Die besten Stimmenbringer

Im Scheinwerfelicht stehen die fünf Bündner Nationalräte und zwei Ständeräte. Ihre Wahl verdanken aber einige von ihnen auch den wertvollen «Wasserträgern» auf den Listen. KandidatInnen, die keine oder oft nur geringe Chance auf eine Wahl haben, aber viele Stimmen für die Listen bringen. GRHeute schaut zurück, wer für die Parteien besonders wichtig war.

Die grössten Garanten für eine Wahl in den Nationalrat waren die Spitzenkandidaten, die allesamt Stimmen im fünfstelligen Bereich holten. Die SVP hatte zwei (Brand, Martullo-Blocher), die CVP (Candinas) und die BDP (Campell) je einen. Die SP hatte zwei (Semadeni, Pult), machte daraus aber nur einen Sitz. Die Grünliberalen (Gasser) hatten einen, aber keine anderen Kandidaten dahinter, der nur schon 3000 Stimmen holte. Die FDP hatte keinen, und bekam auch keinen Sitz – wenn auch nur knapp.

Wer hat hinter den SpitzenkandidatInnen die Listenstimmen geholt? Immerhin dürften diese in Zukunft erste Anwärter für höhere Polit-Weihen sein.

SVP

Die SVP-Liste B war eine starke Liste mit 49’937 Stimmen. Neben dem gewählten Brand holten auch alle anderen Kandidaten alle über 5000 Stimmen. Am meisten davon SVP-Graubünden-Sekretärin Valerie Favre, die über 8000 Stimmen erhielt (knapp 1000 mehr als vor vier Jahren). Sie ist damit hinter SP-Politiker Jon Pult und BDP-Mann Andreas Felix die dritterfolgreichste, nicht gewählte Kandidatin. Überragende Motoren der Wahlen waren bei der SVP aber sicher die gewählten Heinz Brand und Magdalena Martullo-Blocher. Die Jungparteien der SVP holten nur zwischen 338-673 Stimmen, dafür überraschte der junge Davoser Koalitionspartner von der PLD, Luca Heinrich: Der 18-Jährige sammelte auf Anhieb 520 Stimmen.

SP

Der SP-Politiker Jon Pult verzeichnete mit 14’348 Stimmen ein ausgezeichnetes Resultat, der Sprung nach Bern blieb ihm aber wie schon vor vier Jahren knapp verwehrt. Obwohl Pult rund 4500 Stimmen mehr holte als 2011, nutzte er der SP wenig als «Stimmenbringer». Der Sitz der SP war natürlich nie in Gefahr. Pult oder sonst jemand auf der Liste hätte noch mehr zulegen müssen, um den anvisierten zweiten Sitz zu holen. 2011 noch am Koalitionspartner Josias Gasser gescheitert, musste sich Pult diesmal Parteikollegin Silva Semadeni geschlagen geben. Erwähnenswert die Juso, bei der gleich zwei Politiker die Tausendergrenze knackten (Flurina Bezzola, Pascal Pajic).

Die 17 besten Nichtgewählten (mind. 5000 Stimmen)

1. Jon Pult (Bild) SP 14348
2. Andreas Felix BDP 8671
3. Valerie Favre Accola SVP 8157
4. Elisabeth Mani-Heldstab BDP 7124
5. Beatrice Baselgia SP 6965
6. Hanspeter Michel FDP 6846
7. Livio Zanolari SVP 6833
8. Andreas Thöny SP 6146
9. Silvia Casutt-Derungs CVP 6143
10. Hanna Bay SP 5845
11. Daniel Buchli BDP 5819
12. Alessandro Della Vedova CVP 5577
13. Urs Hardegger BDP 5508
14. Michael Pfäffli FDP 5437
15. Franz Sepp Caluori CVP 5329
16. Rico Rieder SVP 5188
17. Jan Koch SVP 5045

CVP

Auch die CVP konnte nicht von den Stimmenbringern profitieren. Martin Candinas erzielte als Zweitplatzierter hinter Heinz Brand ein sehr gutes Resultat und wurde locker wieder gewählt, die Stimmen von Silvia Casutt-Derungs (6143), Alessandro Della Vedova (5577) und Franz Sepp Caluori (5329) halfen am Ende aber auch nicht, um der Mitte den dritten Sitz zu bringen. Bemerkenswert die junge CVP, die als erfolgreichste Jungpartei aus den Wahlen hervor ging: René Epp sorgte bei den Jungen mit 1788 Stimmen für das Bestresultat, und auch Melanie Janka schaffte den Tausender.

FDP

Die beiden Wahllisten der FDP wirken nach den Wahlen wie eine Listen von Stimmenbringern. Vor den Wahlen wusste man nicht so genau, wer die Nummer 1 in der FDP werden würde, und genauso wurde auch gewählt. Hanspeter Michel verpasste den Sprung in den Nationalrat zwar knapp, 6846 Stimmen sind allerdings auch keine gute Visitenkarte. Dahinter Michael Pfäffli mit 5437 Stimmen, Angela Casanova mit 4580, Rudolf Kunz mit 4303. Von allem ein bisschen zu wenig – und das Spitzenergebnis fehlt. Vor vier Jahren holte Tarzisius Caviezel noch über 13’000 Stimmen. Beinahe wäre die Strategie, diese durch zwei Listen wettzumachen, aufgegangen.

BDP

Die BDP kann nicht glücklich sein. Natürlich war klar, dass die Stimmen des zurückgetretenen Hansjörg Hassler schwer zu ersetzen sein würden. Spitzenkandidat Duri Campell schaffte mit 12570 Stimmen zwar locker den Sprung in den Nationalrat. Auch die Stimmenbringer auf der Liste machten auf den ersten Blick gute Resultate. Andreas Felix holte 8671 Stimmen, fast 2400 Stimmen mehr als 2011. Elisabeth Mani-Heldstab sammelte 7124 Stimmen, 207 weniger als bei den letzten Wahlen. Auch die über 5500 Stimmen von Daniel Buchli und Urs Hardegger reichten nicht. 2011 hatte die BDP noch drei Kandidaten, die über 10’000 Stimmen holten. Diese Tiefe fehlte der Partei 2015. Ein Lichtblick: Sarah Neyer erzielte bei der Jungen BDP ein respektables Ergebnis (1037 Stimmen).

Grünliberale

Josias Gasser gewann zwar fast 13’000 Stimmen, aber er verlor auch über 3000 Stimmen im Vergleich zu 2011. Auch die Stimmenbringer halfen nicht weiter. Wie schon bei den letzten Wahlen holten alle zwischen 2000-3000 Stimmen. Viel zu wenig, um den Sitz Gassers im Nationalrat zu retten.

 

(Bild: Charly Bosshard)