«Die Wölfe müssen in der Nähe eines Dorfes geschossen werden»

Das Wolfsrudel im Calandagebiet verhält sich zunehmend problematisch (GRHeute berichtete vor zwei Wochen und kommentierte letzte Woche). Damit die Wölfe ihre Scheu vor dem Menschen wieder zurückerlangen, sollen zwei Tiere aus dem Rudel entfernt werden. Die Kantone Graubünden und St.Gallen beantragen dafür beim Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine Abschussbewilligung.

Seit 2012 lebt im Gebiet des Calanda-Ringelspitz-Massivs das erste Wolfsrudel der Schweiz. Die Sichtungen und das Verhalten der Wölfe im Streifgebiet wurden von Mitarbeitern der zuständigen Ämter der Kantone Graubünden und St.Gallen laufend protokolliert und bewertet.

Problematisches Verhalten

Bisher sind noch keine direkten gefährlichen Situationen für Menschen aufgetreten. In den vergangenen Monaten kam es jedoch immer häufiger zu nahen Begegnungen zwischen Menschen und Wölfen in oder um Siedlungen. Einzelne oder mehrere Wölfe drangen bis an Stalltore, Freilaufgehege oder Gebäude vor und liessen sich nur noch widerwillig vertreiben. Das Rudelverhalten wurde nach mehreren Vorkommnissen als problematisch eingestuft.

Zwei Wölfe sollen geschossen werden

Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sollen diesen Winter zwei Tiere aus dem Calanda-Rudel geschossen werden. Die Kantone Graubünden und St.Gallen haben ein entsprechendes Gesuch beim zuständigen Bundesamt für Umwelt BAFU eingereicht. Die Abschüsse zielen darauf ab, eine Verhaltensänderung zu erwirken. Nur wenn die Wölfe wieder scheuer werden, wird ein Zusammenleben dieser Grossraubtiere in der Kulturlandschaft Schweiz auch in Zukunft möglich sein.

Rechtliche Grundlagen vorhanden

Mit der Revision der eidgenössischen Jagdverordnung hat der Bund im Sommer 2015 die dafür notwendigen rechtlichen Grundlagen geschaffen. Rechtliche Voraussetzung für einen Eingriff sind eine nachgewiesene Reproduktion im laufenden Jahr und das wiederholte Auftreten von Wölfen innerhalb oder in unmittelbarer Nähe von Siedlungen, verbunden mit geringer Scheu gegenüber Menschen.

«Die Wölfe werden immer dreister»

Zwei Wölfe aus dem Calanda-Rudel sollen geschossen werden, geht es nach dem Willen der betroffenen Kantone St. Gallen und Graubünden. «Die Wölfe sind immer dreister geworden, sind immer näher gekommen und sogar in den Gemeinden aufgetaucht», äusserte sich Jagdinspektor Georg Brosi gestern gegenüber dem Regionaljournal von SRF, «diesen Vorgang wollen wir wieder zurück buchstabieren.»

Ziel sei es, das Verhalten der Calanda-Wölfe zu beeinflussen. Dieser soll merken, dass es in der Nähe von Menschen gefährlich ist. Sollte das Bundesamt für Umwelt die Bewilligung gegen Ende Jahr erteilen, wird die anspruchsvolle Mission gestartet. «Erstens müssen sie in der Nähe eines Dorfes geschossen werden», so Brosi, wie die gewünschte Wirkung erzielt wird, «zweitens muss es in Gegenwart mehrerer weiterer Wölfe geschehen.»

Die tier- und umweltschützerischen Organisationen WWF und Pro Natura stehen einem Abschuss sehr skeptisch gegenüber. Wie sie mitteilten, sei nicht bewiesen, dass Abschüsse eine abschreckende Wirkung auf die restlichen Rudel-Mitglieder hätten. Die beiden Organisationen erwägen rechtliche Schritte, sollte das BAFU die Abschüsse genehmigen. Der folgende Twitter-Post fasst diese Meinung ziemlich gut zusammen.

Das Problem Mensch will in #Graubuenden zwei «Problem-Wölfe» abschiessen damit die anderen Wölfe merken wo ihre Grenzen sind. #nocomment

— gianpaolo (@gi_pi_ri) 30. November 2015


 

 

(Quelle: Medienmitteilung Standeskanzlei Graubünden / Symbolbild: Pixabay)