Ein Rücktritt, der wehtut

Der Bündner Skirennfahrer Mauro Caviezel muss per sofort vom Spitzensport zurücktreten. Die schweren Verletzungen zwingen den 34-Jährigen zu diesem Schritt. Eine schöne Karriere, die noch viel grösser hätte sein können, geht damit zu Ende. 

Was wäre, wenn? Diese Frage muss man sich zwangsläufig stellen, wenn man sich die Karriere des Bündner Ski-Stars ansieht. Seine grössten Jahre hatte der oft von Verletzungen geplagte Bündner im Herbst seiner Karriere: 2017 gewann Caviezel überraschend an der Heim-WM in St. Moritz die Bronzemedaille in der Kombination, anschliessend reifte der Bündner endgültig zum Weltklassefahrer heran. In der Weltcupsaison 2018/19 gelang ihm definitiv der Durchbruch zur Weltspitze. Es gelangen ihm fünf Podestplätze und diverse Top-10-Platzierungen. Er schloss die Saison als jeweils Drittplatzierter der Super-G-Wertung und der Kombinationswertung ab. Bei der Alpine Skiweltmeisterschaft 2019 in Åre wurde er Siebter der Kombination und Neunter der Abfahrt. 2020 der vielleicht wichtigste Erfolg in Caviezels grosser Karriere, als er die Super-G-Kristallkugel 2020 vor dem Österreicher Vincent Kriechmayr für sich entschied.

2020 feierte er schliesslich seinen einzigen Sieg auf höchster Stufe, im Dezember 2020 gewann er den Super-G in Val d’Isère. Insgesamt stand er im Weltcup 12 Mal  auf dem Podest. 

Mauro Caviezels Fast-Sturz am Kernen-S in Wengen 2020.

Caviezel galt in diesen Jahren als einer der grössten Speed-Hoffnungsträger der Schweiz, insbesondere auch für die Olympischen Spiele 2022 in Peking. So weit kam es aber nicht. Ein Jahr zuvor, im Frühjahr 2021 sorgte eine weitere schwere Verletzung für eine Zäsur in Caviezels Karriere. Im Training zur Abfahrt in Garmisch-Partenkirchen stürzte der Schweizer im Januar schwer. Neben anderen Verletzungen zog er sich ein Schädel-Hirn-Trauma zu.

Zwar reiste er wenige Wochen nach dem Sturz an die WM in Cortina und startete im Super-G, wo er das Ziel allerdings nicht erreichte. Die Saison 2021/22 inklusive der Olympischen Spiele fiel dann komplett ins Wasser. Der Bündner gab aber nicht auf und kämpfte entschlossen an seinen Comeback-Plänen. Diese wurden bei seinem Comeback-Wochenende in Lake Louise im vergangenen November durch einen weiteren schweren Sturz vereitelt.

 

 

Zwar habe er sich in der Zwischenzeit von jenem Sturz und dem Schädel-Hirn-Trauma wieder erholt, «leider geht es mir aber nicht gut genug, um wieder in den Skirennsport einzusteigen», lässt sich Mauro Caviezel in der Medienmitteilung von Swiss-Ski zitieren.

Caviezels Kristallkugel, Jankas Comeback, Flurys Verletzung

Nur allzu gerne wäre der 34-Jährige noch einmal in den Weltcup zurückgekehrt. Entsprechend schwer fällt dem Bündner der Entscheid, aufzuhören: «Nach reiflicher Überlegung musste ich schweren Herzens leider eingestehen, dass für mich der Zeitpunkt gekommen ist, zurückzutreten», so Caviezel, der von 2017 bis 2020 erfolgreichster Bündenr Weltcuppunktesammler war. Eine schöne Karriere mit einigen grossen Erfolgen geht somit leider zu Ende. Angesichts seiner schweren Verletzungen und seines «fortgeschrittenen Alters» sicher eine kluge Entscheidung des 34-Jährigen, der in der ewigen Weltcup-Liste der Bündner Skicracks auf dem 7. Rang liegt.

«Die Lebensschule als Skirennfahrer hat mich geprägt, geformt, gelehrt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich bin nun gespannt, was die Zukunft bringen wird, und freue mich auf das nächste Kapitel mit neuen Herausforderungen», so der 34-Jährige gegenüber Swiss Ski.

Danke, Mauro – und Gratulation für viele schöne Erinnerungen!

Der «Iceman» steht an der Spitze der erfolgreichsten Bündner Skifahrer

 

 

(Bilder: Archiv GRHeute)