Tourismus.Total: «Leuchttürme schaffen!»

Die Anzahl Veranstaltungen und Events im Kanton Graubünden ist imponierend. Zwischen 21. Mai und 21. Juni 2018 könnte ich aus 87 Konzerten verschiedener Genres auswählen. Dazu kommen über 600 Anlässe wie Führungen, Exkursionen und vieles mehr. Auch im Safiental beeindruckt mich die Anzahl Veranstaltungen jede Saison wieder aufs Neue. Doch die Bilanz darüber, was tatsächlich durchgeführt werden konnte respektive die effektive Anzahl Besucher, fällt manchmal ernüchternd aus.

Jedes Jahr bei den Sommervorbereitungen überlege ich mir, wie viele Angebote der Gast in seinen Ferien braucht, erwartet, oder eben dann auch tatsächlich nutzt. Wir organisieren Anlässe ja eigentlich nicht spezifisch für unsere Gäste, sondern ebenso für die einheimische Bevölkerung. Aber welche Art von Events braucht es denn dann überhaupt? Sind es traditionelle, lokale Veranstaltungen, qualitativ hochstehende Darbietungen oder grosse Events? Wie allzu oft macht es der richtige Mix, wo dem Lokalen die allerhöchste Wertschätzung gilt und hochstehende Darbietungen spezifische Zielgruppen von weiter her anlocken vermögen. Und gelingt einem ein grosser Event mit ausserordentlicher Leuchtkraft, so gewinnt man auf einen Schlag die Beachtung der Medien mit unschätzbarem Wert für alle Beteiligten und weit darüber hinaus.

Die erste Land Art Freiluftausstellung im Safiental im 2016 war in vielen Bereichen für das „kleine“ Safiental gewagt und mutig. Dass diese „Art Safiental“ aber bereits bei der ersten Umsetzung Beachtung über die Landesgrenzen hinaus fand, hätte man so nie erwartet. Die Kombination von Kunst und Landschaft hat das Interesse einer für uns bislang nicht leicht erreichbaren Zielgruppe geweckt – modern, kunstaffin und sogar international. Und gleichzeitig vermochte die Art Safiental auch die Einheimischen zu bewegen. Die Kunstwerke unmittelbar in der eigenen, vertrauten Landschaft, liessen Alltägliches plötzlich neu und wertvoll erscheinen. Die beiden Brücken im Versamer Tobel waren plötzlich nicht mehr nur Brücken – nein, sie waren Blickfang, moderne Kunst und erst noch mit Kleidungsstücken aus dem Safiental versehen! Die Einbettung der sechs Land-Art-Werke in das gesamte Safiental bis ganz Z’hinderst ermunterte die Besucher, die Kunst und die einzigartige Landschaft wandernd zu entdecken.

Auch dieses Jahr sind die Land-Art-Künstler aufgefordert, sich mit unserem Tal und der einzigartigen Landschaft auseinanderzusetzen; wir sind gespannt, welcher Dialog zwischen Kunst, Landschaft, Mensch und Tradition die Art Safiental 2018 (Juli bis Oktober) bringt! …und ob uns vielleicht sogar wieder ein Leuchtturm-Event gelingt.

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Jolanda Rechsteiner, Geschäftsführerin Safiental Tourismus.

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