Auf hohen Stelzen läuft er davon, zur Altstadt hinaus, Richtung Bahnhof: Der Orbiter von Robert Indermaur. Er ist eine Leihgabe der Graubündner Kantonalbank an die Stadt Chur und steht jetzt auf dem Postplatz.

Es sind poetische Worte, die Robert Indermaur für seinen Orbiter findet: «Ich bin im Rheinquartier aufgewachsen. Vom Jahr 1963 an besuchte ich die Kantonsschule und das Lehrerseminar. Fünf lange, wichtige Jahre für einen pubertären Jüngling. Fünf wichtige Jahre für einen der 1968 gerade 21 wurde.

Ich bin in all diesen Jahren ungefähr siebentausend mal über den Postplatz gelaufen und ich weiss nicht wieviel mal dabei vor, in und ums Calanda gesessen und habe auf den Ketten, die die Strasse vom Trottoir abtrennten, geschaukelt. Ich habe da auf Freunde gewartet, mich mit ihnen getroffen, Zeit vertrödelt und rumgeblödelt, viel getrunken mit den Freunden aus KTV und STV, Passanten nachgeschaut und  Mädchen und Frauen taxiert. Eine Zehn war das Höchste und brachte uns ins schwärmen. (..)

Wie schön und sinnig ist es für mich, dass der Orbiter, der  überlange Stelzenläufer, nun auf diesen Platz zu stehen kommt. Besser hätte das Schicksal das nicht deichseln können. Er ist für mich wie ein Symbol für den Aufbruch in andere Sphären. Er wagt sich hinaus aus dem kleinen, verwebten Alltag in die Höhe. So hoch eben, dass sein Weg beinahe der Umlaufbahn eines Satelliten um diese Erde entspricht. Seine Stelzen sind die Siebenmeilenstiefel, die man sich früher, in der Zeit ohne Flugzeuge und  Schnellbahnen, gewünscht hat, um die Welt zu erfahren.» So sprach Robert Indermaur über seine Kunstfigur; und fast will man spüren, wie sehr der kleine Mann auf den hohen Stelzen die Welt erobern wollte.

Und wie kam dieses kleine Stück Poesie auf den Postplatz? Nein, der Orbiter ist nicht selbst dahin stolziert. Zwei Herren haben da kräftig mitgeholfen: Alois Vinzens, CEO der Graubündner Kantonalbank, und Tom Leibundgut, Churer Stadtrat. Genau genommen war es so, dass Tom Leibundgut bei Alois Vinzens anklopfte und sagte: «Ich habe eine Idee, aber kein Geld.» Und Alois Vinzens sagte: «Das ist eine tolle Idee!» So jedenfalls überlieferten die beiden Herren am Donnerstagmorgen vor den Medien die Geschichte, wie es dazu kam, dass der Orbiter jetzt auf dem Postplatz steht.

Der Orbiter gehört der Graubündner Kantonalbank, die schon seit 50 Jahren das kreative Schaffen im Kanton unterstützt. Die GKB hat den Orbiter der Stadt Chur ausgeliehen. In den Sozialen Medien, die schon seit einigen Tagen über die Statue berichten, sind die Meinungen wie immer geteilt: Die einen haben Freude, die anderen finden es doof. Alois Vinzens jedenfalls sagte, er habe jeden Tag Freude, wenn er zur Arbeit laufe. Das gleiche gilt auch für Tom Leibundgut: «Ich fahre jeden Tag mit dem Velo daran vorbei und habe ebenfalls grosse Freude.»

(Bild: GRHeute. Wir danken Robert Indermaur dafür, dass er seinen Text zur Verfügung gestellt hat.)

 

 

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