«Er sait-si sait» haben sich gestern die Live-Übertragung des Olympia-Duells Pult-Lebrument angesehen.  Und sind auch auf den Duell-Geschmack gekommen.

Olympia-Diskussionen fahren in Graubünden normalerweise schnell an die Wand. Oft sind die Meinungen schon gemacht, die Argumente sind immer dieselben und bald reden die Protagonisten aneinander vorbei. Anders ist es, wenn sich zwei wirklich die Meinung sagen wollen. Oder zumindest, wenn einer das will und der andere nicht vor dem Infight zurückschreckt.

So geschehen gestern am frühen Abend im Medienhaus, als SP-Nolympiator Jon Pult und Somedia-Chef Hanspeter Lebrument die Klingen kreuzten. Und wie sie das taten! Lebrument verhehlte seine Emotionen nicht, die er für Olympia 2026 in Graubünden hegt. Und auch nicht seine Abscheu gegen die Politik der SP Graubünden, die sich aus Prinzip gegen das Vorhaben stelle. Der grosse Medien-Patron ging in die Offensive, verrannte sich zwar das eine oder andere Mal, setzte aber auch an verschiedenen Stellen präzise Nadelstiche. Pult seinerseits bewies einmal mehr, warum er einer der gewieftesten Rhetoriker in der Schweizer Politik ist und landete einen «Counter-Punch» nach dem andern. Anders als oft in der Bündner Olympia-Vergangenheit liess sich ein Olympia-Promotor diesmal aber nicht in die Defensive drängen, sondern drehte den Spiess um, argumentierte seinerseits mehrheitlich treffsicher und schob so manchen Schwarzen Peter der SP Graubünden unter.

Beispiel? Pult betonte die üblichen Nein-Argumente wie das «Desinteresse der ausserkantonalen Partner» oder die «überbordenden Kosten». Lebrument konterte nicht nur inhaltlich – dass es logisch sei, dass die Stadt Zürich zum jetzigen Zeitpunkt keine Blankovollmacht ausstelle und dass die Kosten durch die neue Olympia-Charta signifikant gesunken seien -, sondern ging seinerseits zum Gegenangriff über und fragte Pult direkt, was denn die SP in den Tourismusregionen geleistet habe. Pult parierte die meisten Attacken souverän, umschiffte die verbalen Klippen und setzte seinen Kontrahenten seinerseits wieder unter Druck. Ein Rededuell auf höchstem Unterhaltungsniveau – gekonnt inszeniert in einer Live-Übertragung auf dem Facebook-Kanal der Südostschweiz. Chapeau an alle Beteiligten im Medienhaus!

Nur einmal geriet Jon Pult etwas in Schieflage, als ihn Lebrument zu einer Antwort «zwang», ob die SP bei einem allfälligen Ja am 12. Februar am Konzept mitarbeiten würde oder nicht. Zwar wand sich der Grossrat letztlich irgendwie aus einer verbindlichen Antwort heraus, allerdings wurde jedem klar, dass die SP Graubünden wohl nie ein Freund der Olympischen Spiele in Graubünden wird. Was wiederum Lebruments Vorwurf einer grundsätzlichen Olympia-Ablehnung der SP bekräftigte. «Vielleicht in 10 bis 20 Jahren, wenn sich etwas Revolutionäres im IOC geändert hat», das die Einschätzung Pults, wann Olympia in Graubünden wieder möglich sein könnte.

10 bis 20 Jahre – so lange müssten die Olympischen Träume in Graubünden bei einem erneuten «Nein» zu Olympia wohl auch begraben werden. Nur schon wegen Debatten wie gestern wäre das zu bedauern.

totale

 

(Bilder: Screenshots Facebook Südostschweiz)

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