuss nicht unter Kontrolle bringen. Der Nachschuss tropfte ins Tor.

Auf der anderen Seite war Hiller wieder in Hochform und vereitelte die wenigen zwingenden Davoser Aktionen teilweise spektakulär.

 

Senn muss nicht besser als Hiller sein. Aber er darf nicht komplett auseinanderfallen. Ein schwaches Tor kann es geben. Zwei ist in den meisten Fällen eins zu viel.

 

5. Keep cool.

Die Serie wird sich nicht in der nächsten Partie entscheiden. Auch nicht am Samstag in Spiel 4. Man darf davon ausgehen, dass dieses Viertelfinale mindestens sechs Partien braucht, um eine Entscheidung hervorzubringen. Keep cool. Nicht auseinanderfallen, nicht durchdrehen. Geduldig sein, zum Spiel zurückfinden. Der HCD hat eine Best-of-Five-Serie, die er gewinnen kann.

(Bild: SRF, Stats: SIHF)

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