Zum letzten Mal ist es in der Alphütte angerichtet

Zum letzten Mal ist es in der Alphütte angerichtet

Volles Haus an der Premiere: Sandro Peder und «FiFi» Frei haben zum letzten Mal die Alphütte auf dem Churer Theaterplatz eröffnet. Mit Brotmessern statt einer Säge.

Es ist empfindlich kalt auf dem Platz vor der Raiffeisenbank am Bahnhof Chur. Der Wind zieht durch alle Kleiderritzen. Für die innere Wärme wird Glühwein gereicht; nach und nach Trudeln die Gäste ein. FiFi Frei und Sandro Peder, die Initianten des Spektakels, tragen Bart; der von FiFi Frei wächst schon seit dem Sommer extra für diesen Anlass. Sandro Peder hat seinen noch am gleichen Tag stutzen lassen, «mit dem Messer drüber», sagt er. Ab und zu muss die Gesellschaft einem Bus ausweichen, der auf dem Platz wenden muss.

Der Wind zieht noch immer, als die sechs Pferde mit dem Weihnachtsbier von Feldschlösschen vis-à-vis halten. Sie bringen einen Hauch Weihnachten in die Kälte; der anschliessende traditionelle Prozession, der Kenner nennt das Alpeinzug, durch die Stadt zur Alphütte auf dem Theaterplatz bringt die Herzen so in Bewegung, dass einem am Schluss schon wieder warm ist.

Vor der Alphütte kommt das erste Mal Wehmut auf. Es ist wie immer die letzten Jahre: Da steht ein rustikales Haus inmitten von Betonhäusern, in dem die letzten drei Jahre legendäre Parties gefeiert wurden. Mit Skiern voll Shots, italienischen Schlagern und Fondue mit Fleisch und Käse. Vorne stehen die zwei Erfinder mit Bart und sagen Dinge wie: «Es ist unsere dritte und letzte Alphütte.» Das Trio Duranand, «geile Sieche», spielt, FiFi Frei und Sandro Peder verzichten aufs Sägen und köpfen statt dessen eine Champagnerflasche. Jeder eine. «Ich habe das in einem Film gesehen und fand es cool», sagt Sandro Peder. «Wir haben ein paar Mal geübt», sagt FiFi Frei, aber man glaubt es ihm nicht so recht.

Die Molki ist die Kitchenparty

Im Haus ist es endlich richtig warm. Es wird einem auch warm ums Herz. Die Luft füllt sich mit dem Geruch von Käsefondue. Ein bisschen kommt Nostalgie auf, als der All-Time-Klassiker «Holz vor de Hütta» mit Video erklingt. Sandro Dietrich, Gimma, Hampa Rest, FiFi Frei, Sandro Peder, und, und und – sie alle waren damals noch sichtlich jünger.

Die besten Parties finden immer in der Küche statt; für die Alphütte, die selbst schon viel Entertainment bietet, ist das die für alle offene Molki, ein Anbau mit Bar und Nägelschlagen. Nicht alle sind gut darin, nicht bei allen wirkt sich der steigende Promillegehalt positiv aus. Aber es macht Spass, selbst wenn man keinen einzigen Nagel trifft.

Das Orakel von Peder sagt: «Die Alphütte ist ausverkauft.» So ist das mit Erfolgsrezepten – am Schluss werden alle satt. Darben müssen nur diejenigen, die sich auf das Clubbing am 26. Dezember gefreut haben: Wegen Protesten von anderen Stefanstag-Programm-Anbietern wurde der Anlass ersatzlos gestrichen.

(Bilder: Charly Bosshard)

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Rachel Van der Elst

Redaktionsleiterin/Region
Rachel Van der Elst mag Buchstaben: analog, virtuell oder überall, wo Menschen sind. In einem früheren Leben arbeitete sie unter anderm bei der AP, beim Blick, bei 20Minuten, beim Tages-Anzeiger und bei der Südostschweiz. In ihrer Handtasche immer dabei: Jasskarten.