Kooperieren – auch ein Erfolgsmodell für die Kultur?

Begünstigt durch die wirtschaftliche Lage, gewinnen Kooperationen im Tourismus immer mehr an Bedeutung. Vor knapp zwei Jahren haben sich sieben Hoteliers zur Kooperation der Premium Swiss Family Hotels zusammengeschlossen. Ziel des Zusammenschlusses sämtlicher Premium Swiss Family Hotels ist es, sich im wachsenden Segment der Familien zu spezialisieren und eine grosse Vielfalt an Angeboten bei hohem Qualitätsstandard unter Einbezug zu bieten. Angestrebt werden – dank der Kooperation –  in erster Linie zusätzliche Logiernächte und Wertschöpfung für jedes einzelne Hotel. Vor allem das «Cross-Marketing» innerhalb der Hotelgruppierung ist den sieben Hoteliers sehr wichtig. Das Präsidium wird jährlich von einem anderen Hotelier geführt und als aktuell Jahrespräsidentin freue ich mich über das gemeinsam Erreichte: Die Nominierung anlässlich des Milestones 2015, den Gewinn eines weiteren Kooperationspartners mit der Family Frutt Lodge sowie eine finanzielle Unterstützung durch Innotour während dreier Jahre sind wichtige Bausteine, die innerhalb kurzer Zeit erreicht werden konnten. Da stellt sich für mich die Frage: «Warum also nicht auch in der Kultur kooperieren?»

Kultur-Kooperation als mögliches Erfolgsmodell?

Gedacht – getan: So sassen also letzte Woche ein paar bekannte Gesichter Graubündens, welche sich für kulturelle Höhepunkte (um es nicht Leuchttürme zu nennen..) zusammen und sinnierten über eine IG Kultur. Die Erfahrungen aller Protagonisten waren diesselben, denn viele der kulturellen Events von Graubündens sind weder «Fisch noch Vogel». Klopft man beim AWT an die Türe, wird man zur Kultur verwiesen. Klopft man an die Kulturtüren, wird man zur Wirtschaft verwiesen bzw. ist zu erfolgreich und zu gewinnorientiert unterwegs, um sich ein paar Kulturfranken zu ergattern. Ein Versuch, vermehrter zusammenzuarbeiten, ist es allenfalls wert.

Und so hoffe ich als Mitorganisatorin vom Lenzerheidner Zauberwald, der in diesem Jahr vom 16. bis 28. Dezember schon zum vierten Mal stattfindet, dass es Zukunft als selbstverständlich erachtet wird, dass kulturelle Events in Graubünden auch Wertschöpfung (Logiernächte) erbringen (dürfen) und trotz Erfolg auch Unterstützung für eine zukünftige Entwicklung erhalten. Sinnieren erlaubt: Wie wäre es, wenn es eine IG Kultur Graubünden gäbe, die sich um die gemeinsame Vermarktung, Sponsoring, politisches Lobbying etc. kümmern würde? Ich meine, dass es an der Zeit wäre, die Wichtigkeit der Kultur im Kanton Graubünden zu erkennen, denn die drei KKK’s Kultur, Kulinarik und Kur (im Sinne von Erholung in den Ferien), sind wichtige Eckpfeiler für den Tourismus Graubündens. Ohne persönliches Engagement würde es nämlich viel weniger kulturelle Events geben und ohne Kultur wäre das Leben in Graubünden doch nur halb so schön.

 

Kommentar

Liebe Claudia,

Das Zusammenwirken von Kultur und Wirtschaft hat zu einem neuen Wissenschaftszweig geführt: der Kulturökonomie. Diese untersucht das Spiel von Angebot und Nachfrage im Kultursektor. Zudem befasst sie sich mit Fragen zum Kulturmanagement und dem Verhältnis von Kultur und Kunst zur Wirtschaft.

In der Kulturökonomie sind bereits verschiedene Kooperationsmodelle bekannt, zum Beispiel, dass mehrere Sponsoren mit der öffentlichen Hand zusammen Zahlungen in einen gemeinsamen Finanzpool hineingeben. Mithilfe dieser finanziellen Mittel können auf kontinuierlicher Basis auch grössere Kulturprojekte subventioniert werden. Andererseits wird von Kulturschaffenden aber auch zusehends erwartet, sich den Regularien des freien Markts und Wettbewerbs zu stellen. So sollen Kunst- und Kulturschaffende gegenüber ihren Geldgebern Rechenschaft über Ausgaben und Einnahmen ablegen, genauso wie jeder wirtschaftliche Betrieb auch.

Zudem sollen sie sich aktiv um eine Steigerung der Nachfrage nach ihrem Produkt bemühen. In Amerika und Deutschland sind in dieser Hinsicht schon Modelle mit Kulturkarten, ähnlich einer Kreditkarte, oder Kultur-Vouchers erfolgreich. Die Kunst- und Kulturangebote erhalten für jeden Voucher- resp. Kulturkarten-Einsatz eine rückwirkende Bezuschussung. Entsprechend sehen sich die Kunst – und Kulturschaffenden zusehends damit konfrontiert, ihr kreatives Wirken sowie die Medienbetreuung, das Marketing und Partnerschaften wettbewerbskonform anzugehen.

Vielleicht wäre es einen Gedanken wert, für Kulturprojekte aus der Mitte der Bündner Wirtschaft heraus solche neuen Modelle der Zusammenarbeit mit den Fördergremien zu entwickeln. So könnte sie statt als Bittsteller bei den staatlichen und kantonalen Stellen als gleichwertiger Partner auftreten.

Damit würde Kunst und Kultur nicht nur unsere Fantasie beflügeln, Spass, Freude und Genuss schenken – sondern es profitieren am Schluss alle Beteiligten: Kulturschaffende, Wirtschaftsvertreter, Kanton und Tourismus.

Herzlichst – Ditti

 

Die Tourismus-total-Expertenrunde von GRHeute berichtet und kommentiert einmal wöchentlich über aktuelle Tourismusthemen für Graubünden. Unverblümt und direkt von der Front. Heute: Filmproduzent Ditti Brook-Bürgin kommentiert die Kolumne von  Schweizerhof-Gastgeberin Claudia Züllig.