Deutschland, der Weltmeister von 2014, ist nach einer weiteren enttäuschenden Leistung und der 0:2-Niederlage gegen Südkorea als Gruppenletzter ausgeschieden. Einerseits ist das eine Riesensensation, anderseits aber auch erklärbar. GRHeute ist dem Scheitern auf den Grund gegangen.

Die Deutschen sind erst der sechste Titelverteidiger, nach Italien 2010 und Spanien 2014 aber der dritte in Folge, der in der WM vier Jahre später in der Vorrunde gescheitert ist. Für Deutschland ist es in der 84-jährigen WM-Geschichte sogar das erste Mal, dass es so früh ausgeschieden ist. Die Mission Titelverteidigung begann mit der 0:1-Niederlage gegen Mexiko schon schlecht. Der eher glückhafte 2:1-Sieg gegen Schweden brachte zwar die Hoffnung, nicht aber das Selbstvertrauen und die Ordnung ins Spiel zurück, sodass die abschliessende 0:2-Niederlage gegen die bis anhin noch punktelosen und somit krassen Aussenseiter nur noch das Tüpfelchen auf dem i war. Was für Gründe haben wohl zu diesem geradezu katastrophalen Abschneiden geführt?

Nach dem Gewinn des Weltmeistertitels ist es unheimlich schwierig, die Motivation hoch zu halten und das nächste Turnier mit der richtigen Einstellung und dem nötigen Biss anzugehen, denn wie kann man diesen Erfolg überhaupt noch toppen? Bei einigen deutschen Spielern schien sich eine gewisse Genügsamkeit und Selbstzufriedenheit eingeschlichen zu haben, die sich zwischendurch in teilweise haarsträubenden Fehlern dokumentierte. Fehlendes Selbstvertrauen und Unsicherheit brachten Unruhe mit sich und die Spieler begannen, an sich selbst zuzweifeln. Und in einem solch gestörten Selbstverständnis unter dem Druck der Öffentlichkeit dann noch den Hebel umschalten zu können, ist unheimlich schwierig, wenn nicht sogar unmöglich.

Die teilweise schon vor der WM bestehenden Unruheherde wie die Frage, wer den Torhüterposten besetzt, der Besuch Erdogans durch Özil und Gündogan, weitere strittige Personalentscheide, die Unzufriedenheit mit dem WM-Quartier, Zwist im Team, der Umgang der Medien etc. schwelten im Hintergrund, wobei die Probleme anscheinend nicht oder zumindest nicht zufriedenstellend gelöst werden konnten.

Viele deutsche Akteure, die normalerweise auf hohem Niveau Fussball spielen, wirkten müde und ausgelaugt, geradezu überspielt, was aufgrund der riesigen Belastung am Ende einer langen und anstrengenden Saison mit einer Unmenge von Partien auch kein Wunder ist. Denn Fussballer sind auch nur Menschen und keine Maschinen. Dieser Erkenntnis müsste man bei der Saisonplanung vielleicht wieder einmal Rechnung tragen.

Der Übergang von grenzenloser Selbstsicherheit in Selbstüberschätzung und Arroganz ist oftmals fliessend und kann unter Umständen, wenn es nicht wie geplant läuft, in Unsicherheit, Angst und Versagen enden. Man war sich bei den Deutschen im Vorfeld wohl zu sicher, dass alles schon gut herauskommen werde und konnte deshalb in der Krise gar nicht mehr reagieren und das Ruder im entscheidenden Augenblick noch herumwerfen. Diese Erfahrung wurde in der Vergangenheit aber schon wiederholt gemacht und ist auch jedes Mal wieder eine grosse Chance, zu den Ursprüngen zurückzukehren, an der Basis zu arbeiten und sich wieder neue Ziele zu setzen.

Vielleicht waren es diese oder auch ganz andere Gründe, welche die deutschen Fussballer dazu gezwungen haben, schon nach der Vorrunde nach Hause zurückzukehren.

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