Es hätte ein Fest werden sollen, doch daraus wurde nichts: SVP-Regierungsratskandidat Walter Schlegel hat die Wahl knapp verpasst. Beim anschliessenden Wahlhöck kam es zum Eklat: «Republik»-Autorin Anja Conzett wurde hinausgeschmissen.

Die SVP war nicht in Feierstimmung. Aber wie es Parteipräsident Heinz Brand nach der Nichtwahl von Walter Schlegel gesagt hatte: «Die SVP ist es gewohnt, Niederlagen zu feiern.» So traf man sich im Restaurant La Vita und feierte trotzdem.

«Leider ist es nicht so heraus gekommen, wie wir gehofft haben», sagte Heinz Brand. «Ich danke trotzdem allen, die für Walter Schlegel in die Hosen gestiegen sind. Eine Schlacht verloren heisst nicht, dass auch der Krieg verloren ist.»

Doch die nächste Schlacht war näher, als der SVP lieb war: Plötzlich war unter den Gästen auch Anja Conzett, die Journalistin des Online-Magazins «Republik» und letztes Jahr noch Parteivorstandsmitglied der SP Graubünden, die eine Reportage über die Machenschaften um das Baukartell mit dem Sound der unverhältnismässigen Verhaftung von Adam Quadroni unterlegt und damit Polizeikommandant Walter Schlegel zu einem Mittäter im Baukartell gemacht hatte.

«Ich bitte sie, den Raum zu verlassen», sagte Heinz Brand an die Adresse von Anja Conzett, deren Artikel er zuvor eine Mitschuld an der Nichtwahl von Walter Schlegel gegeben hatte. «Sie sind hier nicht erwünscht.» Die anwesenden Parteimitglieder applaudierten, Anja Conzett verliess schliesslich das Restaurant La Vita. Die SVP-Mitglieder applaudierten nochmals – diesmal stärker als vorher.

Damit war das Thema erledigt. Heinz Brand übte sich in Selbstkritik: «Es gibt Parteien, die ihre Basis besser mobilisieren konnten», sagte er an die Adresse der SP, die unzählige Telefonate geführt hatte, um ihren Kandidaten Peter Peyer in den Regierungsrat zu hieven. «Wir müssen uns überlegen, wie wir Wahlkämpfe künftig führen möchten.» Am Kandidaten Schlegel habe er nie gezweifelt: «Immer wenn mir jemand sagte, Walter Schlegel sei kein richtiger SVPler, habe ich gesagt, ich würde keinen besseren SVPler als Walter Schlegel kennen.»

Für Walter Schlegel beginnt das Leben nach dem Wahlkampf am Montagmorgen um 6 Uhr. «Ich werde eine Woche lang Polizeioffiziere ausbilden.» Und damit, sagt er, geht das Leben einfach weiter. Überhaupt war am Sonntag etwas ganz anderes auch wichtig: Er feierte seinen Hochzeitstag.

(Bild: Charly Bosshard)

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