Kornplatz-Geschichten

Kornplatz-Geschichten

Kornplatz-Geschichten sind die kleinen Geschichten. Die Pflastersteine Graubündens. Stark geprägt vom Bewegungsradius. Mal mehr, mal weniger. Mit Liebe und Schalk serviert!

Ferien in Italien – und der Regen zuhause ist wie eine Verheissung. Die Strassen: ein Traum. Keine jahrhundertealten Platten mehr, mit Einbuchtungen von Schuhabdrücken, älter als die kollektive Erinnerung! Autos, die halten, wenn man über die Strasse will. Aber vor allem: ES IST NICHT MEHR ÜBER 30 GRAD (oder gar 40) HEISS.

Ich war am heissesten Tag des bisherigen Jahres in Rom; ja, selbstgewählt (natürlich lange bevor man den Wetterbericht wusste), und ja, viele Leute. Was mir neben Petersdom und vor allem Kolosseum geblieben ist: Wenn man fünf Minuten am Ort steht, wird der Fuss von unten quasi grilliert. Auch in Sneakers! Sehr eindrücklich!

Was auch bleibt: immenser Wasserkonsum. Der Körper gewöhnt sich nicht nur an Hitze, sondern auch an Wasserkonsum.

Die Rückfahrt durch den San Bernadino verlief reibungslos, was mich zu einer anderen lustigen Geschichte bringt, als wir vor den Sommerferien nachts vom Lago Maggiore kamen und bei Bellinzona das Schild «San Gottardo chiuso» oder ähnlich gelesen haben. Wie der Schweiss in einem heissen italienischen Sommer von der Stirn tropft, so durchdrang uns die Erkenntnis, dass der San-Bernadino-Tunnel auch chiuso sein könnte wegen Bauarbeiten.

Man stelle sich das vor: 1 Nacht, 2 geschlossene Tunnels.

Man stelle sich weiter vor: vier erwachsene Menschen in einem Auto, kurz vor dem Einschlafen, haben plötzlich Adrenalin im Körper und grosse Fragezeichen im Gesicht. MÜSSEN WIR WIRKLICH NACHTS ÜBER DEN PASS?

Keine grosse Hilfe waren: Die Schilder entlang der Route. Einmal Ja, einmal Nein, und das abwechslungsweise, immer wieder. Zwar sagte das geduldige Internet schnell, dass der Tunnel wohl diese Nacht offen wäre, aber warum soll man den Strassenschildern nicht glauben? Die sind ja elektrisch gesteuert, die müssen ja recht haben!

Es war wie ein Krimi, von dem wir nicht wussten, wie er ausgehen würde. Dass wir die Strasse noch verlassen mussten, machte es nicht einfacher. Aber schliesslich waren wir oben.

Kunstpause.

Der Tunnel war offen. Jubel! Wir fuhren durch. Naseweise Stimmen im Auto sagten, wir sollten uns nicht zu früh freuen – vielleicht sei das wieder ein Fehler. Vielleicht sei am Schluss des Tunnels eine Barriere und wir müssten umdrehen. Das waren aber reine Hirngespinste; wir fuhren durch, wie wenn die Schilder vorher nicht gewesen wären und kamen schliesslich heil zuhause an.

Eine Nachfrage am nächsten Tag beim Tiefbauamt des Kantons Graubünden ergab: Die Hinweise waren tatsächlich falsch eingestellt.

(Bild: GRHeute)

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Rachel Van der Elst

Redaktionsleiterin/Region
Rachel Van der Elst mag Buchstaben: analog, virtuell oder überall, wo Menschen sind. In einem früheren Leben arbeitete sie unter anderm bei der AP, beim Blick, bei 20Minuten, beim Tages-Anzeiger und bei der Südostschweiz. In ihrer Handtasche immer dabei: Jasskarten.

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