Gipfel-Zeitung-Chef: «Ich gehe freiwillig in die Verbannung»

Der Beitrag in der Davoser Gipfelzeitung schlägt seit Tagen hohe Wellen, verschiedene Medien haben die GRHeute-Geschichte aufgenommen. Wir haben mit dem Gipfel-Zeitung-Macher Heinz Schneider gesprochen.

GRHeute: Heinz Schneider, mit dem erwähnten Beitrag in Ihrer Gipfel-Zeitung haben Sie einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Was sagen Sie dazu?

Dazu gebe ich keinen Kommentar ab.

Das heisst, dass Sie sich auch nicht vor einer möglichen Anzeige der Juso fürchten?

Also gut, etwas sage ich dazu, und zwar Folgendes: Wenn man, wie ich, alleine arbeitet, dann passieren halt Fehler. Jedes Dokument, das veröffentlicht wird, sollte genau studiert werden. Aber wenn man allein ist, steht man oft unter emotionalem Stress. Da hat die Abschlusskontrolle gefehlt. Mir war der Inhalt zu wenig bewusst, hab ihn dummerweise nur schnell überflogen statt genau zu lesen. Das war ein Fehler, und das bedaure ich.

Wie konnte das konkret passieren?

In der Nacht, als es passierte, hat es sehr pressiert. Dazu kam, dass ich sehr müde war. Da ist der Hund halt reingerutscht. Ich weiss noch, wie ich den Beginn gelesen habe, dass ein Hund zum Sozialamt gehe. Den Rest habe ich nur überflogen und so den Inhalt gar nicht bewusst wahrgenommen.

Heisst das, dass Sie sich dafür entschuldigen?

Wenn ich Gefühle von Leuten verletzt habe, dann entschuldige ich mich hiermit offiziell. Ich weiss aber nicht, ob das diese Personen beruhigt. Es gibt halt einfach Menschen, die wegen der dauernden Negativpropaganda in den Medien in allem in ihren Gefühlen verletzt werden. Die sollten sich eigentlich etwas in Toleranz üben.

Sie standen schon vor einigen Jahren wegen Ihres abgeänderten Textes der Nationalhymne unter Beschuss, vor allem von der Juso. Ist das wirklich Zufall?

Das, was ich mache, mache ich mit Herzblut. Ich habe mir damals geschworen, dass ich mit diesen linken Brüdern nie mehr etwas zu tun haben will. Deshalb habe ich mich in der Folge auch sehr zurück gehalten. Aber es ist eine Gratwanderung, man bekommt so viele Sachen zugeschickt. Das war diesmal einfach ein Blackout.

Sie bestreiten also den Rassismus-Vorwurf?

Ich bin kein Rechtsextremer, sondern ein Mann der Mitte mit Sympathien – je nach Thema – nach links oder nach rechts. Ich bin wahrscheinlich grüner als sie es sind, oder als Christian Stricker (Präsident der Grünliberalen aus Davos, die Red.). Aber meine Gegner wollen das nicht hören, für sie ist diese Geschichte ein gefundenes Fressen. Sie denken einfach: Ein Wiederholungsfall, der Schneider ist ein Rassist. Das ist völlig falsch.

Dann sehen Sie sich als Opfer dieser Geschichte?

Es ist doch so: Wenn ein Kleiner einen Fehler macht, dann wird sofort von allen Seiten geschossen. Es ist ja auch klar, dass die Gipfel-Zeitung ein Dorn im Auge der Davoser Zeitung ist. Der Lebrument-Moloch ist das grösste Medienmonopol der Schweiz, das muss man sich bewusst sein. Er hat ein Interesse daran, die Gipfel-Zeitung in Davos kaputt zu machen. Leider sehen viele Leute heute wegen der ständigen negativen Berichterstattung den Wald nicht mehr.

Die Davoser Zeitung hat den Fall ins Rollen gebracht…

Ich nenne es Hausfrauen-Journalismus. Da kommen Leute zu Wort, die das journalistische Handwerk nie gelernt haben. Sie schreiben zum Beispiel, dass man mich verbannen sollte oder dass man mich früher verbannt hätte.

Und was werden Sie jetzt tun?

Ich werde natürlich an meiner Zeitung festhalten. In der heutigen Medienlandschaft fehlt das Schmunzeln und die Satire. Das Schwergewicht der Gipfel-Zeitung liegt auf positiven Nachrichten. Dass diese Meldung in die Zeitung reingerutscht ist, bedaure ich.

Und was machen Sie persönlich?

Ab morgen fahre ich in die Ferien. Ich gehe sozusagen freiwillig in die Verbannung.

 

Das Interview wurde am Dienstagnachmittag telefonisch geführt, bevor GRHeute Kenntnis von den weiteren Beschwerden der IG Davos erhielt.

 

 

(Bild: GRHeute)