April, April, der macht was er will. Das dürfte wohl die bekannteste aller Bauernregeln sein. Sie geniesst ihren Ruhm zu Recht, beschreibt sie doch das April-Wetter sehr gut: einmal klettern die Temperaturen auf sommerliche 20 Grad, ein paar Tage später wird es schon wieder eisig kalt und es kann sogar Schnee fallen. Und doch, die warmen Tage nehmen Überhand, sie ziehen uns wieder nach draussen. Sonne tanken. Energie tanken. Sauerstoff tanken. Höhenmeter für Höhenmeter werden die Trails, neudeutsch für Wanderwege, wieder frei gegeben. Wer sich jetzt schon an dieser Grenze bewegt, teilt sein Erlebnis mit Steinböcken, Gemsen, Rehen und Hirschen, die nach dem harten Winter das erste Grün geniessen.

Trailrunning ist im Aufwind, immer mehr Sportler und Hobbyläufer entdecken das Abenteuer im nicht asphaltierten Gebiet als neue Liebe. Alles Freaks, die bis ans Limit austrainiert sind und wie wild die Berge hochsprinten? Nein. Trailrunning ist ein Spiel mit dem Gelände, mit dem Berg, dem Trail. Ein Auf- und Abwärts. Ein Lauf mit der Natur, ein Lauf mit sich und ein Lauf für die innere Ruhe. Das grösste Missverständnis dabei ist der Name selbst: Trailrunning. Running – Rennen ist sicherlich die Basis, der Grundgedanke. Aber im Gelände angekommen verändert sich Trailrunning zum Ganzkörpertraining. Man wechselt den Rhythmus, man geht, braucht allenfalls Stöcke, dann hüpft man von Stein zu Stein, braucht die Arme als Unterstützung zum Abstossen oder Ziehen. Der Weg ist das Ziel, also Tempo raus und Spass rein. Bewegt man sich auf Bergwegen, braucht dies alleine schon mehr Konzentration und Koordination, also noch mehr Tempo raus und locker bleiben. Wer zügig den Berg hochgeht, ist kein schlechter Trailrunner, denn darum geht es nicht. Es gilt nicht möglichst viel oder lange zu rennen, es geht darum seinen Rhytmus zu finden und den Berg zu spüren. Mit dem Gelände zu spielen und jeden Höhenmeter zu geniessen. Oben angekommen geht es naturgemäss auch wieder runter. Zugegeben, gesund und sicher runterzukommen ist eine Frage der Technik: spielerisch mit kleinen aktiven Schritten vorne auf den Fussballen hat man die beste Kontrolle über den Downhill und kann es mit ein wenig Erfahrung so richtig krachen lassen. Andere Muskelgruppen werden trainiert, Konzentration und Kontrolle brauchen viel Energie und zwingen zu grösstmöglichem Fokus auf die Strecke.

 

Die Saison hat erst so richtig begonnen. Die Trails werden erst langsam vom Schnee wieder freigegeben. Ein guter Zeitpunkt für eine neue Liebe. Ausdauersport ist äusserst fair, wer mehr macht, hat mehr Ausdauer. Und für alle, die gerne mit Zielen als Motivation arbeiten: unser Kanton hat mitunter die schönsten Trailwettbewerbe der Schweiz…

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Thomas Häusermann.

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