Kinderarzt und Autor Remo Largo und Liedermacher Linard Bardill sprachen gestern Abend im Stadttheater über Bildung, Schule und Lernerfolge. Ernsthaft. Tiefgründig. Humorvoll. Diverse persönliche Erfahrungen inbegriffen. Und fast ohne zu politisieren oder über das heutige Schulsystem zu schimpfen.

Wer organisiert hat: «Kulturkanton Graubünden» in Kooperation mit dem Theater Chur.

Wer da war: Viele Frauen (Mütteranteil wohl sehr hoch), ein paar Männer. Regierungsratskandidat Walter Schlegel. Anwalt Luca Tenchio. Lilly Bardill (Autorin und Mutter von Linard Bardill). Musiker Walter Lietha. Und viele mehr.

Worüber Remo Largo uns – unter anderem – aufklärte:
 Kinder lernen in den ersten Jahren synthetisch. Das heisst, sie haben die Fähigkeit, sich beispielsweise eine Sprache anzueignen, ohne die Grammatik zu hinterfragen. In der Pubertät geht diese Fähigkeit verloren und sie wechseln ins Analytische. Ab diesem Zeitpunkt muss fürs Lernen gebüffelt werden.

Was ist seiner Meinung nach das Ziel vieler Eltern? 
Dass die Kinder die gleiche oder eine bessere Position in der Gesellschaft haben wie sie. Remo Largo dazu: «Sie erwarten ja auch nicht, dass das Junge einer Katze ein Kamel wird.»

Die besten Zitate:
 «Das heutige Bildungssystem übt Druck aus und wird den Kindern nicht gerecht.»
«Auswendiglernen macht die Kinder nicht klüger. Und sie sollen ja langfristig etwas lernen.» 
«Wir müssen mutiger sein und nicht die ausgetrampelten Wege gehen.»
«Kompetenz kommt nicht vom Wissen, sondern von Erfahrungen.»

Was können wir als Eltern tun?
 Die Umwelt des Kindes so gestalten, dass es die Erfahrungen machen kann, die es braucht. Das Kind nicht aufgrund von Resultaten loben, sondern dessen Bemühungen anerkennen. Und das Kind genau so gerne haben, wie es ist.

Und was können die Lehrer tun? 
Eine Beziehung zum Kind pflegen. Wertschätzung entgegenbringen, und zwar nicht in Bezug auf die Leistung, sondern auf das Kind.

Eine der gestellten Fragen von Linard Bardill:
 Gibt es noch einen Streifen am Horizont für die Volksschule?

 Remo Largos Antwort:
 Ich hoffe auf die Neugründung autonomer Schulen durch Lehrer.
 Bardill: «Aber dann sind ja alle guten Lehrer weg!»
Largo: «Ja, dann hätte die Volksschule ein Problem. Aber mein Bedauern hält sich in Grenzen.»

Remo Largos Inputs:
 Wenn Sie Ihren Kindern etwas Gutes tun wollen, fangen Sie bei sich selber an. Moralisieren ist reiner Zeitverlust. Die Kinder kopieren sowieso uns Erwachsene.

Remo Largos Zukunfts-Aussicht:
 Bedingungsloses Grundeinkommen. Lebensgemeinschaften.

Was hat freudig überrascht: 
Viele interessierte Menschen.
 Passende Text-Zitate, vorgelesen von Linard Bardill, unter anderem von Khalil Gibran.
 Linard Bardill schloss die Diskussion mit einem romanischen Lied.

Was schade ist: Dass das Buch «Wer bestimmt den Lernerfolg» von Remo Largo vergriffen und erst ab November 2018 wieder erhältlich ist.
Insider-Tipps für alle, die sich für weitere Bücher von Remo Largo interessieren: «Das passende Leben» (erschienen 2017), «Babyjahre» und «Jugendjahre» (2018), erhältlich in allen Buchhandlungen.

(Bild: GRHeute)

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