So könnte sich die Klimaerwärmung auf Graubünden auswirken

Höhere Temperaturen, längere Trockenheit, mehr Starkregen. Die Auswirkungen der Klimaerwärmung wurden bisher vor allem schweizweit vorausgesagt. Jetzt zeigen sich die Veränderungen auch auf kantonaler Ebene. 

Der Klimawandel wirkt sich je nach Region und Klima anders aus. In Graubünden könnte die Klimaerwärmung bis zu vier Grad betragen, der Aletschgletscher könnte damit bis zu 80% seiner Masse verlieren.

 Der Klimawandel ist wissenschaftlich bewiesen, und das zu einer Katastrophe führt, falls wir nichts dagegen unternehmen. Eine durchschnittlich 1,5 Grad höhere Lufttemperatur oder der um ein paar Zentimeter gehobene Meeresspiegel lösen bei uns emotional wenig aus. Und den gehäuften Sommertagen sehen die meisten sowieso eher freudig entgegen.

Die Gefährlichkeit der Klimaerwärmung erkennen wir erst dann, wen er uns dirket betrifft. Zum Beispiel, wenn wir direkt von einer Flutkatastrophe wie letztes Jahr in Deutschland betroffen sind. Auch wenn wir wüssten, welchen Effekt die Klimaveränderung auf unser direktes Umfeld haben könnte: auf unser Dorf, das Quartier, den Garten, in dem unser Gemüse vertrocknet oder unser Heim, das allenfalls vom Wasser unterspült wird.

Unterschiedliche kantonale Auswirkungen

Prognosen gab es bisher nichtsdestotrotz nur für die Gesamtschweiz. Zusammengetragen wurden das Datenmaterial vom National Centre for Climate Dienstleistungen (NCCS), sie sind im sogenannten «Webatlas CH2018» abgebildet. Der Webatlas zeigt in verschiedenen CO2-Emmissionsszenarien, wie sich das Klima bis 2050 und ferner in der Schweiz denkbar anlegen wird.

Mehrere Karten und Grafiken bilden die zu erwartenden Veränderungen der Temperaturen, der Hitzetage und Niederschläge bis ins Jahr 2060 ab – fortlaufend im Vergleich zu den beobachteten Wissen der Jahre 1981 bis 2010. Diese Erkenntnisse sollen darüber hinaus dem Bund hierzu dienen, Strategien zum Umgang mit dem Klimawandel zu erstellen.

Unter der Leitung von Meteo Schweiz wurden jetzt neumodische, lokalere Daten erfasst und zusätzlich in den Webatlas eingebaut: Neu zeigt das Online-Tool mögliche Klimaszenarien ebenfalls auf kantonaler Ebene. Obwohl für sämtliche Kantone gilt, was ebenso ganzschweizerisch zu spüren sein wird – heissere Tage, längere Trockenheit, weniger Schnee – unterscheiden sich die Effekte trotzdem.

Hitzetage bis 40 Grad

In Graubünden rechnet man mit drei Tagen Trockenperiode mehr im Jahr. Im Vergleich zum Wallis, wo mit 8 zusätzlichen Trockenperiode Tage gerechnet wird, ist es ein Unterschied, jedoch müssen die Kantone damit anders auf die Veränderungen reagieren.

Der Webatlas zeigt die Veränderungen aber auch grossräumiger anhand der fünf Grossregionen Jura, Mittelland, Voralpen, Alpen und Alpensüdseite. So ist beispielsweise in den Alpen bis 2060 mit der schweizweit stärksten Erwärmung um zwei bis sogar vier Grad zu rechnen.

Kurzum: Mit der Verfeinerung der Daten im Webatlas CH2018 rücken die möglichen Auswirkungen des Klimawandels nun näher an unser eigenes Lebensumfeld heran. Sie werden fassbarer.

(Bild: GRHeute-Archiv)