Innovation ist zur Zeit das geflügelte Wort – auch im Tourismus. Der Innovationsgenerator von Cipra sucht Projektideen für den Tourismus, die alle drei Zieldimensionen der Nachhaltigkeit berücksichtigen und ein hohes Potenzial für die erfolgreiche Umsetzung haben. Innovationgr fördert Projekte in den Bereichen Produktentwicklung, System-Innovationen, Prozessoptimierung, Know-how, Wissensvermittlung sowie Standortentwicklung. Den Projekten soll ein möglichst hoher Innovationsgrad zugrunde liegen. Das tönt logisch und nötig, aber auch relativ technisch und ökonomisch. Aber der Begriff wird mittlerweile ziemlich inflationär eingesetzt, dass sich wohl jede, wenn auch nur geringfügig überraschende Projektidee irgendwie als Innovation einsortieren lässt.

Gegen innovative Ideen und deren Umsetzung ist nichts einzuwenden, ja es braucht sie. Aber ich bin der Meinung, dass wir im Tourismus den Menschen nicht aus den Augen verlieren dürfen – Digitalisierung und Technisierung machen einsam. Orte für analoge Begegnungen verschwinden zunehmend. Einfache Gespräche und persönliche Kontakte werden immer seltener. Bank- oder Postschalter, die Kasse beim Einkaufen sind passé – vielleicht auch bald das Tourismusinformationsbüro. Zugegeben, nicht in jedem Fall ist dies tatsächlich ein Verlust. Aber in den allermeisten Fällen gilt doch: Was selten oder knapp wird gewinnt im Sinne eines Marktgleichgewichts wieder an Wert.

Im Tourismus haben wir das Glück, dass wir ständig in Kontakt mit Menschen sind und so die grosse Chance haben, uns mit echter Wertschätzung und echtem Interesse in der Erinnerung unserer Gäste und der wohnhaften Bevölkerung «einzunisten». Zeit und Orte für Begegnungen schaffen tönt simpel – hat aber heutzutage durchaus Potential als Innovation. Denn ein herzliches Gespräch, eine spontane Einladung, kleine Zeichen des Dankes oder schöne Erinnerungen, wie zum Beispiel der Schneemann Nio im Gefrierfach, oder Helfer mit Herzblut an Veranstaltungen sind alle meistens nachhaltiger als irgend eine Prozessoptimierung – und das gilt auch für Reklamationen und echte Entschuldigungen. Es sind doch oft herzliche Begegnungen mit Menschen die uns in Erinnerung bleiben und uns an jene Orte zurückführen, wo wir uns wahrgenommen gefühlt haben.

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Jolanda Rechsteiner, Geschäftsführerin Safiental Tourismus.

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