Spitzenkampf im Stadion an der Oberen Au: Die ungeschlagenen Calanda Broncos (5-0) empfangen am Sonntag um 14.30 Uhr die ebenfalls ungeschlagenen Thun Tigers (5-0) zum Gipfeltreffen in der Nationalliga A. GRHeute hat vor dem grossen Spiel mit US-Import-Receiver Max Gray gesprochen.

2019 wurde Max Gray als «Notnagel» von den Calanda Broncos verpflichtet, nachdem man sich Mitte der Saison von einem anderen Amerikaner getrennt hatte. Seither ist der schnelle US-Amerikaner nicht nur zu einer schillernden Grösse in der Schweizer NLA geworden, sondern auch zu einem der Publikumslieblinge und Spektakelgaranten der Calanda Broncos.

Max, ein grosses Spiel steht bevor. Was erwartest du vom Clash zwischen den Broncos und den Tigers?

Ich erwarte, dass Thun bereit sein wird und voller Selbstvertrauen rauskommt. Die Tigers spielen sehr gut, alle sind diszipliniert und wissen, was ihr Job ist. Ich erwarte aber auch, dass wir vor den besten Fans in der Schweiz gewinnen werden. Wir werden unser Publikum nicht enttäuschen.

Du selbst spielst nun zwar schon deine vierte Saison bei den Broncos. Es aber deine erste auf deiner ursprünglichen Position als Receiver, nachdem du zuvor als Passverteidiger gespielt hast. Wie fühlt es sich an, zurück in der Offense zu sein?

Ich bin glücklich, zurück bei den Broncos zu sein und dann auch noch auf der Position, auf der ich am stärksten bin. Ich glaube, ich habe als Safety gut gespielt. Aber es ist für mich natürlicher, Passfänger zu sein. Ich freue mich, unseren Fans zu zeigen, was wir in der Offense machen können, hoffentlich kann ich einige ‚Big Plays‘ beisteuern. Ich bin bereit, loszulegen, jetzt da sich mein Körper von der Verletzung zu Saisonbeginn erholt hat und ich in besserer Verfassung bin. Wenn es so läuft, wie wir es uns vorstellen, sollte dieses Spiel viel Spass machen. Was ich tun muss, ist, meine Energie zu bringen und hart für meine Teammitglieder zu spielen – und gute Dinge werden passieren.

Die Chemie mit deinem Quarterback John Uribe scheint jedenfalls zu stimmen. Wie würdest du deinen Passgeber beschreiben?

John ist ‚the man‘. Er ist ein guter Typ, auf dem Feld wie auch neben dem Feld. Er ist ein grossartiger Quarterback. Ich vertraue ihm und er vertraut mir. Dabei haben wir erst eineinhalb Spiele zusammen gespielt. Es wird nur noch besser werden.

Nach der letzten Saison hast du dein Glück versucht, einen Vertrag in der XFL zu bekommen. Am Ende funktionierte es nicht und du hast deinen Weg zu den Broncos zurückgefunden. Kannst du etwas von dieser Erfahrung erzählen?

Ich hatte nie ein Tryout für die XFL, weil ich zu dieser Zeit letztes Jahr noch in Europa war. Der Agent eines Freunde kontaktierte mich und sagte, ich solle mich in Form halten, weil er glaube, er könne mich in die XFL bringen, da er einige Kontakte in der Liga hat. Für mich war das eine grosse Überraschung und ein Grund, im letzten Herbst sehr hart zu trainieren. Ich wurde eingeladen an den XFL Draft, aber leider von keinem Team gezogen. Als mich daraufhin Coach Buffum anrief und fragte, ob ich interessiert sei, zu den Broncos zurückzukommen, sagte ich mit Freude ‚Ja‘, zumal ich auch die ganze harte Vorbereitung nicht verschwenden wollte. Man hat mir zwar gesagt, ich könne noch etwas warten, vielleicht ergäbe sich noch eine Chance in der XFL oder der USFL, aber ich entschied mich dann lieber für Europa und für die Broncos. Darum habe ich unterschrieben und geniesse es nun auch sehr.

Die Passfänger-Truppe der Broncos ist eine starke Einheit bei den Bündnern. Wie schätzt du diese ein, vielleicht auch im Vergleich mit den letzten Jahren?

Unser Team hatte immer ein gutes Receiver-Korps. Ausserordentlich ist in dieser Saison, dass die jungen Passfänger in Starter-Positionen aufgerückt sind und ‚Big Plays‘ machen. Celeste Conceprio, Fadri Padrun, Selome Adzaji von der U19 – er wird ein grossartiger Spieler – und Kaya Zinsli sind alles junge Footballer, die Plays machen und immer besser werden. Wenn du diese Spieler zu unseren erfahrenen Passfängern wie Adrian Sünderhauf, ‚Karate Kid‘ Melvin Sassi, Lukas Lütscher oder Philipp Holm dazurechnest – wow! Einige sind zwar noch angeschlagen, wenn diese aber alle zurückkommen und die Offense noch mehr klickt, dann werden wir sehr gefährlich sein.

Du hast die Verletzungen angesprochen, die Broncos wurden dieses Jahr wahrlich nicht verschont. Vor allem in der Offense Line fallen mehrere Leistungsträger – wie Andre Mathes oder Michel Derungs – länger aus. Wie geht ihr damit um?

Es ’suckt› natürlich, einige der besten und wichtigsten Spieler zu verlieren, vor allem in der Offense Line. Aber wir gehen damit um wie jedes andere Team auch: Der nächste Mann kommt rein. Es ist unglücklich zu sehen, wenn sich ein Teamkamerad und Freund verletzt. Aber wir sind in einer Schlacht, und wir müssen weiterkämpfen. Die Verletzten werden wieder gesund und werden stärker als je zuvor zurückkommen. 

Die Broncos sind nach fünf Spielen ungeschlagen in der NLA, haben aber das hartumkämpfte Europacup-Achtelfinal knapp verloren. Auch die höchste Schweizer Liga ist dieses Jahr herausfordernder als die letzten Saisons. Wie würdest du die Broncos-Saison bisher einstufen?

Die ersten paar Spiele war ich noch nicht hier, deshalb kann ich nicht viel darüber sagen. Aber wir haben bisher mit einer guten Intensität und grossem Siegeswillen gespielt. Die CEFL-Niederlage war unglücklich, aber wir haben hart gespielt und wir können uns nicht mehr damit aufhalten. Dass die NLA so herausfordernd ist, macht mich ‚happy‘. Alle Teams kämpfen und geben ihr Bestes. Alles, was wir tun können, ist, uns zu fokussieren und eine Woche nach der andern zu nehmen. Diese Woche ist es Thun, und wir müssen gewinnen.

Das Spiel gegen die Tigers ist natürlich das ‚Game of the Week‘ in der Schweizer Liga. Wie sehr freust du dich auf den Spitzenkampf?

So, wie ich mich auf jedes Spiel freue. Ich finde Glück und Freude im Footballspielen und nicht darin, wer der Gegner ist. Ich liebe es, mit Leidenschaft auf dem Feld zu stehen und zusammen mit meinen Teamkollegen einer Herausforderung gegenüberzustehen. 

Wie würdest du die Tigers beschreiben?

Sie sind diszipliniert, die meisten sind bereit zu blocken und zu tackeln, und sie sind selbstbewusst.

Was können die Zuschauer vom grossen Spiel erwarten?

Ich halte es mit meinem Lieblings-Receiver aller Zeiten, Terrell Owens, der sagte: “Getcha popcorn ready” – macht euer Popcorn bereit!

Weisst du schon, was deine Pläne für nach der Saison sind? Du hilfst ja auch im Nachwuchs-Coaching mit, wäre dieser Beruf vielleicht etwas, an dem du interessiert sein könntest?

Ich arbeite derzeit an meinem Master-Abschluss, um Lehrer zu werden, was sicher eine Option ist. Aber die einzige Sache, auf die ich mich im Moment konzentriere, ist, Thun zu schlagen, Spass mit meinen Jungs zu haben und alles Mögliche zu machen, um einen weiteren Ring zu gewinnen. Über meine Zukunft mache ich mir dann einige Tage nach dem Swiss Bowl Gedanken.

 

Das Spitzenspiel zwischen den Calanda Broncos und den Thun Tigers findet am Sonntag um 14.30 Uhr im Stadion Obere Au in Chur statt. Im Vorspiel um 11 Uhr duellieren sich die U19-Junioren der Broncos mit den Alterskollegen der Argovia Pirates. 

 

Info

GRHeute ist Medienpartner der Calanda Broncos. 

 

 

(Bilder: Sergio Brunetti/stockpix.it)

author

Mathias Braendli

Redaktor Region/Sport
Marketeer, Ex-Schreiberling beim BT, Radio Grischa, Touchdown Europe und 20 Minuten. Hört Dylan, Adam Green, Ryder the Eagle und Helloween und fliegt von Football und Hockey über Jassen zu Clash Royale.