Das Internet-Nachschlagewerk «Wikipedia» erklärt den Begriff der Ambivalenz als Zustand psychischer Zerrissenheit. Dabei bestehen in einer Person sich widersprechende Wünsche, Gefühle und Gedanken gleichzeitig nebeneinander und führen zu inneren Spannungen.

Sind wir nicht täglich dieser Zerrissenheit ausgesetzt?

Denken wir nur an das Smartphone, das wohl liebste Utensil vieler Zeitgenossen. Ohne die ständige Verfügbarkeit dieses Geräts würden wohl nicht wenige an ihrer eigenen, realen Existenz zu zweifeln beginnen. Egal wann und wo, immer online und gefühlt mit der ganzen Welt vernetzt, das ist der Anspruch. Aber wehe eine Telekommunikationsfirma publiziert die Baueingabe für eine leistungsstärkere Sendeanlage in der Nachbarschaft, um den laufend steigenden Nutzeransprüchen gerecht zu werden. Bei mir doch nicht!  

Oder an die beinahe schon vergessen geglaubten Bilder unglaublicher Schneemengen in den Alpentälern in diesem Winter. Sie lockten erfreulicherweise wieder vermehrt Touristen in unsere Wintersportdestinationen. Tolle Verhältnisse und technisch ausgereifte Schneesportgeräte verlocken hippe Adrenalinjunkies zu stiebenden Tiefschneeabfahrten von Graten durch Couloirs und Steilhänge, über Alpweiden und durch den Wald bis … in die die Wildruhezone! Nicht selten sind es dieselben Menschen die auf Facebook oder im Fernsehen Bilder von darbenden Wildtieren beklagen, denen der harte Winter arg zusetzt und die eine kräftezehrende Flucht im tiefen Schnee oft mit dem Leben bezahlen. Aber sie war ja so cool, meine Abfahrt und schliesslich habe ich ja nicht alle Tage Ferien!

Oder an die in den letzten Jahren wieder gewonnene Popularität von volkstümlichem Brauchtum. Der Wochenendbesuch des urban gestressten Businessmenschen am Schwingfest, am Volksmusikfest oder am professionell inszenierten Alpabzug. Die sehnsüchtig verklärte Suche nach einer scheinbar heilen Welt, von Menschen die sich unter der Woche über den Lärm der Glocken der nächtlich weidenden Viehherde des letzten verbliebenen Bauernhofes in der Agglomerationsgemeinde beklagen.

Erkennen Sie in Ihrem Leben auch Ihre ganz persönliche Form von Smartphone, Tiefschneeabfahrt oder Sehnsucht nach heiler Welt?

In meinem Leben gibt es sie, diese Ambivalenzen. Ehrlichkeit mit mir selbst ist für mich der beste Weg damit umzugehen. Dazu gehört, dass ich jenen Menschen mehr vertraue die mich offen und ehrlich mit den unangenehmen Aufgaben im Leben konfrontieren, als jenen die mir nach dem Mund reden.

 

(Bild: GRHeute)

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