Was haben die Prager Fensterstürze mit Chur zu tun? Und warum ist das Moor auf Brambrüesch sauer? Fragen, die einem an den Churer Stadtführungen beantwortet werden. Die Saison hat erst begonnen – es sind also noch Plätze frei.

Stadtführer Christian Ruch erzählt aus dem Leben von Jörg Jenatsch, als ob er selbst dabei gewesen wäre. Es purzeln Namen wie Prager Fenstersturz, der sich am 23. Mai zum 400. Mal jährt, von Planta, von Salis, Blutgericht von Thusis und das Veltlin. Die von Salis‘, die zusammen mit den von Plantas ein entscheidendes Stück im 30-jährigen Krieg und die Beteiligung der Drei Bünde spielten, sind der Grund, warum der Saisonstart der Churer Stadtführungen vom Dienstagmorgen am Hegisplatz beginnt. Das rote Haus an der Ecke ist nämlich ein von-Salis-Haus. Und das kleine, verwunschene Häuschen weiter hinten sieht aus, als ob der Prager Fenstersturz dort statt gefunden hätte. Christian Ruch nennt Jörg Jenatsch einen Warlord und fast scheint es, als bedaure er es, dass er nicht selbst dabei gewesen ist Seine Stadtführung zum Thema Jörg Jenatsch findet am 19. Mai statt.

Was man bei Stadtführungen auch lernen kann: Romanisch. Imelda Grisch macht es vor. «Per giassas e streglias – laufend romanisch lernen» heisst die Tour, die in Zusammenarbeit mit der Lia Rumantscha ausgebaut worden ist. Imelda Grisch lehrt ihre Zuhörer das Idiom Surmiran, das vor allem im Albulatal gesprochen wird. Sie macht vor, wie man das streglias richtig ausspricht – «sonst heisst es nämlich Hexe». Wer hier mitmacht, bekommt einen kleinen Dictionaire mit und auf dem Weg durch Chur ganz viel romanische Geschichte. Wie das Gemälde von Alois Cargiet am Kornplatz. «Cargiet heisst eigentlich Haus des Heinrich», sagt Imelda Grisch während man über den Platz geht. Auch ihre Premiere findet am 18. Mai statt.

Von der Stadt geht es auf den Hügel. Zumindest in Gedanken. Nicole Achermann vom WWF stellt im Stadtgarten ihren Moorbeutel vor, mit dem man auf Brambrüesch das Moor näher kennen lernen kann. «Es ist ein spielerisches Eintauchen in den Lebensraum Moor», sagt Nicole Achermann. Es richtet sich nicht nur an Kinder, auch Erwachsene können ihren Spass haben und viel dabei lernen. «Ein Moor ist immer sauer, da können sich nicht viele Lebewesen ansiedeln.» Welche das sind, lernt man am Ufer und auf den Stegen kennen.

Auch Jürg-Paul Müller, ehemaliger Direktor des Naturmuseums, führt seine Gäste «uffa» nach Brambrüesch, den «Pizoggel» von Chur. «Wir Churer haben Brambrüesch anektiert, obwohl es eigentlich ein Malixer Maiensäss ist», sagt Jürg-Paul Müller. Er will den Besuchern Alpenbotanik und die schöne Natur mit dem Alpseeli weiterbringen. Und wie die Gäste von ausserhalb, die er einst jeweils nauf die Malixer Alp brachte, wo sie zusehen konnten, wie die Kühe am Abend in den Stall zurück kamen, will er den Besuchern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Seine erste Führung findet am 22. Juni statt.

Die Churer Stadtführungen sind ein Erfolg. «Letztes Jahr haben wir 1156 Führungen gemacht, das sind 5 Prozent mehr als im Jahr 2016», sagt Leonie Liesch, Tourimusdirektorin von Chur. Das Angebot richtet sich natürlich an Touristen – aber wie man lesen kann, können auch Einheimische ganz viel davon profitieren. Der Link zu den Stadtführungen findet sich hier: Stadtführungen.

(Bilder: GRHeute)

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