Für die einen war es ein Tag der Freude, für die anderen ein Tag zum Vergessen. Am Ende war Walter Schlegel kein Regierungsrat und Marcus Caduff mit dem drittbesten Resultat gewählt. Und irgendwo dazwischen lag Peter Peyer.

Man kann den Wahltag so zusammen fassen: Im Epizentrum von RTR lag Freud und Leid ganz nahe beieinander. Linard Bardill, der unabhängige Kandidat aus Scharans, ist der erste Kandidat auf dem Platz. Er lacht, er ist guten Mutes. Würde er über sein Leben in den letzten Wochen ein Lied schreiben, es trüge den Titel «Die Demokratie ist im Kommen». Das ist nicht von ihm, sagt er, aber es trifft den Kern. Dann ist er wieder weg, es wartet ein ganzes Dorf auf ihn: Scharans. «Wir machen ein riesiges Fest.»

Auch für Mario Cavigelli ist das Leben an diesem Tag ein Fest. Zusammen mit Christian Rathgeb liefert er sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den ersten Platz des Wahlsieges, das er am Ende verliert. Aber dass er gewählt wird, das ist für ihn keine Überraschung. «Ich habe damit gerechnet.» Dass sein Parteikollege Marcus Caduff, der rein äusserlich sein Zwilling sein könnte, hinter ihm Dritter wird, ist «sensationell.»

Als Marcus Caduff die Wahlbühne betritt, erreicht Mario Cavigellis einen vorläufigen Höhepunkt: Die beiden umarmen sich, wie man es ihn der gesamten Weltgeschichte nur selten gesehen hat. Und über all dem klingt das Lachen von Mario Cavigelli noch immer nach. Die beiden werden den Abend nicht zusammen verbringen: Marcus Caduff feiert in Morissen, Mario Cavigelli bekommt seinen grossen Bahnhof in Domat/Ems. «Das war schon immer so, dass jeder sein eigenes Fest hatte», sagt Mario Cavigelli. Stefan Engler, ihr Parteipräsident, wird in Morissen feiern. Er hat mit der GV der Rhätischen Bahn und dem 10-Jahre-Jubiläum der Unesco-Welterbe-Strecke zwei anstrengende Tage hinter sich. Der Wahltag gab ihm nochmals Adrenalin.

Der Gewinner der Wahlen: Christian Rathgeb. Niemand macht mehr Stimmen als er. «Ich bin dankbar und glücklich», sagt er und dass er froh ist, dass die Beanspruchung der letzten Wochen jetzt vorbei ist. An der Wahlveranstaltung im Wii-Egga des Hotel Stern ist auch der Medienverantwortliche Silvio Zuccolini ein bisschen stolz, dass er dabei mitgeholfen hat. Es gab ein Ständchen für Rolf Stiffler, den Vater von Vera Stiffler, der an diesem Tag seinen 80. Geburtstag feiert.

Und dann gibt es noch einen Sieger: Peter Peyer, der gefühlt immer im gleichen Gilet anzutreffen war, hat in Wirklichkeit acht Gilets. «Wenn dieses ein Glücksgilet war, dann habe ich acht davon», sagt Peter Peyer. Seine acht Glücksgilet haben ihn von null auf Platz vier katapultiert, einen hinter Marcus Caduff. An seinem Wahlhöck im Marsöl bekommt er Standing Ovations noch bevor er die Bühne betreten hat. Und als einziger von allen Beteiligten, die auf die Bühne treten, nicht nur eine rote Rose, sondern einen ganzen Blumenstrauss. «Ich kann es kurz machen», sagt er: «Wir haben gewonnen.»

Im Hotel Chur fehlt der Mann der Stunde: Jon Domenic Parolini. Er hat die Wiederwahl nur knapp geschafft. Auf ihn warten Teile der Polit-Creme-de-la-Creme Graubündens: Noch-Regierungsrätin Barbara Janom Steiner, Eveline Widmer-Schlumpf und Brigitta Gadient. Draussen, auf dem Land, hingen die letzten Tage Plakate mit dem Konterfei von Jon Domenic Parolini. Er war allein auf einem Riesenplakat, von dem er einst mit Andreas Felix ins Land gesehen hatte. Das Plakat war an einem Ende angeschnitten. Von Nahe konnte man noch immer die eine Schulter von Andreas Felix sehen.

(Bild: GRHeute)

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