«Rock the Grischa» – wenn das Hotel zur Schulstube wird

Als Schülerin oder Schüler der 5. oder 6. Primarstufe statt wie üblich ins Klassenzimmer mal für einen ganzen Tag ins Hotel? Und dann erst noch hinter die Kulissen – eng betreut von ausgewiesenen Hotel- und Gastroprofis? Rock the Grischa, ein Projekt von hotelleriesuisse Graubünden und GastroGraubünden, macht‘s möglich.

Im Schuljahr 2015/16 nutzten insgesamt 30 Schulklassen und 460 Schülerinnen und Schüler diese Gelegenheit. Unter anderem bei uns im Hotel Schweizerhof Lenzerheide. Als Gastgeberin bin ich begeistert vom Projekt «Rock the Grischa». Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Primarstufe bekommen einen Tag hautnah mit, wie ein Hotel- oder ein Gastrobetrieb funktioniert, welche vielfältigen und spannenden Berufe diese Betriebe bieten und welche Bedeutung der Tourismus für den Kanton Graubünden hat. Der Schultag im Hotel ist ausgesprochen praxisorientiert: Am Morgen können die Schülerinnen und Schüler auf einer Führung durch den Betrieb hinter die Kulissen blicken und den Angestellten jederzeit Fragen stellen. Anschliessend lernen sie den Arbeitsalltag im Betrieb ganz konkret kennen, indem sie zum Beispiel einen Lernenden bei seiner Tätigkeit begleiten. Beim gemeinsamen Mittagessen werden erste Eindrücke und Erfahrungen ausgetauscht.

Der Nachmittag ermöglicht den Schülerinnen und Schülern dann einen Blick über den einzelnen Betrieb hinaus. Der Tourismusverantwortliche der Region zeigt ihnen auf, wie wichtig der Tourismus für den Kanton Graubünden ist und welche Chancen sich daraus für die Bevölkerung ergeben.

Vom Tourismus mit seinen gut 25‘000 Vollzeitstellen in unserem Kanton hängt zu einem guten Teil auch die Entwicklung in anderen Wirtschaftsbereichen ab, beispielsweise des Detailhandels oder des Baugewerbes. Umso wichtiger ist es, in die Zukunft des Tourismus in unserem Kanton zu investieren und unsere touristischen Angebote laufend weiterzuentwickeln. Und umso wichtiger ist es auch, zukünftige Generationen für die Anliegen des Tourismus zu sensibilisieren.

Sind Sie gespannt, wie ein Rock-the-Grischa-Tag in einem Hotel abläuft? Dann schauen Sie den coolen Clip einer Schulklasse aus Chur an, die vor drei Wochen bei uns zu Besuch war.

Ich hoffe sehr, dass wir auch im kommenden Schuljahr wiederum vielen jungen Menschen einen Einblick in unseren Berufsalltag geben dürfen, und dass wir dabei möglichst viele Schülerinnen, Schüler und Lehrpersonen als Botschafterinnen und Botschafter für den Ferienkanton Graubünden gewinnen können.

Claudia Züllig-Landolt, Gastgeberin Hotel Schweizerhof Lenzerheide

 

Kommentar

Geschätzte Claudia,

dass wir nicht nur jungen Menschen im Bündnerland eine Möglichkeit geben sollten – oder gar müssen – verstehen zu können, wo der wirtschaftliche Erfolg und die gesellschaftliche Zukunft unseres Kantons liegt, scheint mir unerlässlich. Die Vision, dass Graubünden nicht nur für die Agglomeration Zürich zum Naherholungsgebiet, sondern auch für internationale Gäste zu einem Rückzugsort der Ruhe und Sicherheit wird, scheint in der Tat noch nicht überall angekommen zu sein. Genauso wenig wie das Verständnis, dass es zur Verwirklichung dieser Vision Gastgeber und Dienstleister mit Herz und Seele und multikulturellem Verständnis benötigt. Visionen benötigen Menschen, welche an diese glauben und auch umsetzen. Hier liegt in naher Zukunft eine grosse Herausforderung. Die Herausforderung, für diese dringend benötigten Gastgeber als Lebens- und Arbeitsraum attraktiv zu sein. Denn aus eigen Ressourcen und eigener Kraft, ist diese Herausforderung nicht mehr in allen Regionen zu bewältigen.

Wie in der Bevölkerungsperspektive 2030 für den Kanton Graubünden vom Amt für Raumentwicklung Graubünden festgehalten, werden sich in Graubünden neue Ballungszentren bilden. Hier steht eine markante Bevölkerungszunahmen im Oberengadin und Nordbünden, einer Abnahme in den strukturschwachen Regionen wie z.B. Calanca und Poschiavo gegenüber. Von den 13 Bündner Regionen liegen gemäss Bevölkerungsperspektive 2030 lediglich vier im Plus. Neun Regionen wird eine negative Entwicklung in Aussicht gestellt. Ferner zeigt sich in Graubünden eine Altersstruktur einer immer älter werdenden Gesellschaft.

Wenn wir also für die obig genannte Vision die richtigen Gastgeber für unsere Tourismusbranche gewinnen wollen, müssen wir jetzt im Bündnerland in die Bedürfnisstrukturen von jungen Familien investieren. Den Lebens- und Arbeitsraum Graubünden attraktiver gestalten und Menschen aus anderen Kantonen, Ländern und Kulturen in der Mitte unserer Gemeinden willkommen heissen.

Ditti Bürgin-Brook. Filmproduzent, Kulturmanager und Dozent

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Unverblümt und direkt von der Front.