Die Hirsche vermehren sich in Graubünden wie Karnickel. Das müssen die Jäger jetzt ausgleichen. Das Forstdepartement des Kantons Graubünden hat deshalb für dieses Jahr erneut hohe Abschusspläne erlassen.

Schuld ist wie immer: das Wetter. Das gute im Frühling und Herbst hat die Reproduktion der Tiere erhöht. Das schlechte Wetter im Winter ist gutes Jagdwetter, dann müssen die Tiere nämlich ihre Schutzzonen verlassen und können geschossen werden. Und last, but not least ist es auch so, dass bei milden Temperaturen auch Tiere überleben, die bei strengeren klimatischen Bedingungen als Fallwild auf der Statistik erscheinen würden.

Die Zahlen, die das Amt für Jagd und Fischerei in Zusammenarbeit mit den Wildhütern zusammengetragen haben, sprechen eine deutliche Sprache: Es gibt so viele Hirsche wie nie zuvor. 13’030 wurden bis zum 25. Mai gezählt, die Dunkelziffer geht von 16’500 aus, fast 1500 mehr als im Vorjahr. Die Zahl der Rehe und des Steinwilds nahm je nach Region deutlich ab, wie Adrian Arquint, Leiter des AJF, an seiner ersten Medienkonferenz sagte.

Auf Unterstützung angewiesen

Die Konsequenz: Fast Hälfte bis ein Drittel der Hirsche ist zum Abschuss freigegeben. Das Amt für Jagd und Fischerei hat die Abschusspläne für Hirsche erneut erhöht – von 537o auf 5430. Bei den Rehen wird die Bilanz erst nach der kommenden Hochjagd gemacht. Die Gämse unterliegen keinem Abschussplan; bei Bedarf will man der Region entsprechend reagieren.

Für dieses Unterfangen braucht es die Unterstützung der Jäger, die nach 1944 die vierte neue Verordnung bekommen haben. Für die Vernehmlassung sprachen die Verantwortlichen der politischen Seite an verschiedenen Anlässen mit den Betroffenen, um sie ins Boot zu holen, wie Regierungsrat Mario Cavigelli sagte. «Wir sind darauf angewiesen, dass die Jäger auch wirklich auf die Jagd gehen.» Viele würden sagen, schiesst doch die Tiere einfach ab, doch das wollten die Jäger nicht: «Den Jägern ist nachhaltiges Jagen extrem wichtig.»

Wie es zu diesem Rekordbestand kam? «Ein Teil sind sicher die klimatischen Bedingungen, die der Reproduktion Vorschub geleistet haben», sagte Adrian Arquint. Ein anderer Teil sind Einwanderungen aus grenznahen Gebieten: «Graubünden ist auch für Hirschwild eine schöne Region, um Ferien zu machen», sagte der Amtschef. Es könnte aber auch sein, dass der Bestand schlicht falsch eingeschätzt wurde. Das wird sich aber erst in diesem Winter zeigen.

Reduktion unumgänglich

Für den Verband der Waldeigentümer, Selva, bewegen sich die hohen Hirschwildbestände deutlich über einer waldverträglichen Grenze. «Die hohen Wildbestände sind mitverantwortlich für die beängstigende Verjüngungssituation des Waldes und für die damit zusammenhängenden Wildschäden, namentlich im Schutzwald», teilte der Verband mit. Eine Reduktion der Wildbestände sei für die Gewährleistung einer nachhaltigen Verjüngungssituation deshalb unumgänglich. Selva begrüsst die hohen Abschusspläne der Regierung.

(Bild: AJF)

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