Tourismus.Total: «Wie stehen eigentlich die Regierungsratskandidaten zum Tourismus?»

Derzeit herrscht Konsternation, was die Regierungsratswahlen anbelangt. Nichts desto trotz werden die Wahlen stattfinden. Nicht wählen zu gehen, leere Stimmzettel einzulegen oder die berühmten Witzfiguren von Mickey Mouse bis Goofey auf den Zettel zu schreiben, nützt niemandem etwas. Daher ist eine sachliche Auseinandersetzung mit den zur Verfügung stehenden Kandidaten dringend notwendig. Ich habe mir die Websites aller Kandidaten angeschaut und versucht herauszufinden, wie sie zum Tourismus stehen. Hier eine Zusammenfassung:

Marcus Caduff bezeichnet sich als Macher, als innovativ und initiativ. Obwohl er als CEO des Regionalspitals in Ilanz in der Gesundheitsbranche arbeitet, hat er einen Draht zum Tourismus. Er war Präsident von Surselva Tourimus AG und von Lumnezia Turissem. Den Fokus seiner tourismuspolitischen Haltung legt er auf die Bekämpfung von Bürokratie: «Tourismus, Handwerk und Gewerbe sind geplagt von der Bürokratie. Deswegen kämpfe ich für weniger Bürokratie.»

Walter Schlegel beschäftigt sich schwerpunktmässig mit Sicherheitsfragen. Von Haus aus ist er Jurist und Offizier der Schweizerischen Armee, beruflich als Kommandant der Kantonspolizei Graubünden für die Sicherheit in Graubünden verantwortlich. Wo er in tourismuspolitischen Themen Schwerpunkte setzt, ist erst auf den zweiten Blick zu erfahren. Seine Leidenschaft fürs Skifahren und für den HCD lassen hoffen, dass er die volkswirtschaftliche Bedeutung der Branche anerkennt und sich dafür einsetzt.

Peter Peyer will «Fortschritt für Graubünden». Darunter versteht er unter anderem auch «neuen Schwung für den Tourismus». Er will sich zum Beispiel für die Digitalisierung in Graubünden einsetzen, von der nicht zuletzt auch der Tourismus profitieren dürfte. Wie seine Haltung punkto Tourismuspolitik sonst aussehen wird, bleibt (noch) offen.

Auch Jon Domenic Parolini setzt sich für «Fortschritt in Graubünden» ein, allerdings für die bürgerliche Variante. Auf seiner Website bekennt er sich schon auf der Frontseite für den Tourismus: «Ein Herz für Tourismus und regionale Förderung» ist dort zu lesen. Und er präzisiert: «Die exportorientierte Industrie, das Gewerbe, die Dienstleistungen, der Tourismus, aber auch die Land- und Forstwirtschaft sowie die Nutzung der Wasserkraft sind für das Vorwärtskommen unseres Kantons von grundlegender Bedeutung.». Von Amtes wegen hat sich Parolini in den letzten vier Jahren mit der Tourismuspolitik beschäftigt und sich gut vernetzt, so etwa als Vorstandsmitglied von Schweiz Tourismus.

Auch bei Mario Cavigellis Webseite sucht man das Wort Tourismus vergebens. Der erste Eindruck mag aber täuschen. Denn Cavigelli war bisher von Amtes wegen nicht direkt für die Tourismuspolitik zuständig, aber in seine Zuständigkeit fallen einige Themen, die für den Tourismus wichtig sind. So bekennt sich Cavigelli zur E-Mobilität und will eine entsprechende Ladeinfrastruktur in Graubünden sicherstellen. Schutzwälder, Verbauungen gegen Lawinen und Steinschlag und Schutzdämme, aber auch Strukturen für die Krisenbewältigung sind ihm besonders wichtig. Die Sicherheit für Einheimische wie auch für Touristen, ist für die Tourismusbranche zentral.

Christian Rathgeb beschäftig sich von Amtes wegen nicht schwerpunktmässig mit dem Tourismus. Dass er dennoch eine gewisse Nähe zur Branche hat, zeigt sein früheres Engagement als Präsident von Chur Tourismus. Die Justiz und Sicherheit ist hingegen sein eigentliches Thema. Und dort konnte er in der Vergangenheit mit einem erfolgreichen Sicherheitsdispositiv an Grossveranstaltungen, wie dem WEF, punkten. In seinem Präsidialjahr 2016 brachte er das Buch «Visionen 2050» heraus, um damit zu einer positiven Aufbruchsstimmung im Kanton beizutragen. Würde dies gelingen, könnte der Tourismus profitieren. [1]

Und wie sieht es eigentlich bei Linard Bardill in Sachen Tourismuspolitik aus? Seine ungeplante Kandidatur hat ihm wohl noch keine Zeit gelassen, sich auf seiner Website inhaltlich zu äussern. In der Vergangenheit hat er sich eher mit Kultur und ethischen Fragen beschäftigt. Es bleibt sein Geheimnis, wie er sich zum Tourismus stellt.

 

[1] Zum Zeitpunkt der Recherche waren die Inhalte der Startseite auf Rathgebs persönlicher Website leider nicht abrufbar; man entschuldige also allfällige Lücken.

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden.

Heute für Sie unverblümt und direkt von der Front: Brigitte Küng, Leiterin KMU Zentrum Graubünden.

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