Olympia 2026 – ein Blick in die Kristallkugel

Eins vorneweg: Das Konzept zu den Olympischen Spielen 2026 ist noch nicht auf dem Tisch. Aufgrund der Angaben der Promotoren und des Grossen Rats in dieser Woche und Aussagen von Projektleiter Andreas Wieland vor einem Monat können zwar erste Schlüsse gezogen werden.

Olympische Spiele 2026 in Graubünden sollen dezentral stattfinden und so gut wie keine Neubauten verlangen. Die neue IOC-Agenda 2020 gibt diesbezüglich mehr Freiheiten und hat die Nachhaltigkeit von Spielen – angesichts mehreren finanziellen Fehlschlägen in den letzten Jahrzehnten – ins Zentrum der Ansprüche an eine Bewerbung gerückt.

Die Arbeitsgruppe um Andreas Wieland meint, dass rund 50% der Veranstaltungen ausserhalb des Kantons stattfinden könnten. Im Zentrum stehen hier sicher die (Eis-)Hallen im Grossraum Zürich und die Skisprung-Anlagen in Engelberg/Einsiedeln, wo auch die Wettbewerbe in der Nordischen Kombination ausgetragen werden könnten. Im Interview mit dem Regionaljournal Ostschweiz vor einem Monat gab Wieland zu verstehen, dass er gegen den Bau von Olympischanzen in St. Moritz sei. Dafür könne er sich zwei olympische Dörfer vorstellen: Eins wegen der guten Infrastruktur und Verkehrsanbindung in Zürich, eins als Tor zu Olympia-Graubünden in Chur oder im Bündner Rheintal.

Auch wenn es zurzeit reine Spekulation ist, wären verschiedene Winterskigebiete aufgrund ihrer Erfahrung mit sportlichen Gross-Events für einzelne Sportarten an den Olympischen Spielen 2026 prädestiniert.

OlympiaGross

Die Visualisierung oben ist eine entsprechende Herleitung, in einigen Fällen auch reine GRHeute-Spekulation mit folgender Argumentation:

Biathlon

Auf der Lenzerheide entstand vor zwei Jahren eine Biathlon-Arena, in der in Zukunft auch Weltcup-Events stattfinden sollen. Ein wichtiger Schritt, da der Sport international boomt.

Bob/Rodeln

Naheliegend, dass in der Natureisbahn von St. Moritz die Bob-, Rodel- und Skeletonwettkämpfe stattfinden würden.

Curling

An verschiedenen Orten in Graubünden ist reichhaltige Turniererfahrung vorhanden, z.B. in Flims, auf der Lenzerheide, in Scuol oder im Oberengadin.

Eishockey/Eislauf

Ein Knackpunkt: Bei den Hallen-Bewerben würde wahrscheinlich Zürich den Lead übernehmen. Die Frage ist, ob die Vaillant Arena und die offene Eisbahn in Davos auch zum Zug kämen.

Freestyle Skiing

Der aufstrebende Sport (mit international erfolgreichen Bündnern im Skicross) macht auch vor Graubünden nicht halt: Am 5./6. Februar macht der Weltcup-Tross in Arosa Station. Auch in der Skiakrobatik hat Arosa Erfahrungen.

Ski alpin

Mit St. Moritz und der Lenzerheide sind in Graubünden zwei erfahrene, Weltcup-erprobte Skigebiete am Start, die die Ski-Wettkämpfe problemlos organisieren könnten. Vielleicht für die einen die Männer, für die andern die Frauen?

Skilanglauf

Auch in Davos/Klosters – wo übrigens dieses Wochenende wieder ein Weltcup-Event stattfindet – ist das Know-how für olympische Langlauf-Wettkämpfe vorhanden. Das Engadin wäre hier ebenfalls ein guter Kandidat.

Skispringen/Nordische Kombination

Wie erwähnt würden sich hier aufgrund der vorhandenen Schanzen und Infrastruktur Engelberg oder Einsiedeln anbieten.

Snowboard

Graubünden ist ein Pionier im Snowboard-Sport, vor allem Flims/Laax hat sich international einen Namen gemacht. Arosa, Davos und andere wären ebenfalls valable Kandidaten.

Auf das endgültige Konzept darf man gespannt sein. Voraussichtlich Ende Januar 2016 wird es präsentiert. Im September 2016, spätestens im Februar 2017, wird das Bündner Stimmvolk das Sagen haben.

High-Tech-Spiele?

Die Bündner Olympia-Promotoren setzen auf Hightech. Für Andreas Wieland ist gemäss NZZ besonders wichtig, Informationen über die Spiele und deren Übertragung in professionellster Hightech-Manier zu gestalten. Die technologische Entwicklung, vor allem auch in der Kommunikation, steht im Wintersport möglicherweise erst vor dem Durchbruch, wie GRHeute diese Woche schon berichtete.

Graubünden 2026 will neue Möglichkeiten ausschöpfen, in welcher Form dies dann auch immer sein wird. Team-Mitglied Reto Gurtner, Verwaltungsratspräsident der Weissen Arena, bezeichnete Sportanlässe gestern als bestes Mittel, um das Image einer nachhaltigen und technologisch hochstehenden Schweiz und damit ihren Tourismus zu stärken.

 

(Visualisierung: GRHeute)