Heinz Brand, der 5. Bündner Bundesrat?

Wie erwartet hat die SVP Graubünden der Mutterpartei die Kandidatur von Heinz Brand zum Bundesrat unterbreitet. Bleibt abzuwarten, ob seine allseits geschätzte, konziliante Art ein Vor- oder ein Nachteil wird.

Die SVP Graubünden ist «ausserordentlich erfreut, dass Heinz Brand, nach reiflicher Überlegung, sich bereit erklärt hat, als Kandidat für den frei werdenden Bundesratssitz zur Verfügung zu stehen.» Die Meldung machte gestern zwar schweizweit die Runde, lockte aber nur wenige hinter dem Ofen hervor. Auch wenn sich Heinz Brand noch Zeit nahm, um die Folgen einer Kandidatur durchzudenken: Seine Zusage war im Grunde klar – und nur eine Frage der Zeit.

Wer Heinz Brand ist, weiss man. Selbst bis tief in die linken Reihen hinein gilt er als kompetenter Kandidat mit grossen Sachkenntnissen in vielen Politbereichen. Die schwierige Flüchtlingslage dürfte dem ehemaligen, langjährigen Chef der Fremdenpolizei Graubünden zum einen in die Hände spielen. Er gilt im Nationalrat als Spezialist für den Ausländer-, Asyl- und Migrationsbereich. Zum andern befürchten linke Politiker bereits, dass Brand in der Ausländerfrage einen härteren Kurs in den Bundesrat bringen würde. Der Grüne Balthasar Glättli äusserte in der NZZ, dass Brand tatsächlich «etwas bewirken könnte.» Er wisse, wie man Vorlagen mehrheitsfähig mache und kenne die Abläufe in der Verwaltung bestens. Oder anders ausgedrückt: Glättli befürchtet, Brand sei zu gut, um mit seiner Art und seiner politischen Linie nicht auch erfolgreich zu sein. Was natürlich nicht im Interesse der Linken wäre.

Ob eine solche Stimme im Bundesrat allerdings nicht genau das ist, was ein Teil des Volkes wünscht – nämlich knapp 30% -, beantworten sie nicht. Die Kröte der Parlamentswahlen ist und bleibt für die Linke schwer zu schlucken.

 

Zurzeit etwas weniger öffentlichkeitswirksam als die Migrationsthemen sind Brands Kenntnisse im Gesundheits- und Pflegebereich. Der Präsident des Krankenkassenverbandes «Santésuisse» ist seit 1994 Vorstandsmitglied der «Flurystiftung Gesundheitsvorsorge», die im Prättigau unter anderem ein Spital, Altersheime und die Spitex betreibt. Ein Know-how mit grossem Wert in Bern.

Die SVP Graubünden betont in ihrer Medienmitteilung, dass Heinz Brand auch ein «ausgesprochen valabler Vertreter für die italienischsprachige Schweiz ist, zumal seine Frau aus dem Misox stammt und die Familie vertiefte familiäre Bande in die italienische Schweiz pflegt.» Ein Schelm, der was Böses denkt angesichts der Tatsache, dass das Tessin im Bundesrat irgendwie mal wieder belohnt werden sollte, selber aber keinen wählbaren Kandidaten hat.

Dass Heinz Brand das fachliche und charakterliche Rüstzeug zum Bundesrat mitbringt, steht für fast alle ausser Frage. Daraus abzuleiten, dass der nächste Monat ein Spaziergang wird, wäre aber völlig falsch. Mehrere Namen sind im Rennen um den Bundesratssitz. Heinz Brand wird als Favorit gehandelt, was zu diesem frühen Zeitpunkt kein Vorteil ist.

Ein Platz auf dem Zweier- oder Dreierticket scheint dem Klosterser aber sicher. Kommt er bis am 9. Dezember durch, hat er im Wahltagszirkus in der Wandelhalle reelle Chancen, der 5. Bündner Bundesrat der Geschichte zu werden.

 

Graubünden bald mit zwei SVP-Nationalrätinnen?

GRHeute hat bereits am 22. Oktober berichtet, was aus Bündner Sicht passiert, falls Heinz Brand tatsächlich Bundesrat werden sollte (damals war Eveline Widmer-Schlumpfs Rücktritt noch nicht beschlossen). In den Nationalrat nachrücken würde bei einer Wahl Brands die SVP-Graubünden-Generalsekretärin Valérie Favre Accola, die hinter Brand und Magdalena Martullo-Blocher das drittbeste SVP-Ergebnis an den Parlamentswahlen 2015 erzielte. Und plötzlich wäre die Bündner SVP mit zwei Nationalrätinnen in Bern vertreten. Den Bericht vom 22. Oktober inklusive Interview mit Valerie Favre Accola lesen Sie hier. 

 

Die vier bisherigen Bündner Bundesräte

(Bild: Charly Bosshard, Quelle ‹bisherige Bundesräte› admin.ch, Titel und Kasten: GRHeute)